New York Autoshow: Comeback der Großkaliber - DER SPIEGEL
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New York Autoshow: Klein war gestern

Foto: Tom Grünweg

New York Autoshow Comeback der Großkaliber

Kaum ist die Krise der Autoindustrie vorbei, schon ist in Amerika wieder alles wieder wie früher. Auf der Autoshow in New York stehen vor allem dicke Karossen im Blickpunkt - viele davon kommen aus Deutschland.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Small is beautiful? Das klingt schon wieder überholt. Im vergangenen Jahr, auf dem Höhepunkt der Autokrise, da hießen die Stars der New York Autoshow Ford Fiesta, Fiat 500 und Puma - ein von GM und Segway entwickelter Zweisitzer. Doch kaum sind die ärgsten Auswirkungen der Rezession überwunden, findet Auto-Amerika zurück auf die alte Spur: Groß ist plötzlich wieder sexy, viele der ausgestellten Modelle protzen mit überbordender Leistung.

Den neuen, alten Maßstäben folgen auch die deutschen Hersteller, die die Show in New York als wichtigen Termin zur Kundenansprache an der Ostküste entdeckt haben. Und so zeigt VW hier den neuen SUV Touareg, Porsche feiert den 60. Geburtstag seiner US-Präsenz mit der Premiere des neuen SUV-Modells Cayenne, bei Audi stehen das Flaggschiff A8 und der R8 Sypder im Mittelpunkt, und BMW hat den frischen 5er mitgebracht. Den größten Auftritt allerdings legt Mercedes hin - mit gleich zwei Weltpremieren.

Speedheads locken die Schwaben mit einer rund 300.000 Euro teuren Rennversion des neuen Mercedes-AMG SLS. Der nachgeschärfte Flügeltürer entspricht dem Reglement der GT3-Serie und hat bei 600 PS Leistung gut 200 Kilogramm weniger Gewicht. Zugleich zeigt Mercedes eine nochmals überarbeitete R-Klasse. Weil der Zwitter aus Kombi, SUV und Limousine die Kunden bisher eher abschreckte, erfolgt nun eine Kurskorrektur. "Wir rücken das Auto näher an unsere SUV-Flotte. Es ist nun maskuliner und sportlicher", sagt Vertriebsvorstand Joachim Schmidt und räumt ein, dass der Wagen bislang die Erwartungen nicht erfüllt habe.

Ein Auto darf ruhig wieder zwei Nummern größer sein

Nicht nur Mercedes fährt groß auf, auch bei den anderen Ausstellern dreht sich alles um die dicken Schlitten - zum Beispiel den gewaltigen Infiniti QX 56. Abgeleitet vom Nissan Patrol, dem Groß-SUV des Mutterhauses, misst das Offroad-Flaggschiff der japanischen Marke fast sechs Meter in der Länge und ist mehr als mannshoch - selbst eine Mercedes G-Klasse sieht gegen dieses Trumm zierlich aus. Und was der 5,6-Liter-V8-Motor mit 400 PS auf 100 Meilen an Sprit braucht, reicht einem Smart wahrscheinlich von New York bis kurz vor San Francisco.

Vergleichsweise enttäuschend ist einmal mehr der Auftritt der US-Hersteller, die ihren Heimvorteil nicht ausspielen. Chrysler recycelt das Ausstellungsprogramm, das bereits Mitte Januar in Detroit gezeigt wurde. Unter anderem wird, als handle es sich dabei um eine Großtat, schon wieder ein Lancia Delta mit dem Logo von Chrysler gezeigt. Auch das gab es vor drei Monaten schon einmal - nur hat die US-Variante des italienischen Kompaktwagens noch immer keinen Namen.

Bei Ford ist es kaum besser. Der elektrische angetriebene Focus, der auf dem Stand parkt, ist schon bekannt und steht zudem auf der Plattform des alten Modells, obwohl nebenan bereits der neue Focus auf dem Drehteller rotiert.

General Motors setzt auf den Volt - doch das könnte schief gehen

Auch bei General Motors hat sich die Aufbruchsstimmung schon wieder gelegt. Der Chevrolet Cruze wird, nach etwas aerodynamischem Feinschliff, als Öko-Modell angepriesen, der 564 PS starke Cadillac CTS-V erlebt nun auch als Kombi eine Premiere und der elektrisch angetriebene Hoffnungsträger Chevrolet Volt dreht auf der Bühne endlose Runden im Scheinwerferlicht.

Im November soll der Wagen auf den Markt kommen - und wird bis dahin vielleicht noch von einer anderen Elektro-Neuheit überholt: dem Nissan Leaf, der auch in New York gezeigt wird.

Das Auto aus Japan wird aber voraussichtlich nicht nur schneller auf dem Markt sein, sondern wohl auch deutlich billiger sein als der Volt. Während für den Chevy nach Abzug der 7500 Dollar Steuerbonus ein Preis von "deutlich unter 40.000 Dollar" kolportiert wird, soll der Leaf exakt 25.280 Dollar kosten. Für die US-Autoindustrie fängt die richtige Krise dann vielleicht erst an.