Neuer VW Beetle: Außen Herbie, innen Golf - DER SPIEGEL
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VW Beetle: Neustart für einen Klassiker

Neuer VW Beetle Außen Herbie, innen Golf

Erst der Bulli, jetzt der Beetle: VW kramt mal wieder in der Mottenkiste und präsentiert zur Shanghai-Motorshow einen neuen Käfer. Das Modell erinnert tatsächlich an den Urtyp des Kultfahrzeugs - doch im Innern steckt vor allem Standardtechnik.
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Fast scheint es, als hätten Volkswagens PR-Strategen ein konfuzianisches Kloster besucht. "Wer morgen erfolgreich sein will, der muss auch seine Wurzeln kennen", schrieben sie Ulrich Hackenberg ins Redemanuskript. Der VW-Entwicklungschef hatte die ehrenvolle Aufgabe, den neuen Beetle auf der Shanghai-Motorshow zu präsentieren. Vor der nächtlichen Skyline der Millionen-Metropole fuhr er im wohl berühmtesten Auto der Welt auf die Bühne.

Die Wurzeln des Käfer liegen in Europa, doch die Modellreihe ist weltweit Kult. Als "Herbie" wurde das Fahrzeug vermenschlicht und zum Kino-Star. "Wir schreiben heute die Geschichte einer Ikone fort", sagte Hackenberg in Shanghai.

Dann fallen die Vorhänge, vor dem Huangpu-River steigt ein Bühnenfeuerwerk, und aus der Dunkelheit fährt ein Auto zurück in die Zukunft, das Konzernchef Martin Winterkorn als wichtigsten Sympathieträger der Marke bezeichnet: Der Käfer - der als Beetle nun endlich im neuen Jahrtausend angekommen ist. Im Herbst soll er in den Handel kommen, zu Preisen von rund 17.000 Euro für das Basismodell, wie VW-Leute am Rande der Premiere als Gerücht streuen.

In dieser Nacht in Shanghai findet VW wieder näher zurück zum Ur-Käfer. Das war das erklärte Ziel von Konzernkünstler Walter da Silva und Markendesigner Klaus Bischoff: "Entwerft ein neues Original!", lautete die Losung für die gesamte Mannschaft.

Also nahm VW nicht die aus drei Halbkreisen geformte Silhouette des New Beetle von 1998 als Vorbild, sondern die Urform des ersten Käfers. Das Dach ist deutlich flacher, die Motorhaube länger, die Frontscheibe steht steiler. Und vor allem hat die Kehrseite neuen Schwung bekommen: Weil das Auto um 15 Zentimeter auf 4,28 Meter gestreckt wurde, fällt sie nun in einem steilen Bogen ab und spart sich den Bürzel des Vorgängers.

Mit ein bisschen Phantasie kann man im neuen Beetle sogar die gestauchte Seitenansicht eines Porsche 911 sehen. Dazu gibt's für den sportlicheren Auftritt und das größere Platzangebot acht Zentimeter mehr Breite. Geblieben sind die weit ausgestellten Kotflügel, die breiten Trittleisten und die klassischen Glubschaugen. Wenngleich auch darin die mittlerweile unvermeidlichen LED-Leisten des Tagfahrlichts glühen.

Sportlicher als der Vorgänger

Die Nähe von Original und Ur-Enkel ist unverkennbar. "Wenn man den ersten und den neuen Beetle in einen Raum stellt, nur Licht auf das Dach gibt und die Silhouetten betrachtet, sieht man im hinteren Bereich die nahezu identische Linie", wirbt VW bei der Premiere.

Tatsächlich ist der Zuschnitt des neuen Beetle besser gelungen als der des direkten Vorgängers. Das in China präsentierte Fahrzeug wirkt sportlicher, maskuliner und hat ganz nebenbei auch mehr Platz. Man hat unter dem neuen Dach zwar nicht mehr so viel Kopffreiheit wie beim Vorgänger. Doch zwickt es dafür nicht mehr so sehr an Schultern und Knien, und das Kofferraumvolumen wächst um über ein Drittel auf 310 Liter. Außerdem gibt es nun eine bis weit ins Dach reichende Klappe, auf der bei den stärkeren Modellen künftig ein kleiner Spoiler prangt.

Auch im Innenraum ist der Rückgriff auf den Urahn zu spüren: Man hat nicht mehr das endlos tiefe Armaturenbrett vor Augen, das an einen Van erinnert. Andererseits ist das Interieur austauschbarer geworden und zeugt sehr von der Nähe zum Golf - trotz bunter Farben wie "Sunflower" oder "Denim Blue" und ein paar poppigen Konsolen. Der große runde Zentraltacho ist verschwunden, die Bordmonitore und Navigationsbildschirme kennt man von Polo bis Phaeton. Die drei ineinander verschlungenen Rundinstrumente im großen ovalen Rahmen sind praktisch und gut ablesbar - aber nicht phantasievoll.

Bekannte Aggregate

Wenigstens für ein kleines Augenzwinkern hat es doch noch gereicht: Vor dem Beifahrer gibt es nun in manchen Varianten ein zweites Handschuhfach, das wie früher beim Original mit einer Klappe nach oben öffnet, und an der B-Säule baumeln die alten Halteschlaufen. Außerdem montiert VW oberhalb der Mittelkonsole auf Wunsch drei Zusatzinstrumente mit Stoppuhr, Öltemperatur und Ladedruck und darunter zum ersten Mal ein Soundsystem vom berühmten Gitarrenbauer Fender.

Unter dem neu geformten Blech stecken auch neue Motoren - zumindest für diese Baureihe. Denn mit dem Generationswechsel greift VW für den Beetle auf den aktuellen Golf zurück - zum Beispiel beim Vierzylinder mit Direkteinspritzung. Für Deutschland gibt es drei Benziner mit 1,4 bis 2,0 Litern Hubraum und 105, 160 oder 200 PS sowie zwei Diesel, die bei 1,6 oder 2,0 Litern Hubraum 105 und 140 PS leisten.

Mit diesen Motoren will Volkswagen Vernunft und Vergnügen in Einklang bringen. Deshalb gibt es auf der einen Seite für alle Varianten die Option auf eine sportliche Doppelkupplungsautomatik und bei den stärkeren Modellen die elektronische Differentialsperre aus dem Golf GTI. Und auf der anderen Seite bauen sie Blue-Motion-Technologien wie die Start-Stopp-Automatik oder eine Bremsenergie-Rückgewinnung ein. Den Lohn dieser Mühe kann man auf Tacho und Tankuhr ablesen: Wo selbst der schwächste Beetle 180 Sachen schafft und der stärkste mit 225 km/h in der Liste steht, liegt der Verbrauch zwischen 4,3 und 7,4 Litern.

Wie immer, wenn Vorstandschef Winterkorn über das Große Ganze spricht, spart er nicht an bedeutungsschweren Worten. So wird der Käfer an diesem Abend in Shanghai zum "Auto schlechthin" oder "zum Symbol für die Demokratisierung der Mobilität". Dabei meint der Top-Manager natürlich nicht Deutschland alleine, sondern gleich die ganze Welt.

Zum Zeichen, dass VW es ernst meint mit seinem weltumspannenden Anspruch, fällt der Vorhang für den Beetle nicht nur in Shanghai. Mit einigen Stunden Verzögerung feiert der Neue auch in Berlin und New York Premiere.