Lancia-Zukunft: Ein Logo als Lebenszeichen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Lancia-Zukunft Ein Logo als Lebenszeichen

Lancia? Gibt's die noch? Ja! Zwar lebt die Marke derzeit eher schlecht als recht. Doch aufgegeben hat Fiat die schöne Tochter nicht. Warum sonst gäbe es kurz nach dem 100. Geburtstag jetzt ein neues Logo? Wichtiger allerdings wären neue Modelle. Doch die lassen warten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man muss vielleicht zweimal hinschauen und die Zulassungsstatistik ganz genau durchstöbern, doch es ist wahr. Lancia lebt. Zwar hat die elegante Fiat-Tochter im letzten Jahr in Deutschland gerade einmal 2600 Autos verkauft, was etwa der Hälfte des Saab-Absatzes, einem Fünftel der Alfa-Romeo-Zahlen oder einem Hundertstel der Audi-Zulassungen entspricht. Und mit 759 Exemplaren des Modells Ypsilon, 336 Musa, 75 Phedra und 24 Thesis sieht es in den ersten fünf Monaten dieses Jahres kaum besser aus. Doch demonstriert die Konzernmutter Fiat in Turin auch im Jahr eins nach dem 100. Geburtstag unbeirrbaren Optimismus.

Statt den italienischen Patienten in Frieden entschlummern zu lassen, werden eine Reihe neuer Modelle geplant, mit denen die Marke zurück ins Bewusstsein designorientierter Freunde italienischer Lebensart fahren soll. Die im letzten Jahr gezeigte Studie des kompakten Delta HPE als Konkurrenten für Audi A3, BMW 1er oder Volvo C30, deren Serienversion wohl im nächsten Jahr in Genf enthüllt wird, ist da nur der Anfang. Auch von einem kompakten Geländewagen im Stil des BMW X3 ist die Rede, und vielleicht hat der so lautstark bejubelte und dann so traurig beweinte Fulvia-Coupé-Prototyp doch noch eine Chance. Fragen gibt es also viele, aber Antworten sind rar.

Dennoch zeigen die Italiener jetzt ein neues Zeichen der Zuversicht. Eher als Lebens-, denn als Markenzeichen bringen sie in diesen Tagen eine aufgefrischte Version ihres Logos an den Start. Gestaltet von der Agentur Robilant Associati und den hauseigenen Designern nimmt es Abschied von der stilisierten Fahne mit dem Schriftzug, die seit jeher an eben jener Lanze (italienisch: "Lancia") über das Logo flatterte, die der Marke ihren Namen gab. Stattdessen gibt es ein stärker modelliertes Wappenschild mit abgerundeten Kanten und drei Ecken, das von einem angedeuteten Lenkrad mit zwei senkrechten Speichen gefüllt wird, in dem nun der klarer gezeichnete Schriftzug "Lancia" prangt.

Das sei allerdings kein Bruch mit der Geschichte, betonen die Italiener, denen der Blick zurück mangels aktueller Erfolge besonders wichtig ist. Das neue Logo stehe für ein "traditionsverbundenes und zugleich zukunftsorientiertes Unternehmen", für einen "Wandel im Zeichen der Kontinuität", schwadroniert das Marketing. Als grafisches Bindeglied zwischen gestern und morgen gibt es deshalb gemeinsame Elemente von Vergangenheit und Zukunft: Die Farbe Blau, die seit jeher fester Bestandteil des Logos ist, und der auf das Jahr 1929 zurückgehende Schild.

Neues Logo, aber leider kein neues Auto

Natürlich hätte, ähnlich wie bei der Konzernmutter Fiat, zum neuen Logo auch ein neues Auto gut gepasst. Doch während Fiat sein neues, wieder rotes Wappen vor ein paar Wochen medienwirksam an den neuen Bravo pappen konnte, muss der schönen Tochter ein Sondermodell als Anlass zur Premiere genügen. So sitzt das neue Logo an einer weiteren Variante des Kleinwagens Ypsilon Sport, die von der Firma Momo Design aufgepeppt wurde. Der Flitzer, der Mitte Juli zu Preisen ab 15.650 Euro wahlweise mit zwei Dieselmotoren und einem Benziner (90 bis 105 PS) angeboten wird, kombiniere "Fahrspaß und Stil", weil er "italienisches Design dynamisch interpretiert", heißt es im Begeleittext.

Technische Änderungen braucht es dafür kaum. Statt stärkerer Motoren oder neuer Ausstattungsmerkmale gibt es auffällige Schminke. Von außen ist die italienische Antwort auf den Mini an einer zweifarbigen Lackierung zu erkennen, für die Sondertöne mit so klangvollen Namen wie Mosaccio Schwarz, Borromini Grau, Casorato Gelb und Raffaello Weiß mit einem grauen Matt-Metallic an der Heckklappe, dem Dach und den Spiegelkappen kombiniert werden. Dazu gibt's in Wagenfarbe lackierte Einfassungen für die Nebelscheinwerfer und Alufelgen, die Lancia als "diamantiert und prägepoliert" bezeichnet.

Kleinwagen in mehr als 700 Varianten

Auch innen ist es vor allem der übliche Zierrat, der mit etwas Phantasie und wenig Geld für frischen Wind sorgt: Und weil die Marke Momo für sportliches Zubehör steht, gibt es eben ein paar tiefer ausgeschnittene Sitze, über die sich fein perforierte Bezüge aus Leder und Alcantara mit eingesticktem Momo-Logo spannen. Das Lenkrad bietet wie der Schaltknauf auch feuchten Händen festen Halt, und die Optionsliste viele Möglichkeiten, um den Preis tatsächlich auf das Niveau des Mini zu treiben.

Mit dem neuen Modell unterstreicht Lancia einmal mehr den eigenen Charakter des kleinen Flaggschiffs. Konzipiert für "Kunden, die sich von der Masse abheben wollen und nach einem ganz individuellen Auto verlangen", bietet der Ypsilon mittlerweile mehr als 700 Variationsmöglichkeiten und damit die Garantie, dass einem wohl nie das gleiche Auto wie das eigene noch mal begegnet. Wenn die Zulassungszahlen allerdings weiter so gering bleiben, hätte es dafür einer solchen Vielfalt gar nicht bedurft.

Mehr lesen über