Sicherheitsdiskussion über Quads "Alle Nachteile vereint"
Spaßmobil: Der walisische Rugby-Spieler Paul James auf einem Quad
Foto: Stu Forster/ Getty ImagesKöln - Sie sehen oft putzig aus, wie Spielzeuge, mit ihren vier überdimensional dicken Reifen. 116.000 Quads oder auch ATV (All Terrain Vehicle) düsen in Deutschland inzwischen über Straßen und Wege. Und Sommerzeit ist Quad-Zeit - aber ein Spielzeug sind die Gefährte nicht. Immer wieder gibt es Schlagzeilen über Unfälle und verletzte Quad-Fahrer. Obwohl sie bereits seit Jahren zum Straßenbild gehören, weiß eigentlich niemand so genau, wie gefährlich der Quad-Fahrspaß ist. Das soll sich jetzt ändern.
In den Unfallstatistiken sollen die Quads ab 2014 erstmals als eigene Kategorie ausgewiesen werden, sagt ein ADAC-Sprecher. Bislang wurden die Quad-Unfälle von der Polizei mal wegen ihrer Bauart den Motorrädern, mal wegen ihrer vier Reifen den Autos zugerechnet. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat die Quads als "leichte vierrädrige Kfz" erfasst. ADAC-Crash-Tests sind ihnen bislang erspart geblieben. Das hat Folgen.
Die Versicherer fragen sich, welche Risiken sie da eigentlich abdecken. Ihre Sicherheitsexperten arbeiten daher zurzeit an einer Studie über die Risiken der Quads. "Die Datenlage ist bislang äußerst dürftig", sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann. "Einzelne Polizeistationen haben zwar Details über Unglücke mit den Fahrzeugen, aber die Erfassung erfolgt bundesweit nicht einheitlich. Außerdem haben wir Informationen in unserer eigenen Datenbank. Diese Fakten wollen wir zusammenführen und auswerten." Außerdem plant der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft spezielle Crashtest mit den ATVs. Im Herbst wollen die Forscher ihre Ergebnisse vorstellen.
Man liegt schnell auf der Seite
"Quads sind durch ihre schmale Spurweite relativ kippgefährdet, in Kurven kann das schon bei geringem Tempo sehr schnell gehen", sagt Hans-Ulrich Sander, Kraftfahrtexperte beim TÜV Rheinland. "Sie kombinieren sämtliche Nachteile von Auto und Motorrad: keine Knautschzone, keine elektrischen Stabilitätshelfer, keine Kurvenlage." Schon ein kleiner Ausweichschlenker kann das Quad auf die Seite legen und den Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer verletzen.
Für die Straßenzulassung müssen die Quads lediglich die gesetzlichen Mindeststandards erfüllen. Zwar gibt es bei den Gefährten am Markt deutliche Qualitäts- und Preisunterschiede, aber das sei in der Regel nicht entscheidend: "Mehr als 90 Prozent der Unfälle werden durch die Fahrer verursacht, nicht durch die Fahrzeugtechnik", sagt TÜV-Experte Sander.
Seit 2006 gilt für Quads die Helmpflicht. Als Schutzkleidung sollte das Motorrad-Niveau gelten. Quads sind wegen ihrer ganz eigenen Fahrweise stark gewöhnungsbedürftig. Als beste Sicherheitsmaßnahme empfehlen viele Experten ein Fahrtraining.