Pick-up-Trucks Die durstigen Darlings
Pick-ups in Los Angeles und Umgebung
Foto: Axel KoesterDer Pick-up ist das All-American-Car, ein automobiles Äquivalent zu Baseball, so amerikanisch wie eine Supersize-Cola. In seiner Heimat nennt man ihn schlicht den Truck. Während die Fahrzeuge in Europa wegen vieler Vorbehalte selten auftauchen - zu protzig, zu durstig, zu unpraktisch - sind sie auf den Straßen zwischen Ost- und Westküste allgegenwärtig.
Amis und Pick-ups: Das ist eine lange Liebesgeschichte. Das meistverkaufte Auto in den USA ist seit fast 30 Jahren der Ford F-150 - ein Pick-up. Auch Modelle anderer Hersteller gehören zu den Bestsellern in Übersee. Aber was genau macht die Faszination dieser archaisch anmutenden Vehikel aus? Worin ist die unverbrüchliche Liebe begründet? SPIEGEL ONLINE hat stolze Besitzer befragt.
Pat Murnane und sein 2003 Ford F-150
Pat Murnane: "Fühle mich wie ein erfolgreicher Geschäftsmann"
Foto: Axel KoesterPat Murnane, Besitzer eines kleinen Reiterhofs in Palos Verdes
Welches Modell fahren Sie?
Einen 2003 Ford F-150 Extended Cab.
Wo fahren Sie gerade hin?
Ich leite gleich einen Ausritt in den Bergen, von wo wir Catalina Island und den Pazifik sehen können. Aber heute Morgen war ich mit einer Ladung Heu unterwegs.
Was haben Sie geladen?
Zwei Sättel.
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
Mein Pick-up sieht gut aus und läuft gut. Ich fühle mich wie ein erfolgreicher Geschäftsmann, wenn ich damit unterwegs bin. Weil er weiß ist, macht er einen sauberen Eindruck und eignet sich für meine Reklameschilder.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Die Größe gefällt mir. Mein Ford ist genau richtig und nicht zu groß. Ich komme mit meinem Pferdeanhänger überall hin.
Pierre Hoffmann und sein 2005 Chevrolet
Pierre Hoffmann, 46: "In meinem Pick-up kann mir keiner was"
Foto: Axel KoesterPierre Hoffmann, 46, Geschäftsinhaber aus Palos Verdes und Veranstalter der Autoshow California Truck Jamboree
Welches Modell fahren Sie?
Einen 2005 Chevrolet HD 2500 4x4 Allrad.
Wo fahren Sie gerade hin?
Ich fahre jetzt nach Hause.
Was haben Sie geladen?
Jede Menge Müll und Bauschutt von meinem Laden.
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
In meinem Pick-up kann ich fahren, wo ich will. Ich bewege mich höher als die anderen Autos, ich sehe mehr und werde besser gesehen. In meinem Pick-up kann mir keiner was. Vor allem die nicht, die keine Ahnung vom Autofahren haben.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Ich weiß, dass es für mich in meinem Pick-up keine Grenzen gibt. Als ich mal nach Big Bear zum Skifahren wollte, waren die Bergstraßen wegen meterhohem Schnee geschlossen. Ich kannte mich aus und bin auf Feldwegen den Berg hochgekommen. Ich hatte mein Ziel erreicht und war total glücklich. Kein anderer Wagen hätte das geschafft.
Nicolas Zamora und sein 2006 Ford F-150
Nicolas Zamora, 38: "Groß und selbstbewusst"
Foto: Axel KoesterNicolas Zamora, 38, Gärtner in Torrance
Welches Modell fahren Sie?
Einen 2006 Ford F-150 XLT 5.4 Triton.
Wo fahren Sie gerade hin?
Wenn ich hier den Rasen fertig gemäht habe, geht es in Lomita mit dem nächsten Grundstück weiter.
Was haben Sie geladen?
Rasenmäher, Spaten, Harken. Alles, was ich so für die Arbeit brauche.
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
Es gibt keinen anderen Wagen, der so vielseitig ist. Ich nutze ihn für alles mögliche. Für die Arbeit. Oder wenn wir am Wochenende den Barbecue-Grill aufladen und die Fahrräder mitnehmen.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Als ich das erste Mal am Steuer saß. Vorher habe ich immer nur kleinere Autos gefahren, aber nun konnte ich mich groß und selbstbewusst fühlen.
Jack Masson und sein Chevrolet 3500 IT
Jack Masson, 70: "Mein Pick-up ist wie ein alter Freund"
Foto: Axel KoesterJack Masson, 70, Rentner aus Corona
Welches Modell fahren Sie?
Einen 1988 Chevrolet 3500 IT. Seit 1992.
Wo fahren Sie gerade hin?
Gerade bin ich zu Hause, aber ich fahre mit meinem Pick-up überall hin, besonders oft zum Ersatzteile holen. Ich bin ein Hobby-Autoschlosser und baue meine eigenen Rennwagen. Am Wochenende lade ich oft meinen 1947er Austin Sedan auf den Trailer, hänge ihn an den Pick-up und dann geht's zum El Mirage Dry Lake, wo wir unsere Rennen fahren.
Was haben Sie geladen?
Nichts. Ich fahre mit diesem Wagen keine große Fracht. Dafür habe ich einen anderen Wagen, einen 2007 Toyota Tacoma Pick-up.
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
Er ist wie ein alter Freund, auf den man sich immer verlassen kann. Wir machen so ziemlich alles zusammen. Er ist gut in Schuss, sieht nur ein bisschen verkommen aus. Demnächst kommt der Truck in die Lackiererei.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Keinen bestimmten, ich mag einfach seine Verlässlichkeit.
Andreas Vlassopoulos und sein 1969 GMC
Andreas Vlassopoulos, 24: "Ein Traum"
Foto: Axel KoesterAndreas Vlassopoulos, 24, und sein Vater Alex leben beide in Los Angeles
Welches Modell fahren Sie?
Einen 1969 GMC "Short Bed" Big Window C-15.
Wo fahren Sie gerade hin?
Ich bin auf dem Weg nach Hause. Wir haben den Truck heute in einem Car-Club vorgezeigt...
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
Ich liebe die Autokultur. Ich liebe die amerikanischen Muscle-Cars und wollte schon immer einen Pick-up aus den sechziger Jahren haben. Ich liebe meinen Pick-up, weil ich ihn von Grund auf restauriert und ihn sozusagen selbst gebaut habe.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Das war der Moment, als mein Vater und ich den Wagen fertig gebaut hatten. Es war wie ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist und etwas, was ich schon als kleiner Junge machen wollte.
Lance Wilbanks und sein 1997 Toyota Tacoma
Lance Wilbanks, 50: "Der geht ab"
Foto: Axel KoesterLance Wilbanks, 50, Elektriker aus Downey
Welches Modell fahren Sie?
Einen 1997er Toyota Tacoma 2,7 Liter Allrad.
Wo fahren Sie gerade hin?
Ich war surfen und komme gerade aus dem Wasser. Heute morgen war ich arbeiten und hatte vor dem nächsten Termin Zeit für ein paar Wellen. Ich muss aber jetzt gleich los und in Lakewood etwas reparieren.
Was haben Sie geladen?
Natürlich mein Long-Board. Und dann noch meine Leiter und mein Werkzeug.
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
Der geht ab. Ich habe bisher fast immer Toyotas gefahren. Ich bin überall unterwegs, bei der Arbeit, beim Snowboarden und beim Surfen. Ich liebe Pick-ups! Ich habe auch einen 2004 Nissan Titan 4-Door Pick-up.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Jedesmal, wenn ich den Zündschlüssel drehe. Ich liebe den Motor-Sound. Mein Pick-up macht einfach total Spaß.
Orval Vaillant und sein 2000 Chevrolet
Orval Vaillant, 73: "Genug Platz für meine Enkel"
Foto: Axel KoesterOrval Vaillant, 73, lebt in Manhattan Beach
Welches Modell fahren Sie?
Einen 2000 Chevrolet 2500 LS 4x4 Allrad Long Bed.
Wo fahren Sie gerade hin?
Erst mal tanken. Dann will ich ein bisschen Müll wegbringen.
Was haben Sie geladen?
Müll, den ich nicht in der Tonne entsorgen kann.
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
Ich fahre gerne Allrad. Es ist ein gutes Gefühl, wenn du weißt, dass du überall hin kannst und herauskommst. In der großen Kabine habe ich genug Platz für meine Enkel. Es gibt ja einen Witz zum Thema Pick-ups: Warum sind Cowboyhüte an den Seiten hochgebogen? Damit vier Cowboys nebeneinander in einen Pick-up passen.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Ich war auf Hirschjagd im Schnee unterwegs und kam mit meinen Ketten überall durch: "No matter how much snow, you still go."
Maria und ihr 2006 Nissan Frontier
Maria, 53: "Es war Liebe auf den ersten Blick"
Foto: Axel KoesterMaria, 53, Schulbusfahrerin aus Corona
Welches Modell fahren Sie?
Einen 2006 Nissan Frontier XE.
Wo fahren Sie gerade hin?
Ich war gerade Einkaufen und jetzt geht's nach Hause. Gleich muss ich Abendessen machen. Ich liebe es, meine Einkaufstüten und was ich sonst so habe, einfach so hinten reinzuschmeißen.
Was haben Sie geladen?
Meinen Sohn. Der ist 23 und meckerte, als ich ihm sagte, dass ich einen Pick-up kaufe. "Was soll das?", hat er gefragt und fand das einfach nur dumm. Als er aber wegen all seiner Strafzettel seinen Führerschein abgeben musste, hörte er auf, mich zu kritisieren. Als Musiker findet er es nun sehr praktisch, dass ich ihn mit all seinen Verstärkern und seinem Schlagzeug herumfahren kann.
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
Ich liebe alles an ihm. Er ist nicht zu lang, aber hat doch genug Platz. Er ist sparsam im Verbrauch und vor allem mag ich die Farbe. Die wollten mir einen weißen verkaufen aber ich habe nur "Nein, danke!" gesagt. Vor allem finde ich die verlängerte Führerkabine toll. Da kriege ich alles rein. Ich liebe meinen Pick-up. Drei Monate habe ich nach ihm gesucht und hier steht er.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Bei mir war es der Moment, als ich ihn das erste Mal sah und dachte, dass er mal mir gehören könnte. Es war Liebe auf den ersten Blick.
Gilbert Moreno und sein 2006 Tacoma TRD Sport
Gilbert Moreno, 55: "Feuerholz oder Möbel"
Foto: Axel KoesterGilbert Moreno, 55, und sein Enkel Markus Lopez, 3, aus Lawndale
Welches Modell fahren Sie?
Einen 2006 Tacoma TRD Sport mit verlängerter Kabine.
Wo fahren Sie gerade hin?
Ich habe gerade meinen Enkel vom Kindergarten abgeholt.
Was haben Sie geladen?
Die Ladefläche ist heute leer, aber normalerweise habe ich entweder Feuerholz oder Möbel geladen.
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
Ich hatte einen alten BMW, den ich noch heute fahren würde, aber der Motor wollte nicht mehr richtig. Den bin ich dann losgeworden und habe mir diesen Pick-up besorgt. Ich bin sehr zufrieden, denn er ist sehr praktisch.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Man hat viel Platz in diesem Wagen. Fünf Leute passen hinein.
Peter Wallerstein und sein 2011 Ford F-250
Peter Wallerstein, 60, mit Hund Pumpkin: "Ich kann überall hin, wo ich gebraucht werde"
Foto: Axel KoesterPeter Wallerstein, 60, Surfer und Leiter eines Rettungsdienstes für Tiere in Playa Del Rey
Welches Modell fahren Sie?
Einen 2011 Ford F-250 Diesel Super Duty Power Stroke Allrad.
Wo fahren Sie gerade hin?
Ich bin gerade nach Marina Del Rey unterwegs, wo zwei verletzte Seelöwen gesichtet worden sind.
Was haben Sie geladen?
Alles mögliche für die Tiere: Käfige, Netze, auch ein Surfbrett habe ich dabei.
Warum lieben Sie ihren Pick-up?
Mit diesem Pick-up komme ich überall hin, wo mich die verletzten und kranken Tiere brauchen - egal ob der Sand nass, ganz hart oder weich und sumpfig ist. Ich liebe die Verlässlichkeit dieses Trucks.
Gab es einen Moment, wo Sie besonders froh waren, einen Pick-up zu fahren?
Ich bin bei fast jeder Rettung für meinen Pick-up dankbar.