Opel-Interessent Magna: Der heimliche Autoriese - DER SPIEGEL
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Opel-Interessent Magna Der heimliche Autoriese

Bis vor kurzem kannten nur Insider den Namen Magna. Doch seit der kanadisch-österreichische Großkonzern die Übernahme von Opel anstrebt, steht die Firma im Rampenlicht. Porträt eines heimlichen Riesen, dessen Produkte kaum einer kennt - aber jeder Autofahrer nutzt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Mercedes ist ein Mercedes, ein VW ein VW und ein Toyota ein Toyota - diese alte Gewissheit gilt schon lange nicht mehr. Seit Jahren werden die Automobilhersteller immer schlanker und die Entwicklungsabteilungen immer kleiner. Die sogenannte Fertigungstiefe geht kontinuierlich zurück, weil immer mehr Kompetenzen und Komponenten bei Zuliefererbetrieben eingekauft werden.

Einfache Lieferanten sind so zu unverzichtbaren Entwicklungs- und Systempartnern aufgestiegen, ohne die der automobile Fortschritt undenkbar wäre. Die meisten Kunden ahnen davon nichts. Dabei fahren sie streng genommen gar keinen Ford oder Opel mehr, sondern ein Sammelsurium von Zulieferteilen, die von Ford oder Opel lediglich bestimmt, bestellt und befestigt wurden.

Im Zuge dieser Entwicklung sind manche Zulieferer zu riesigen Konzernen gewachsen, die längst über eine ähnliche Finanzkraft wie die Fahrzeughersteller verfügen. Deshalb ist es kein Wunder, dass sich nun ein Unternehmen wie Magna als Retter von Opel ins Gespräch bringt. Schließlich zählt der heimliche Riese mit rund 75.000 Mitarbeitern an mehr als 300 Standorten in 25 Ländern und einem Jahresumsatz von weit mehr als 20 Milliarden Dollar neben Firmen wie Bosch, Continental oder Visteon zu den fünf größten Zulieferern der Welt. Es ist auch nicht der erste Versuch des Unternehmens, sich einen Pkw-Hersteller einzuverleiben: Schon als sich die Wege von Daimler und Chrysler trennten, meldete Magna Interesse an Chrysler an - es kam aber zu keiner Einigung

Unter den Zulieferern gibt es heute kaum einen, der breiter aufgestellt ist als Magna. 1957 vom Österreicher Frank Stronach in der Nähe von Toronto als Ein-Mann-Werkstatt gegründet, reicht die Liste der Kunden heute von Acura bis Volvo und umfasst fünf Dutzend Autohersteller auf allen Erdteilen. Der Teilekatalog von Magna deckt fast das gesamte Fahrzeug ab. Während sich Konkurrenten auf Elektronik, Karosseriebau oder Interieur beschränken, könnte man mit dem Magna-Portfolio wahrscheinlich fast ein komplettes Auto bauen.

Ob auf den großen Automessen in Detroit, Genf oder Frankfurt - kaum eine Neuheit kommt ohne Bauteile des kanadisch-österreichischen Großkonzerns aus. So liefert Magna die Hinterachslenkung des neuen BMW 7ers ebenso wie die elektrisch angetriebene Heckklappe des Chrysler Voyager, Interieurteile für den Mini, das Allradsystem für den VW Transporter, die Frontschürze des Cadillac CTS oder Spurführungsassistenten für diverse Fabrikate. Besonders stark entwickelt hat sich in den vergangenen Jahren der Bereich Dachsysteme. So kommen von Magna nicht nur das faltbare Hardtop für den offenen Opel Astra oder den Peugeot 308 CC, sondern auch das Targa-Dach des Porsche 911 oder das herausnehmbare Hardtop der Corvette.

Made by Magna: G-Klasse, Saab Cabrio und der neue Mini

Überdies fertigt Magna auch ganze Autos im Fremdauftrag. Seitdem sich der Konzern in den neunziger Jahren in Stronachs Heimat Österreich breitgemacht und zum Beispiel Steyr-Daimler-Puch aufgekauft hat, wurde Graz zur einer der größten europäischen Autostädte ausgebaut. Vor allem Nischenmodelle mit vergleichsweise geringen Produktionsziffern lassen Autohersteller bei Magna fertigen, um ihre eigenen Werke zu entlasten, saisonale Schwankungen auszugleichen und die Flexibilität nicht zu beeinträchtigen.

So baut Magna für die Chrysler-Group die Exportflotte der Jeep-Modelle Grand Cherokee und Commander sowie den Chrysler 300C für Europa. Für Mercedes wird noch bis mindestens 2015 die G-Klasse produziert; für Saab das 9-3 Cabrio gefertigt und für BMW das SUV-Modell X3. Zwar wechselt der kleine Geländewagen mit der nächsten Generation ins amerikanische BMW-Werk nach Spartanburg, doch hat Magna im Gegenzug den Auftrag für die ab 2010 geplante Crossover-Variante des Mini erhalten. Und noch ein prestigeträchtiger Deal ist Stronach und seinem Management geglückt: Demnächst baut Magna für Aston Martin den Viertürer Rapide, der dem Porsche Panamera Paroli bieten soll.

Der Traum vom wirklich eigenen Auto

Neben der Fertigung von Einzelteilen und der Montage von Gesamtfahrzeugen empfiehlt sich Magna immer wieder auch als Entwicklungsdienstleister, der mit dem ehemaligen BMW-Vorstand Burkhard Göschel einen ebenso prominenten wie kompetenten Bereichsvorstand engangierte. Die erste Generation des Audi TT, der Audi A6 Allroad Quattro, der BMW X3, das Saab 9-3 Cabrio oder die Mercedes G-Klasse - alle diese Autos wurden maßgeblich von Magna-Ingenieuren auf die Räder gestellt. Weil die Lorbeeren der Arbeit bislang immer andere einfahren, träumt Magna vom eigenen Auto und stellte auf den beiden jüngsten Messen in Genf jeweils einen pfiffigen Eigenentwurf vor.

2008 drehte sich alles um den geländegängigen Mila Alpin für Gebirgsjäger und Rettungsdienste; und in diesem Jahr stand ein elektrisch angetriebener Kleinwagen im Rampenlicht. Die Ideen sind gut, nur mit der Umsetzung ging es bislang nicht so recht voran. Aber mit einem eigenen Hersteller wie Opel im Konzern könnte das künftig sehr viel einfacher werden.

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