Renault Alpine: Comeback der französischen Flunder - DER SPIEGEL
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Comeback der Renault Alpine: Es ist eine Flunder

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Rückkehr der Renault Alpine Flunderbar!

300 PS, dazu federleicht und entsprechend schnell - so will Renault seine Sportmarke Alpine wiederbeleben. Jetzt kommt das Comeback.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gab eine Zeit, da klang beim Namen Renault nicht automatisch das Wort Familienkutsche mit. Der französische Konzern hatte damals mit seiner Tochtermarke Alpine betörende Sportwagen im Programm, die auf Renn-, und Rallypisten Konkurrenten wie Porsche und Ferrari ebenbürtig waren. Die Siebziger- und Achtzigerjahre waren die Blütezeit dieser Rennsemmeln - die danach in Vergessenheit gerieten. Jetzt soll die Marke wiederbelebt werden.

Am Dienstag hat eine neue Alpine ihre Jungfernfahrt absolviert. Mehr als 60 Jahre, nachdem der Renault-Händler und Rennstallbesitzer Jean Rédélé die PS-Welt eroberte, hat ein weißes Coupé mit dem Alpine Emblem auf dem Kühlergrill und der charakteristischen Vier-Augen-Front auf der Strecke der Rally Monte Carlo am Col de Turini seine Runden gedreht und das Comeback der legendären Motorsport-Marke endlich in greifbare Nähe gerückt.

Geredet wird über das Revival für die traditionell blauen Flundern schon seit ein paar Jahren. Zum 50. Geburtstag der Alpine A110 im Jahr 2012 hatten die Franzosen ein Showcar aufgebaut und den Wagen im Vorfeld des Grand Prix von Monaco mit einem 400 PS starken V6-Mittelmotor auf die Strecke geschickt. Sie hatten einen virtuellen Rennwagen für das Computerspiel "Gran Turismo" programmiert und im Sommer 2015 den 60. Geburtstag der Marke mit einer Alpine Celebration in Le Mans gefeiert. Doch die Autos blieben Visionen, die Hoffnungen der Fans unerfüllt.

Fahrleistungen wie ein Porsche - trotz vier Zylindern

Das ändert sich jetzt. Die am Dienstag gezeigte Alpine-Studie entspricht zu 80 Prozent jenem Serienfahrzeug, das noch Ende des Jahres enthüllt wird und Anfang 2017 in den Handel kommt, verspricht Antony Villain. Er verantwortet das Design der vom Nachlassverwalter Renault wiederbelebten Marke.

"Das Auto erfüllt alle Erwartungen, die man an einen modernen Sportwagen mit so einem großen Namen knüpft", sagt Villain. Obwohl die Leistung 300 PS wohl nicht übersteigen und nur aus einem aufgeladenen Vierzylinder geschöpft wird, soll die neue Alpine in Sachen Fahrleistung beeindruckend sein, versprechen die Macher. Sie schwören, ganz in der Tradition Rédélés, auf Leichtbau und stellen für den Mittelmotor-Sportwagen einen Sprintwert von kaum mehr als vier Sekunden in Aussicht. Auch das für viele Fahrzeuge übliche Limit von 250 km/h dürfte die neue Alpine locker hinter sich lassen.

Urahn und Nachfolger: Die Alpine A110 - und die neue Studie

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Foto: Renault

Es wäre die konsequente Fortführung der Markentradition: Schon mit seinem ersten getunten Renault 4 CV fuhr Rédélé einen Klassenerfolg bei der Millie Miglia ein, der A 110 wurde zum Seriensieger bei den Rallyes der Sechziger- und Siebzigerjahre und mit dem A442 haben die Franzosen sogar einst die 24 Stunden von Le Mans gewonnen. 30.000 Straßensportwagen baute Rédéle als Subunternehmer von Renault, und schuf damit einen so klangvollen Namen, dass Renault jetzt das Comeback wagt.

Komfortabel oder kompromisslos - welchen Weg wählt Renault?

Gelingen soll das im Rahmen einer eigenen Firma, die den Neuanfang wie ein Start-up-Unternehmen stemmen soll - allerdings mit der Rückendeckung des Konzerns. Die Entwickler haben vollen Zugriff auf alle Plattformen, Motoren und Technologien des Konzerns und können sogar die Experten des Formel-1-Teams, zum Beispiel für die Abstimmung des Sportwagens, nutzen. "Für uns ist das eine unvergleichliche Chance und ein echtes Abenteuer", sagt Bernard Ollivier, der die wiederaufgelegte Marke im Renault-Konzern führt.

Die Pläne der Franzosen fußen auf optimistischen Prognosen, wonach der globale Markt für Sportwagen bis 2020 um 50 Prozent wachsen soll. Alpine ist deswegen, anders als die Muttermarke Renault, als Weltmarke angelegt, so Ollivier.

Experten sehen das Abenteuer eher skeptisch. Paolo Tumminelli, Markenwissenschaftler aus Köln, attestiert dem Konzept eines kleinen, leichten und aerodynamischen, also schnellen und sparsamen Sportwagens durchaus seinen Reiz. An einen Durchmarsch der neuen Marke glaubt er indes nicht: "Lotus oder Alfa Romeo bieten ähnliche Fahrzeuge an. Beide Marken haben auf der Überholspur die längere Tradition und trotzdem einen schweren Stand", sagt er.

Die wahren Fans profitieren auf jeden Fall

Die Fans dagegen können den Start einer neuen Alpine kaum erwarten. "Seit 1995 die letzte Alpine gebaut wurde, wünschen wir uns sehnlich die Fortsetzung der Firmengeschichte und verfolgen gespannt die Nachrichten aus Dieppe und Paris", sagt Ralf Schuchmann vom Renault Alpine Club International (RACI) im hessischen Hainburg. Allerdings weiß Schuchmann sehr wohl um die zwei Lager, die es unter den Alpinisten gibt. "Die einen lieben Alpine für die A110 und gieren nach einem puristischen Fahrgerät ohne überflüssige Elektronik, ohne viel Komfort und ohne faule Kompromisse. Und die anderen sind erst mit A310, V6 oder A610 zur Marke gekommen und erwarten ein kräftiges, aber komfortables Auto."

Beiden Lagern, das weiß auch Schuchmann, wird es Renault mit der neuen Alpine nicht recht machen können. Und für welchen Weg sich die Franzosen auch entscheiden: Es wird ein steiniger sein. Davon ist der Klub-Präsident überzeugt. Denn für einen radikalen Rennwagen im Geist der A110 gibt es womöglich nicht genügend Kunden. Und für einen konventionellen Sportwagen wie den A610 zu viele etablierte Konkurrenten.

Schuchmann und seine Gesinnungsgenossen freuen sich trotzdem auf das Revival: Denn natürlich wollen sie die Hoffnung auf ein richtig gutes Auto für das eine oder das andere Lager nicht aufgeben. Und falls es damit doch nichts werden sollte, haben sie zumindest einen schönen Trost: "Je mehr Renault für die neue Alpine trommelt und je mehr sich an den Namen erinnern, desto höher steigt auch der Wert unserer alten Autos."

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