Mitsubishi Space Star: Kleinwagen wird kleiner, leichter, sparsamer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Autogramm Mitsubishi Space Star: Bitte recht billig

Foto: Mitsubishi

Autogramm Mitsubishi Space Star Ist doch ganz leicht

Mitsubishi rüstet ab. Die Colt-Baureihe ist Geschichte, ab sofort heißt der neue Kleinwagen Space Star. Das Auto wird kleiner, ist extrem leicht und obendrein deutlich billiger. Damit fährt der Neue auf der Höhe der Zeit - nur das Ambiente ist von gestern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Muss ein Weltauto auch ein Allerweltsauto sein? Wenn man sich den Mitsubishi Space Star anschaut, dann spricht vieles dafür. Weil der Kleinwagen überall und jedem gefallen soll, ist der Fünftürer irgendwie gesichtslos geraten. Das gilt erst recht fürs Interieur, das mit billigem Hartplastik, dünnen Sitzen und einem einfallslos gestalteten Cockpit unschöne Erinnerungen an die Tristesse mancher japanischer Autos aus den achtziger Jahren weckt.

Das sagt der Hersteller: Das Ambiente mag von gestern sein, doch insgesamt sei der Nachfolger des Colt ein Auto, das technisch bestens in die Zeit passt, argumentiert Mitsubishi. Während andere Modelle immer größer und schwerer werden, sei es bei diesem Wagen radikal anders. "Der Space Star ist gut 20 Zentimeter kürzer und 120 Kilo leichter als sein Vorgänger", sagt Produktmanagerin Josefine Beck. "Mit 845 Kilo ohne Fahrer und Gepäck ist er das Fliegengewicht in seiner Klasse." Das senke den Verbrauch und gelinge "ohne Einbußen beim Raumangebot".

Möglich wird dies durch eine neue Plattform mit Leichtbaufahrwerk und gewichtsoptimierten Motoren, die zusammen mit dem eingedampfte Format zur Gewichtsreduktion beitragen. Der große Aufwand wurde getrieben, weil der in Thailand gebaute Space Star als Weltauto konzipiert ist, das vor allem in Asien groß herauskommen soll.

Das ist auch einer der Gründe, weshalb der Start in Europa um ein halbes Jahr verschoben wurde, erläutert Mitsubishi-Sprecher Helmut Bauer. In Südostasien kam der Wagen nach der Premiere im vergangenen Frühjahr so gut an, dass die Europäer erst jetzt bedient werden - nach der Fertigstellung einer zweiten Fabrik für das Auto.

Der zweite Grund für die Verspätung liegt im Namensrecht. Bauer: "Kurz vor der Markteinführung wurde uns der im Rest der Welt genutzte Fahrzeugname 'Mirage' für Europa streitig gemacht." Die Registrierung eines neuen Namens hätte mehr als ein Jahr gedauert hätte, deshalb entschied sich Mitsubishi für eine Bezeichnung aus dem eigenen Fundus: Space Star, so hieß eine bis zum Jahr 2005 produzierte Großraumlimousine des Herstellers.

Das ist uns aufgefallen: Die geringen Außenabmessungen täuschen. Aufgrund der dünnen Sitze und der geschickten Raumausnutzung bietet der neue Space Star sogar etwas mehr Platz als der bisherige Colt; selbst im Fond können Erwachsene sitzen - wenn auch nicht auf längeren Strecken. Und der Kofferraum hat an Fassungsvermögen ebenfalls zugelegt und wäre richtig praktisch, hätte er nicht eine fast hüfthohe Ladekante.

Weil das Auto so kompakt und leicht ist, reichen kleine Motoren zum Vorankommen. Deshalb hat Mitsubishi für den Space Star neue Dreizylinder-Aggregate entwickelt. Der Basismotor hat 1,0 Liter Hubraum und leistet 71 PS; in den gehobenen Varianten kommt ein 1,2-Liter mit 80 PS zum Einsatz. Die Motoren sind im Normalbetrieb recht genügsam und kommen auf dem Prüfstand mit einem Klassenbestwert von vier Litern aus. Laune machen sie aber erst bei etwas höheren Drehzahlen, dann aber steigt der Verbrauch und das typische Dreizylinder-Knattern wird ziemlich penetrant.

Einen Dieselmotor wird es mangels Nachfrage in diesem Segment nicht geben. Stattdessen stellt Mitsubishi eine Elektroversion in Aussicht. "Die Plattform wurde von Anfang an darauf ausgelegt", sagt Bauer. "Deshalb lässt sich so ein Auto kurzfristig umsetzen. Und zwar ohne große Platzeinbußen."

Das muss man wissen: Der ab sofort lieferbare Space Star kostet mindestens 8990 Euro und ist dann aber vergleichweise nackt. Sechs Airbags sind zwar Standard, aber auf einen Drehzahlmesser muss man im Basismodell ebenso verzichten wie ein Radio oder eine Kofferraumabdeckung. Dafür ist der Stadtflitzer nicht nur kleiner, sondern in der Rudimentärausstattung auch um rund die Hälfte billiger als der Colt. Die Kehrseite dieser an sich erfreulichen Preissenkung: Zum Mittelklassemodell Lancer klafft nun eine riesige Lücke im Mitsubishi-Angebot. Folgt womöglich ein ganz neues Modell? "Aktuell ist nichts in der Pipeline", sagt Bauer.

Das werden wir nicht vergessen: Die fast spielerische Leichtigkeit, mit der man im Space Star durch den Stadtverkehr surft und den Wagen auch noch in die engste Lücke zirkelt. Leichter und mit einem Wendekreis von 9,20 Meter auch deutlich handlicher als die Konkurrenz, macht dem Flitzer im Parkhaus oder am Samstagvormittag in der City so schnell keiner etwas vor.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel