Start der Umweltzonen: Kontrolle vielleicht - Strafe später - DER SPIEGEL
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Start der Umweltzonen Kontrolle vielleicht - Strafe später

Solider Start für die Umweltzonen: Seit Neujahr dürfen Autofahrer in Berlin und anderen Großstädten nur noch mit Feinstaubplakette in die Innenstadt - erste Stichproben zeigen, dass die meisten sich an die Regeln halten. Ohne Vignette drohen bald Punkte und Geldstrafen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die seit Jahresbeginn geltende Plakettenpflicht für Kraftfahrzeuge in Berlin, Köln und Hannover ist nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) am ersten Werktag zu rund 75 Prozent befolgt worden. Das teilte die Organisation am Mittwoch in Berlin mit.

Die höchste Quote ermittelten die eigens dafür auf die vom DUH auf Straßen geschickten Messteams in Köln mit 84 Prozent. In Berlin waren es 75 und in Hannover 64 Prozent. Der Leiter Politik und Presse der Umwelthilfe, Gerd Rosenkranz, wies jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse von etwa 2000 Autos stammten und daher nicht als repräsentativ anzusehen seien.

Die neuen Plaketten kennzeichnen Pkw, Lkw und Busse entsprechend ihrer Emissionen. Die schadstoffärmsten Fahrzeuge bekommen eine grüne Plakette. Danach folgen gelb und rot. Autofahrer ohne Plakette müssen mit einem Bußgeld von 40 Euro und einem Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei rechnen - allerdings gibt es Übergangsfristen.

Insgesamt wollen knapp 20 deutsche Städte mittelfristig Umweltzonen einführen (siehe Übersichtskarte), die Regelungen sind jedoch in jeder Kommune anders. Auch bei der Kontrolle von Verstößen gibt es derzeit unterschiedliche Ansätze:

  • In Berlin wurden bereits am Neujahrsmorgen die ersten Autos überprüft. Bei Alkoholkontrollen hätten Beamte die Wagen auch auf die neuen Aufkleber hin inspiziert und die Autofahrer auf die Plakettenpflicht hingewiesen, sagte ein Polizeisprecher. allerdings gilt in der Hauptstadt eine vierwöchige Schonfrist.

  • In Köln kontrolliert die Polizei derzeit nicht. "Die Überwachung des Verbots obliegt nicht der Polizei, sondern ist Sache der Stadt", sagte eine Polizeisprecherin. Allerdings verteilen Bedienstete der Stadt Informationszettel an Autofahrer ohne Plakette.

  • In Hannover haben die Behörden entschieden, in den ersten vier Monaten Verstöße gegen die Auflagen nicht zu ahnden. Bis Ende April stehe an erster Stelle Information und Aufklärung, Sonderkontrollen durch die Polizei solle es nicht geben, so eine Sprecherin.

Während deutsche Großstädter relativ Preiswert davon kommen (einmalig circa 5 Euro), müssen Bürger der italienischen Stadt Mailand seit dem 1. Januar tief in die Tasche greifen: Um mit dem Auto ins Stadtzentrum zu fahren, müssen Bürger und Pendler eine Tagesplakette erwerben, berichtete die Zeitung "La Repubblica". Die Preise seien dabei je nach Auto von zwei bis zehn Euro pro Tag gestaffelt.

hil/rbü/AP/dpa/ddp/Reuters

SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zur Umweltzone:

Wer darf in die Umweltzone?

In ausgewiesene Umweltzonen dürfen Autos grundsätzlich nur noch einfahren, wenn eine der drei farbigen Feinstaub-Plaketten auf ihrer Windschutzscheibe klebt. Je nach Schadstoffklasse sind diese rot, gelb oder grün, wobei der grüne Aufkleber besonders schadstoffarme Fahrzeuge kennzeichnet.

Ein zusätzliches Verkehrszeichen zeigt an, welche Farbe in der jeweiligen Umweltzone zugelassen ist. Außer den gefährlichen Feinstäuben sollen auch Stickoxide und andere Abgase in der Luft reduziert werden. Wer ohne Plakette in eine Umweltzone fährt oder mit der falschen Farbe dort unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro und einen Punkt in Flensburg.

Die Plaketten sind bereits im Handel. Verkauft werden sie zum Beispiel vom TÜV oder der Dekra. Eine Plakette kostet zwischen 5 und 19 Euro - bei der teureren Ausführung ist das Fahrzeugkennzeichen bereits auf die Plakette gedruckt.

Welches Auto erhält welche Plakette?

Das hängt von der Schadstoffklasse ab. Zwar orientieren sich die Schadstoffklassen für Dieselfahrzeuge an den EU-Abgasnormen, aber es gibt Ausnahmen. Deshalb kann man nicht davon ausgehen, dass ein Selbstzünder mit Euro 4 auch zur besten Schadstoffgruppe gehört und die grüne Plakette bekommt. Natürlich brauchen auch Benziner eine Plakette, um in die Umweltzonen zu kommen. Fahrzeuge ohne geregelten Katalysator haben schlechte Karten, überhaupt die rote Plakette zu erhalten.

Ausschlaggebend für die Plakettenzuteilung ist die Emissionsschlüsselnummer im Fahrzeugschein. Bei Fahrzeugscheinen, die vor dem 1. Oktober 2005 ausgestellt wurden, findet man diese Nummer im Feld "Schlüsselnummern zu 1" an der 5. und 6. Stelle.

Bei neueren Papieren, auch "Zulassungsbescheinigung Teil 1" genannt, wird der Emissionsschlüssel ersichtlich aus der 3. und 4. Stelle des Feldes 14.1. Leider gibt es keine nach Fahrzeugmodellen sortierte Liste, die auf Anhieb zeigt, welche Plakette der Wagen erhält. Auf mehreren Internet-Seiten ( TÜV , Dekra ) können Autofahrer durch Eingabe der Schlüsselnummer erfahren, ob sie überhaupt eine Plakette erhalten, und wenn ja, in welcher Farbe.

Was bringt eine Rußfilter-Nachrüstung?

Besitzer eines Dieselfahrzeugs können ihr Auto in eine bessere Schadstoffklasse manövrieren, indem sie einen Rußpartikelfilter nachrüsten. Zahlreiche Werkstätten bieten diesen Service an. Wie sich der nachträgliche Einbau eines Filters auf die Schadstoffklasse auswirkt, zeigt die Seite Cityfilter.de  der Firma HJS.

Die Preise für Nachrüst-Filter liegen zwischen 400 und knapp 1000 Euro. Für den Einbau werden dann weitere 35 bis 200 Euro fällig. Die Nachrüstung senkt nicht nur den Feinstaubausstoß, sie wird vom Staat finanziell gefördert. Wer seinen Diesel-Pkw bis Ende 2009 umrüstet, bekommt 330 Euro, die mit der Kfz-Steuer verrechnet werden.

Vielen Kfz-Besitzer, die bereits nachgerüstet haben, droht allerdings Ungemach. Das Kraftfahrzeugbundesamt hat unlängst etliche Rußfilter aus dem Verkehr gezogen, weil diese nicht die gesetzlich vorgeschriebene Leistung erbrachten. Vor dem Erwerb eines Partikelfilters sollten sich Autofahrer deshalb genau informieren, welche Systeme keine Betriebserlaubnis mehr besitzen. SPIEGEL ONLINE hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Filterskandal hier zusammengestellt.

Eine Umrüstung ist nicht immer sinnvoll, zumindest aus umweltpolitischer Sicht. Zwar wird im Normalfall der Partikelausstoß reduziert, es kann aber zu einer Erhöhung der Stickoxid-Emissionen kommen. Und für die Zukunft sind weitere Fahrverbote für Autos mit hohen Stickoxid-Emissionen geplant. Deshalb sollte man sich auch genau informieren, wenn man wirklich sauberer unterwegs sein will.

Wo dürfen Oldtimer noch fahren?

Kurz nachdem die Feinstaubverordnung bekannt wurde, regte sich Widerstand. Zahlreiche Oldtimer-Besitzer sowie kleine und mittelständische Handwerksbetriebe mit älteren Fahrzeugen beklagten, künftig nicht mehr in Umweltzonen fahren zu dürfen. Besonders Unternehmer, die auf ihr Auto angewiesen sind, bangten um ihre Existenzgrundlage.

Für solche Fälle sind Ausnahmen geplant. "Aber leider ist es nicht möglich, eine aktuell gültige Übersicht zu geben, wo welche Ausnahmen gelten", sagt László Kacsóh, zuständig für Grundsatzfragen der Luftreinhaltung beim Umweltbundesamt in Dessau. Der Grund: Über die Ausnahmen entscheiden die Städte, und fast jede Stadt hat eigene kommunale Regelungen ausgearbeitet.

Nach derzeitigem Stand scheint es wahrscheinlich, dass Oldtimer-Besitzer, Handwerker und Anwohner auch ohne Feinstaub-Plakette durch die Umweltzone ihrer Stadt fahren dürfen. Sind sie aber woanders unterwegs, könnte das Fahrverbot wieder gelten. Denn die Regelung was in der Heimatstadt erlaubt ist, muss nicht im Nachbarort gelten.

Muss ich als Auswärtiger auch eine Plakette vorweisen?

Die Plakettenpflicht gilt grundsätzlich für alle Fahrzeuge. Sowohl Autos von Anwohnern als auch solche von auswärtigen Haltern müssen seit dem 1. Januar in Berlin, Hannover und Köln mit einer grünen, gelben oder roten Plakette an der Windschutzscheibe versehen sein, wenn sie dort in die Innenstädte fahren.

Ausnahmen für den Durchgangsverkehr sind nicht vorgesehen. So können sich beispielsweise Berlin-Besucher ohne Plakette nicht damit herausreden, sie würden nur durch die Stadt hindurchfahren.

Gibt es Ausnahmeregelungen?

Die einzigen bundesweiten Ausnahmen gibt es nach Angaben des ADAC in München für Motorräder, Einsatzfahrzeuge von Polizei und Militär, Krankenwagen, Fahrzeuge für den Behindertentransport, Baumaschinen und Müllwagen.

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