Neue Kleinwagen: Wachstumsschub der Knirpse - DER SPIEGEL
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Neue Kleinwagen Wachstumsschub der Knirpse

Im kommenden Autoherbst werden Kleinwagen eine große Rolle spielen. Und das gleich im doppelten Sinne: Zum einen fahren zahlreiche neue Modelle vor, zum anderen legen sie in allen Dimensionen deutlich zu. Die einstigen Autozwerge wachsen über sich hinaus.
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Natürlich werden auf der IAA in Frankfurt (15. bis 25. September) vor allem große Luxusliner wie die Mercedes S-Klasse oder der Audi-Geländewagen Q7 im Rampenlicht stehen. Doch im Windschatten der Dickschiffe starten in den nächsten Wochen auch eine ganze Reihe neuer Kleinwagen auf dem deutschen Markt. Die Knirpse beleben ein Segment, das trotz des Trends zu immer neuen Nischen zu den größten des Marktes zählt. Punto, Polo & Co gehören in Deutschland mit zusammen rund 300.000 Zulassungen im ersten Halbjahr 2005 (Marktanteil 17 Prozent) nach den Modellen aus der nächstgrößeren Kompaktklasse zu den populärsten Fahrzeugen. In Europa ist sogar jedes dritte neu zugelassene Auto ein Kleinwagen.

Allerdings wird der Gattungsbegriff den neuen Modellen nicht mehr gerecht. Denn allesamt wachsen die Neulinge deutlich, manche legen gar um rund 20 Zentimter in der Länge zu. Der Größenunterschied zu einem VW Golf beispielsweise ist da nur noch minimal.

Eröffnet wird der Premierenreigen mit der dritten Generation des Renault Clio, die bereits kurz nach der IAA in Deutschland bei den Händlern stehen wird. Die Preise für den im Vergleich zum Vorgänger etwas kantiger gezeichneten Franzosen stehen offiziell noch nicht fest, werden aber wohl wenige Hundert Euro über jenen der Vorgängermodelle liegen (bislang: ab 10.600 Euro). Dafür bietet der neue Clio deutlich mehr Platz: Der Radstand wurde auf 2,58 Meter gestreckt, in der Länge misst der Wagen nun 3,99 Meter, und mit einer Höhe von 1,49 Metern überragt er seinen Vorgänger um fast sechs Zentimeter. Weil er nun 1,71 Meter breit ist, hat der Clio zudem die größte Innenraumbreite in seiner Klasse, und der Kofferraum fasst zwischen 288 und 1038 Liter Gepäck. Vergrößert wurden auch Handschuhfach und Türablagen, außerdem gibt es auf Wunsch Schubfächer unter den Vordersitzen.

Zum Marktstart wird der Clio mit je drei Benzin- und Dieselmotoren angeboten, deren Leistungen in der Bandbreite zwischen 68 und 112 PS liegen (50 und 82 kW). Alle Motoren erfüllen die Euro 4-Norm, Partikelfilter für die Diesel sind jeodoch vorerst nicht vorgesehen. Was die möglichen Ausstattungen betrifft, verzeichnet der französische Kleinwagen ebenfalls einen deutlichen Sprung nach oben. So sind unter anderem ESP, bis zu acht Airbags, Klimaanlage, ein integrierter Kindersitz auf der Rückbank, Parksensoren, Licht- und Regensensor, Reifendruckkontrolle, ein elektrisches Panorama-Schiebedach, Xenonscheinwerfer und Kurvenlicht erhältlich.

Quasi zeitgleich mit dem neuen Clio startet auch die dritte Auflage des Punto, die gleich derart aus dem Kleinwagen-Rahmen fällt, dass die Italiener das Auto nun "Grande Punto" nennen. So wächst die Länge auf 4,03 Meter und liegt damit fast 20 Zentimeter über dem Vorgänger. Die Breite misst künftig 1,68 Meter, und die Höhe wird mit 1,49 Metern angegeben. Auf den Markt kommt der gemeinsam mit Giorgetto Giugiaro gezeichnete Kleinwagen wie der Clio als Drei- und Fünftürer. Außerdem haben die Kunden die Wahl zwischen zwei Benzin- und vier Dieselmotoren, die zwischen 65 und 130 PS (48 und 95 kW) leisten. Weil der neue Punto deutlich größer ist als sein Vorgänger, hat Fiat allerdings angekündigt, das aktuelle Modell vorerst weiter zu produzieren und "zu einem besonders günstigen Preis" anzubieten.

Ebenfalls noch in diesem Jahr gibt es einen neuen Toyota Yaris. Auch dieser IAA-Debütant wird mit Blick auf den neuen Toyota-Knirps Aygo kräftig wachsen und in Längsrichtung vermutlich - wie seine europäischen Konkurrenten - nahe an oder gar über die Vier-Meter-Marke kommen. Gleichzeitig bildet er wieder die Basis für einen kleinen Van, der mit dem neuen Format als Nachfolger des Yaris Verso zum Modellen wie dem Renault Modus oder dem Opel Meriva aufschließen dürfte. Für den Antrieb des kleinen Japaners aus dem Werk im Norden Frankreichs ist neben einer Reihe von Benzinmotoren auch ein Diesel vorgesehen, den Toyota für den Mini auch an BMW liefert.

Als europaweiter Marktführer bei den Kleinwagen kann Peugeot dieser Offensive kaum tatenlos zusehen. Zwar tritt der Nachfolger für das Modell 206 erst im nächsten Jahr an, doch verdichten sich die Gerüchte, wonach die Franzosen in Frankfurt zumindest mit einer Studie ihr Revier markieren wollen. Dem Trend, den Renault und Fiat setzen, dürfte auch Peugeot folgen: Der künftige 207 wird dem Vernehmen nach zwei Handbreit länger und kommt damit ebenfalls in die Vier-Meter-Region. Ebenfalls noch eine Studie mit konkreten Absichten wird auf dem Mazda-Stand gezeigt. Schließlich machen sich die Japaner Gedanken über einen Nachfolger des Mazda 2, der nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen dürfte.

Die deutschen Hersteller reagieren auf den Ansturm noch verhalten. VW stützt die Hoffnungen weiterhin auf den Polo, der bereits im Frühjahr geliftet wúrde und demnächst als GTI noch eine sportliche Note bekommen wird. Ford gönnt dem Fiesta vorerst wohl auch nur ein Facelift. Einzig Opel bereitet sich intensiv auf eine Neuheit in der kleinen Klasse vor, doch vermutlich wird der nächste Corsa erst im kommenden Frühjahr auf dem Autosalon in Genf präsentiert. Weil dessen Entwicklung noch in der Zeit der Kooperation von General Motors und Fiat begann, teilt er sich die Plattform mit dem neuen Punto. Mit einem klaren Wachstum ist also auch beim Corsa zu rechnen.

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