Milliardär Michael Dezer: Im PS-Panoptikum
Milliardär Michael Dezer Im PS-Panoptikum
Fast jeder Mann hat sich ein Stück Kindheit bewahrt. Sei es eine Box mit Matchbox-Autos, die auf dem Dachboden lagert, oder eine Modelleisenbahn. Michael Dezer kann sein Lieblingsspielzeug nicht in Kisten verstauen. Er braucht Container. Der Immobilien-Tycoon aus Miami sammelt Autos, seine Abstellkammer ist eine Tiefgarage. Unter einer Luxusresidenz seines Freundes Donald Trump hat sich der Sunnyboy vor ein paar Jahren ein Traumreich eingerichtet, das wahrscheinlich weltweit seinesgleichen sucht.
Dezers Privatmuseum öffnet gewöhnlich nur für ihn und ein paar handverlesene Freunde. Auf einer Fläche, die so groß ist wie vier Tennisplätze, reihen sich mehr Wagen als auf einem Supermarkt-Parkplatz. Und außergewöhnlicher sind die Modelle auch noch. "Autos sind meine Leidenschaft", erzählt der braungebrannte Milliardär Dezer. "Mir das alles kaufen zu können, das ist meine ganz persönliche Art des American Dream."
Beim Klauen erwischt - dann bekam er eine Vespa
Als der End-Sechziger Dezer vor vielen Jahrzehnten aus Israel in die USA kam, hatte er fast nichts. Der Mann, der mittlerweile im aufgemotzten Rolls-Royce und mit "Dezer-1"-Kennzeichen an Gumball-Rennen rund um den Globus teilnimmt, musste sich damals mit einem runtergekommenen 53er Plymouth begnügen. Dieser Wagen kostete angeblich nur 40 Dollar.
Dezers erstes Auto war sogar noch billiger: "Das habe ich mit ein paar Kumpels in Israel gestohlen", prahlt er, ohne Anflug von Reue. Allerdings wurden er und seine Freunde beim Klauen erwischt, der Vater musste ihn auslösen. Doch statt seinem Jungen die Leviten zu lesen, kaufte er seinem Sohn eine Vespa - er sollte nicht wieder in Versuchung kommen.
Was mit einem Diebstahl begann, wurde zu einer Liebesgeschichte, die bis heute andauert: Die Vespa ist nicht nur der Grund, weshalb Dezer außer rund 500 alten Autos noch mehrere hundert Motorrad-Oldtimer besitzt. Nein, die Anekdote aus seiner Jugend erklärt auch, weshalb der Milliardär gern den Ferrari stehen lässt und auf der Vespa durch das Art-Déco-Viertel von Miami Beach kreuzt. Der Roller erinnert ihn an früher.
Atemnot in der Traumwelt
Mit dem Geld, das Dezer bei seinen Immobiliengeschäften verdiente, stockte er seine Fahrzeugsammlung auf. Zwischenzeitlich umfasste sie mehr als 700 Autos und über 300 Motorräder, erzählt Dezers Kurator Brian Grams: "Da ist es doch ein bisschen voll geworden". "Voll" ist höflich formuliert für eine Halle, in der man sich stellenweise nur mit eingezogenem Bauch und angehaltenem Atem bewegen kann. Oft sieht man den Weg vor lauter Wagen nicht mehr. Gäbe es keine Vorschriften von Feuerwehr und Bauamt, wäre wohl auch der letzte Quadratzentimeter dieser Traumwelt zugeparkt.
Weil Dezer partout kein neues Auto mehr in seiner Tiefgarage unterbringen konnte und er auch noch ein paar Plätze für seine Mieter braucht, entschloss er sich, mit dem Klassiker-Handel zu beginnen. Passend dazu plante er ein eigenes Museum im Norden von Miami. In einem Industriegebiet im Norden von Miami wächst deshalb nun die Dezer Collection heran, ein Freizeitkomplex mit Autoschau, Bowlingbahnen, Konferenzräumen und Restaurants.
Um seine Sammlung noch bunter zu machen und weil es ja jetzt wieder Platz gab, hat Dezer unter anderem ein paar Dutzend Filmautos gekauft: Ein Marilyn-Monroe-Double sitzt im pinken Cadillac, James Dean im Porsche 550 Spyder. Auch "General Lee" aus dem Actionfilm Duke Brothers hat es in sein Museum geschafft, genau wie Herbie und ein paar James-Bond-Autos. Selbst den Steinzeit-Wagen der Familie Feuerstein hat Dezer aufgetrieben.
Eine Modelleisenbahn rollt unter der Decke
Ein System lässt sich in Dezers Sammlung kaum erkennen. Klar, im Museum sortiert Brian Grams alles nach Themen und spinnt einen roten Faden. Und natürlich ist Dezer der Vespa treu geblieben, mit der seine Sammelleidenschaft begann. Doch wo andere Sammler sich auf eine Marke, eine Epoche oder zumindest auf ein Genre konzentrieren, hortet Dezer einfach alles, was schrill, schnell, bunt oder selten ist.
Dezers riesiges Kleine-Jungen-Zimmer in der Tiefgarage ist deshalb ein schillerndes PS-Panoptikum, das vom John-Deere-Traktor bis zur Corvette keine Nische auslässt. Und weil er zwischen den Oldtimern doch noch ein bisschen Platz gefunden hat, stehen in seinem Traumreich auch noch ein paar alte Musikboxen. An den Wänden drumherum parken tausende Modellautos und unter der Decke rollt noch eine riesige Modellbahn entlang.
"Für mich sind Autos wie Spielsachen", sagt Dezer. "Wenn mir eines gefällt, dann kaufe ich es." Das Alter, der Wert oder die historische Bedeutung sind ihm dabei ebenso egal wie der Preis. Denn Geld spielt für den Milliardär, der für eine Probefahrt auch mal spontan in den Privatjet steigt, offenbar keine Rolle. Dass er sich in den letzten Monaten verstärkt für Kleinwagen interessiert und in seinen Hallen plötzlich Smarts, Goggomobile, Kabinenroller und alte Fiats hortet, hat daher auch nichts mit Sparmaßnahmen zu tun. "Diese Leidenschaft hat einen anderen Grund", räumt der Sammler ein: "Solche Autos brauchen einfach nicht so viel Platz."