Kühlerfiguren-Sammlung: Kunst am Grill - DER SPIEGEL
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Kühlerfiguren-Sammlung Kunst am Grill

Eine Oldtimer-Sammlung kostet viel Geld und benötigt eine Menge Platz. Über beides verfügt Ruth Schumacher zwar nicht, hat aus ihrer Not aber kurzerhand eine Tugend gemacht: Die Autonärrin sammelt ausschließlich Kühlerfiguren und Markenzeichen.
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Kühlerfiguren: Skulpturen im Fahrtwind

Foto: Tom Grünweg

Ruth Schumacher suchte eigentlich nur ein originelles Geburtstagsgeschenk für ihren damaligen Freund. Der war Autonarr, und so überreichte sie ihm, hübsch verpackt, einige Markenzeichen von Fiat, Mercedes, Opel und VW. "Dabei habe ich mich wohl mit dem Sammlervirus infiziert. Doch damals hatte ich keine Vorstellung davon, wie viele unterschiedliche Marken es gibt und vor allem gab", sagt sie heute.

Inzwischen kennt Schumacher die schier grenzenlose Vielfalt der Kühlerfiguren und Markenzeichen der Automobilwelt wie kaum eine andere. Denn die Stuttgarterin hat so viele davon zusammengetragen wie wohl niemand sonst. "600 Exemplare sind es mindestens", sagt Schumacher. Die lagern in Vitrinen und Schubladen, in Schränken und Regalen. "Imposante Kühlerfiguren sind meine Lieblingsstücke, aber die benötigen viel Platz. Bei Markenemblemen ist der Platzbedarf geringer, und so habe ich in den letzten Jahren meinen Sammelschwerpunkt ein wenig verlagert."

Ob Figur oder Firmensignet - die Schmuckstücke ihrer Sammlung sind bis zum 31. März 2011 im Auto & Technik Museum in Sinsheim ausgestellt. Der Trend weg von der Kühlerfigur und hin zum Markenzeichen in Schumachers Sammlung spiegelt übrigens eine Umstellung wider, die in der Autobranche schon nahezu abgeschlossen ist. Denn die klassische Kühlerfigur stirbt aus. "Die Aerodynamik und die Gesetze zum Fußgängerschutz haben die Figuren weitgehend von den Fahrzeugen verbannt", sagt Schumacher.

Mercedes-Stern, Maybach-Doppel-M oder der "Spirit of Ecstasy" von Rolls-Royce stehen noch im Wind. Damit das überhaupt noch erlaubt wird, ist einiger Aufwand nötig. Der Mercedes-Stern etwa wird so gefedert, dass er im Falle einer Kollision sofort wegklappt. Und die Kühlerfigur von Rolls-Royce verschwindet bei einer Berührung automatisch in der Haube. Um sie vor Diebstahl zu schützen, kann man die Skulptur beim Parken sogar elektrisch einfahren - kein andere Marke treibt so viel Kult um die Kunst am Kühler.

Überhaupt ist das Phänomen ein urbritisches. Schließlich war Rolls-Royce im Jahre 1911 der erste Autohersteller, der sämtliche Modelle mit einer Kühlerfigur bestückte. Davor gab es jedoch schon individuelle Anfertigungen von Kunsthandwerkern, Juwelieren und Goldschmieden. Die erste Plakette überhaupt soll sich auch ein Engländer aufs Auto geschraubt haben: eine Christopherusfigur, die vor Unbill auf Reisen schützen sollte. Schumacher kennt zahlreiche solcher Anekdoten und Geschichten - nachzulesen in ihrem Bildband "Kunstwerke aus Chrom" (Wißner Verlag, 224 Seiten, 49,80 Euro).

Griechische Götter, halbnackte Frauen, Comicfiguren

Weil Kühlerfiguren in den ersten Jahrzehnten des Autobaus fast immer individuelle Wunschausstattung waren, ist die Varianz riesig: Auf den Hauben glänzen Silber, Bronze, Kupfer, Gold oder Bleikristall. Und in den Fahrtwind reckt sich alles, was Tierwelt oder Mythologie so hervorgebracht haben. "Es gibt nichts, was es nicht gibt", sagt Schumacher. Schwäne, Pferde, Adler und sogar Hasen hat sie schon als Kühlerfiguren entdeckt. Außerdem natürlich viele der antiken Götter, noch mehr zumeist spärlich bekleidete, wohl proportionierte Damen und allerlei neumodischen Nippes: "Mickey Mouse, Golfspieler, Boxer - der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt."

Trotzdem gibt es ein paar Exemplare, die besonders begehrt sind. Der aufgerichtete Elefant zum Beispiel, den Rembrand Bugatti als Persiflage der "Spirit of Ecstasy" für den Bugatti Royale seines Bruders Ettore Bugatti entwarf, gilt unter Sammlern als eine Art Blaue Mauritius der Kühlerfiguren. "Es gibt nur sechs Originale, die zu Preisen von bis zu 50.000 Euro gehandelt werden", erklärt Schumacher. Außerdem wurden mit den Originalwerkzeugen später zwölf weitere Bugatti-Elefanten hergestellt, von denen sie einen ergatterte. Der kostete mehrere tausend Euro - andere Embleme wiederum gibt es für ein paar Cent.

Die Suche nach seltenen Kühlerfiguren ist fast schon Detektivarbeit

Allerdings ist es weniger Geldfrage, eine Sammlung wie die von Ruth Schumacher aufzubauen. Denn Autohändler verkaufen ein einzelnes Logo als Ersatzteil oft nur, wenn man auch eine passende Fahrgestellnummer dazu vorweisen kann - also auch tatsächlich ein Fahrzeug der Marke besitzt. Was also bleibt, ist das Stöbern auf Flohmärkten und Oldtimerbörsen, sowie die Suche in Tauschbörsen und Aktionshäusern im Internet. Außerdem, verrät Schumacher, seien US-amerikanische Autofriedhöfe eine Fundgrube.

Auch wenn die Kühlerfiguren auf dem Rückzug sind - bei Autoemblemen ist kein Ende in Sicht. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn vor allem aus Fernost kommen stetig neue Marken und Modelle auf den Markt. Und ein schickes, auffälliges, markantes Emblem sei heute wichtiger denn je, sagt Schumacher. Schließlich seien die Markenzeichen oft das einzig wirklich Originelle an einer Karosserie. "Ohne Markenzeichen sehen doch heute alle Autos gleich aus."