Oldtimer mit H-Kennzeichen: Der Auto-Jahrgang 1990 wird reif - DER SPIEGEL
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Autojahrgang 1990: Die neuen im H-Kennzeichen-Klub

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Oldtimer-Autojahrgang 1990 Bereit fürs "H"-Kennzeichen

Endlich Oldtimer! 2020 kommt der Autojahrgang 1990 ins Alter für ein "H"-Kennzeichen. Welche Auto-Baureihen betrifft es - und wann lohnt es sich, das zu beantragen?
Von Matthias Kriegel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Klobige Discmans am Hosenbund; Menschen, die in verrauchten Kellercafés im Internet surften; die allererste SMS mit dem Inhalt "Merry Christmas!": Die Neunzigerjahre waren das Jahrzehnt einer technologischen Zeitenwende.

In den Pkw breitete sich damals Elektronik aus wie nie zuvor. Sichtbar wurde das vor allem auf den Armaturentafeln, die aussahen, als hätten sie einen Bedienelemente-Ausschlag bekommen. Überall wucherten Knöpfe, Tasten, Regler. Die ersten Modelle aus dieser Zeit werden in den nächsten Monaten 30 - und damit alt genug, um ein H-Kennzeichen zu tragen.

471.561 Oldtimer sind derzeit laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg in Deutschland zugelassen. Rund 90 Prozent dieser mindestens 30 Jahre alten Fahrzeuge tragen ein sogenanntes H-Kennzeichen, das Historien-Kennzeichen, das den Oldtimer auf den ersten Blick als einen solchen ausweist. Das "H" auf dem Nummernschild bringt einige Vorteile mit sich. Eingeführt wurde es im Jahr 1997 mit dem Ziel, alte und gut erhaltene Fahrzeuge offiziell als "technisches Kulturgut" anzuerkennen.

Dazu müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Entscheidend ist zunächst das Datum der Erstzulassung, nicht das Baujahr. Ist in den Fahrzeugpapieren ein Tag des Jahres 1990 als Datum der ersten Zulassung angegeben, kann der Wagen ab genau diesem Tag 2020 zur Reifeprüfung für das H-Kennzeichen vorgeführt werden. Doch allein das reicht noch nicht. Wichtig ist ebenso ein "guter Erhaltungszustand", der "weitestgehend" dem Originalzustand entsprechen sollte. Was das genau heißt, erklärt Vincenzo Lucà vom TÜV Süd: "Umbauten sind zwar erlaubt, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen. Entweder, sie wurden mit Originalteilen aus dem jeweiligen Jahrgang durchgeführt oder, wenn keine Originalbauteile verwendet wurden, der Umbau ist ebenfalls 30 Jahre her. Dann zählen auch diese Bauteile als technisches Kulturgut, und das H-Kennzeichen wird genehmigt. Dies sollte aber durch Belege oder Rechnungen nachgewiesen werden können." Ist dies der Fall, bekommt das Kennzeichen den H-Zusatz.

Nicht immer ist ein H-Kennzeichen die beste Wahl

Und das lohnt sich, oder? "Nicht immer", sagt Lucà. Zwar wurde das H-Kennzeichen unter anderem auch deswegen eingeführt, um das technische Kulturgut steuerlich zu begünstigen. Doch diese Absicht wird nicht in jedem Fall erfüllt. "Der Steuersatz für H-Kennzeichen ist pauschal auf 191 Euro festgelegt. Das heißt, es ist immer im Einzelfall zu prüfen, ob sich ein solches Kennzeichen finanziell lohnt", sagt TÜV-Süd-Sprecher Lucà. "Liegt der normale Steuersatz für das jeweilige Fahrzeug unter 191 Euro, fährt man mit dem normalen Kennzeichen günstiger." Ein H-Kennzeichen ist also nicht immer ein Garant für Steuererleichterungen.

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Andererseits gilt auch: Mit einem H-Kennzeichen am Fahrzeug dürfen auch Umweltzonen befahren werden. Wer kein H-Kennzeichen am Wagen hat, benötigt dafür in aller Regel eine grüne Plakette auf der Windschutzscheibe - die bekommen Benziner, die ab den späten Achtzigerjahren gebaut wurden aber normalerweise sowieso, da der Einbau eines Katalysators bei Neufahrzeugen mit Ottomotor ab 1989 vorgeschrieben war.

Ein Aspekt jedoch lässt sich nicht nach bestimmten Kategorien bestimmen: das Image. Denn wer einen gepflegten Oldtimer fährt, der möchte meist, dass jeder es sogleich sieht. "Tatsächlich spielt die Prestigefrage für viele Leute bei der Anschaffung eines H-Kennzeichens eine Rolle", sagt Vincenzo Lucà.

H-Kennzeichen oder nicht? Hier sehen Sie auf einen Blick, welche Modelle im neuen Jahr 2020 die H-Kennzeichen-Reife erhalten werden.

Anm. d. Red.: Ursprünglich hieß es im Text, Altfahrzeuge erhielten nur selten eine grüne Plakette. Vergleichsweise junge Oldtimer aus den Achtzigerjahren erhalten die grüne Plakette jedoch üblicherweise ohne Probleme, sofern sie mit einem geregelten Katalysator ausgestattet sind.

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