Lamborghini-Leichtbau-Studie: Keil aus Kohlefaser
Lamborghini-Leichtbau-Studie Das sechste Element
Superleggera - mit dem Wort hantiert Lamborghini gern. Denn Leichtbau soll der Weg sein, auf dem die italienischen Supersportwagen aus der Klimakritik fahren können. "Jedes Kilo, das wir einsparen, reduziert den Verbrauch und erhöht gleichzeitig die Fahrdynamik", erklärt Markenmanager Manfred Fitzgerald bei jeder Gelegenheit. Bislang jedoch beschränkte sich der Leichtbau auf ein paar Anbauteile und den Verzicht auf Zusatzausstattung. Hier etwas leichtere Felgen, dort Polycarbonat statt Glas, Hauben aus Aluminium oder eben ein Modell ohne Radio oder Klimaanlage. Alles aufwändig, zum Teil auch auffällig, aber im Ergebnis eher bescheiden. Denn auch wenn etwa der Gallardo Superleggera anderthalb Zentner weniger wiegt als das Standardmodell, so sind es immer noch 1340 Kilogramm.
Auf dem Autosalon in Paris jetzt soll die Studie Sesto Elemento den Durchbruch in Sachen Gewicht bringen. Der Wagen würde das Attribut Superleggera tatsächlich verdienen. Samt V10-Motor und Allradantrieb wiegt das Coupé lediglich 999 Kilogramm. Möglich wird das durch den exzessiven Einsatz des sechsten Elementes aus dem Periodensystem, das der Studie auch den Namen gegeben gab: Kohlenstoff.
Der Stoff ist die Basis für Karbon oder Kohlefaser, mit dem sich Autos um vieles leichter bauen lassen als aus Stahl oder Aluminium. Nur war Kohlefaser bislang viel zu teuer für die Großserie. Jetzt allerdings hat Lamborghini im Forschungsverbund mit dem Flugzeughersteller Boeing offenbar ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Kohlefaserkarossen so wirtschaftlich herstellen lassen, dass es sich zumindest bei Supersportwagen zu Preisen ab 150.000 Euro aufwärts lohnen könnte.
Den Beweis, dass dies wirklich funktioniert, wird Lamborghini im kommenden Jahr erbringen, wenn die nächste Generation des Modells Murcielago vorgestellt wird. Was generell möglich ist, zeigt schon jetzt die spektakuläre Studie. Deren Basis ist eine extrem solide, steife, sichere und leichte Struktur aus Kohlefaser: Die Zelle des Sesto Elemento ist als Monocoque in einem Stück gefertigt. Der gesamte Frontrahmen, die Crashboxen und die Außenhaut-Teile bestehen aus kohlefaserverstärkten Kunststoffen. Und sogar wesentliche Teile der Radaufhängungen und die Felgen sind aus dem leichten Material hergestellt. Dazu gibt es Auspuff-Endrohre aus einem Glas-Keramik-Verbundstoff, eine Kardanwelle aus Karbon und Bremsscheiben aus Keramik.
Das Leistungsgewicht liegt bei 1,75 Kilogramm pro PS
Resultat ist ein bislang unerreichtes Leistungsgewicht: Jedes der 570 PS des unveränderten V10-Motors aus dem Modell Gallardo muss nur noch 1,75 Kilogramm beschleunigen - statt normalerweise 2,35 Kilogramm. Entsprechend rasant bringt der 5,2 Liter große Benzindirekteinspritzer den Prototypen in Fahrt: Der Sprint auf Tempo 100 soll in 2,5 Sekunden möglich sein, die Höchstgeschwindigkeit liege "sehr deutlich über 300 km/h", heißt es in Sant'Agata. Wie sich das konkret im Verbrauch ausdrückt, darüber gibt es leider noch keine Aussagen.
Für Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann ist der Sesto Elemento ein Bote aus der Zukunft. "Der Sesto Elemento zeigt, wie der Supersportwagen von Morgen aussehen kann: Extremer Leichtbau kombiniert mit extremer Leistung ergibt extrem großen Fahrspaß."
Aber es ist nicht nur die Technologie, auf die Lamborghini mit der Studie aufmerksam machen möchte. Auch das Design soll Begehren wecken. "Beim Sesto Elemento haben wir all unser Knowhow in eine faszinierende Form gebracht", sagt Winkelmann. Das Auto ist von mattem Klarlack überzogen, unter dem das schwarzes Karbon dank roter Nano-Partikel förmlich zu glühen scheint.
Schon der nächste Lamborghini soll der Studie ähneln
Wie mit dem Skalpell geschnitten und im Windkanal optimiert, duckt sich das Coupé auf die Straße. Jede Kante wirkt scharf wie eine Klinge, das Auto wirkt brachial und beinahe brutal. Dabei setzen die Italiener auch optisch die Idee vom Leuchtbau um und zeigen innen wie außen mit großen, dreieckigen Ausschnitten, wie viel Material dank der stabilen Kohlefaserstruktur kurzerhand weggelassen werden kann.
Auch wenn der Sesto Elemento ein Einzelstück bleiben wird, so weist die Studie doch schon auf Kommendes hin. Lamborghini-Chef Stefan Winkelmann sagt: "Nicht nur der radikale Leichtbau, sondern auch das Design geben einen sehr konkreten Ausblick auf kommende Serienmodelle. Jeder künftige Lamborghini wird den Geist des Sesto Elemento atmen."