Opel Kleinstwagen: Der noch Namenlose
Kleinstwagen-Boom Das Ein-Euro-Auto
Opel steht unter Strom. Um zu beweisen, dass die Elektrolimousine Ampera mit eingebautem Reichweitenverlängerer kein Solist im Angebot bleiben wird, verkünden die Verantwortlichen lauthals Pläne zur Elektrifizierung des Modellprogramms. Ganz neu wird dabei ein Batteriefahrzeug für den Stadtverkehr auf Basis eines bislang "Junior" genannten Kleinwagens sein, das im Jahr 2014 auf die Straßen kommen soll. Und auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt wird Opel demonstrieren, dass es auch noch eine Nummer kleiner geht: Genau wie Audi mit dem Konzeptauto Urban Spider und VW mit dem Einsitzer Nils enthüllen die Rüsselsheimer die Studie eines Schmalspurmobils, das für Metropolen von Morgen entwickelt ist.
Knapp drei Meter lang und nicht einmal einen Meter breit, bietet das bislang noch namenlose Konzeptfahrzeug Platz für zwei Personen, die hintereinander sitzen. Weil die futuristisch gestylte und im Windkanal glatt geschliffene Karosserie weitgehend aus Aluminium und Karbon gefertigt ist, spricht Opel von extremem Leichtbau. So wiege das Vehikel um zwei Drittel weniger als ein konventioneller Kleinwagen und dürfte mithin auf etwa 500 Kilogramm Gewicht kommen.
Angetrieben wird die Hightech-Seifenkiste von einem Elektromotor an der Hinterachse, der die Fuhre auf bis zu 120 km/h beschleunigen und so auch Autobahnfahrten ermöglichen soll. Zwar gibt es noch keine technischen Daten, doch haben die Opel-Entwickler schon einmal die Betriebskosten ausgerechnet: Weil die nutzbare Akkukapazität von fünf Kilowattstunden für 100 Kilometer Fahrstrecke reichen soll und man eine günstige Kilowattstunde Strom für 20 Cent bekommt, spricht Opel vom "ersten Ein-Euro-Auto der Welt".
Ob und wann man das Wägelchen tatsächlich kaufen kann, verrät in Rüsselsheim noch keiner. Doch im Begleitschreiben zu den ersten Fotos des Fahrzeugs ist von "einem hohen Potential für eine Serienfertigung" die Rede, außerdem wird offenbar bereits über eine sehr effiziente Produktion nachgedacht. So soll der Preis für den Schmalspurflitzer so weit gesenkt werden, dass sich auch Mobilitätseinstieger für den Wagen interessieren könnten. Um den Autofahrer-Nachwuchs an die Marke zu binden, sinnieren die Manager bereits über eine auf 45 km/h gedrosselte Version des Zweisitzers, der als "My first e-Opel" vermarktet werden könnte und bereits von 16jährigen gefahren werden dürfte.
Minimalautos spielen auf der Maxi-Messe IAA eine Hauptrolle
Mit dem Konzeptfahrzeug liegt Opel voll im Trend. Auch auf anderen IAA-Ständen spielen kleine Autos eine große Rolle. So zeigt Audi in Frankfurt gleich zwei Varianten des Schmalspurmodells Urban Concept, das ebenfalls mit zwei Sitzen, Karbonkarosse und Elektroantrieb auf den Markt kommen soll. Und VW hat für die Messe am Main das Konzeptauto Nils angekündigt, neben dem selbst der neue VW-Kleinwagen Up zum Riesen wird.
Zwar reden die Entwicklungschefs der Unternehmen mit derartigen Fahrzeugen den Trend zur so genannten Mikromobilität herbei, weil sie den Herstellern von Motorrädern und Rollern für den Stadtverkehr künftig Konkurrenz machen wollen. Und einige Analysten sehen darin bereits ein boomendes Marktsegment. Der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer jedoch hält einen Durchbruch solcher Fahrzeuge für unwahrscheinlich. "Sie bieten weder die Emotionen eines Motorrades, noch den Komfort eines Autos", sagt der Professor der Universität Duisburg-Essen. "Damit bleiben sie Zwitter, die es keinem recht machen können." Fragt man ihn nach den Marktchancen für solche Mobile, erinnert Dudenhöffer an das Schicksal des überdachten Rollers BMW C1, der bereits vor elf Jahren Autofahrer aufs Zweirad locken wollte und nach nur drei Jahren wieder eingestellt wurde. BMW hat daraus Lehren gezogen: Irgendwelche Kleinstwagen gibt es beim Münchner Konzern vorerst nicht zu sehen.