Öko-Fahrassistenten: Bleifüße zu Blumen - DER SPIEGEL
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Öko-Fahrassistenten Bleifüße zu Blumen

Wer bremst, gewinnt: Weil Hybridautos eine völlig andere Fahrweise als herkömmliche Pkw erfordern, entwickelt die Industrie neue Tacho-Anzeigen. Animierte Blümchen und psychedelische Leuchten sollen aus forschen Rasern defensive Ökopiloten machen. Ob das funktioniert?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Wer sich einmal in seinem Leben wie ein Jacques Villeneuve auf Valium fühlen möchte, sollte das neue Videospiel von Ford ausprobieren. In der Simulation geht es nicht darum, flott zu fahren - den Pokal bekommt vielmehr jener Pilot, der ökologisch korrekt fährt und möglichst wenig Sprit verbrennt. In dieser spiegelverkehrten Version von Gran Turismo ist Gas geben Sünde, Verzögern hingegen eine Tugend - weil es die Batterie des virtuellen Hybridautos  auflädt. Wer bremst, gewinnt. Klingt langweilig? Ist es auch. Als ich kürzlich auf einer Automesse eines dieser Ökoduelle verfolgte, umfing mich bleierne Müdigkeit. Trotzdem liegt Ford mit seinem Spiel wohl voll im Trend. Denn mit möglichst wenig Sprit über die Runden zu kommen, ist vielen Autofahrern angesichts der zwischenzeitlich hohen Benzinpreise ein echtes Anliegen. Die Redaktion des New Oxford American Dictionary kürte den Begriff Hypermiling  unlängst gar zum Wort des Jahres.

Hypermiler vergleichen, wer mit seiner Tankfüllung am weitesten kommt. Sie tauschen Tipps aus, wie sich eine frugale Fahrweise am besten realisieren lässt. Die Web-Seite Ecomodder listet dazu 108 Tipps  auf. Dem Hypermiling abträglich ist es demnach, bei schlechtem Wetter ins Auto zu steigen. Ferner rät das Brevier, barfuß zu fahren, da dies ein feinfühligeres Gasgeben ermögliche. Ein weiteres Hypermiler-Mantra lautet: "Bremse nie am Fuße eines Hügels."

Viele dieser Handlungsanweisungen klingen albern - aber wenn man etwas derart obsessiv betreibt, wird die Sache eben immer ein bisschen gaga. Dabei hat die Hypermiling-Masche einen ernsten Hintergrund. Studien belegen, dass viele Fahrer von Hybridautos kaum einen Spritvorteil herausholen, weil sie ihre Pkw zu aggressiv fahren. Bei zu schneller Beschleunigung wechseln Hybride automatisch in den Verbrennungsmodus. Und wer selten bremst, der lädt seine Batterie nicht auf. Beides ist - verbrauchsökonomisch betrachtet - Mist.

Lasst Blumen sprechen

Auch die Autoindustrie hat über dieses Problem nachgedacht. Ihr Lösungsansatz: Fahrzeuge der nächsten Generation bekommen ein Spritspar-O-Meter verpasst, das dem Piloten wohlmeinende Ratschläge zu seiner Fahrweise offeriert. Weil moderne Autos bereits gefühlte 57 Assistenzsysteme besitzen und ständig vor sich hin fiepsen, setzen die Hersteller diesmal auf visuelle Reize.

Ford zum Beispiel lässt Blumen sprechen. Die Hybridversion des neuen Fusion hat neben dem Tacho ein Display, indem ein kleines Bäumchen zu sehen ist. Fährt man gescheit, knospen an den Zweigen allerlei Blätter, die allen Ernstes "Efficiency Leaves" heißen. Sobald man das Gaspedal durchdrückt, fällt das zarte Grün wieder ab. Wer sich immer schon eine Topfpflanze im Fahrzeuginnenraum wünschte, dem mag so etwas gefallen.

Eher psychedelisch geht es hingegen im neuen Honda Insight zu. Kern des integrierten Ecological Drive Assist Systems ist das sogenannte Ambient Meter. Dessen Farbe wechselt je nach Fahrstil zwischen Bleifuß-Blau und Gutmenschen-Grün.

Klamauk ohne Langzeitwirkung

Ob Bäumchen oder Technodisco - der erzieherische Effekt dürfte rasch verpuffen. Das lehrt die Erfahrung mit Schaltanzeigen, wie sie beispielsweise bei BMW gang und gäbe sind. Spätestens nach einer Woche nimmt man das Geblinke nicht mehr wahr.

Das Einzige, was eventuell helfen würde, ist ein Appell ans Portemonnaie. Mein Vorschlag wäre, ein Taxameter im Auto zu installieren, das dem Fahrer auf Heller und Pfennig anzeigt, wie viel Treibstoff er heute wieder mal verfeuert hat. Sobald zehn Euro durch die Zylinder gerauscht sind, könnte der Bordcomputer ein lautes "Katsching" emittieren, wie man es von alten Registerkassen kennt.

Noch besser wäre es, das Öko-Assistenzsystem mit dem Navi zu koppeln. Wer zu fahrig fährt, dem sagt dann eine vorwurfsvolle Frauenstimme: "Sie haben ihr Sparziel nicht erreicht."

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