Toyota FV2: Auto-Studie mit Gestenerkennung - DER SPIEGEL
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Studie Toyota FV2: Voller Körpereinsatz

Foto: Toyota

Toyota-Studie FV2 Bitte mit Gefühl

Toyota präsentiert auf der Tokio Motor Show ein Fahrzeug ohne Lenkrad. Die Studie FV2 wird stattdessen über Kameras mit Gestenerkennung manövriert. Es ist der extreme Auswuchs eines größeren Techniktrends: intelligente und vor allem sensible Autos zu bauen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tokio/Hamburg - Was bei Videospielen seit Jahren möglich ist, soll jetzt auch das Auto revolutionieren: Toyota stellt auf der Tokio Motor Show  die Studie FV2 vor, die sich per Gestenerkennung steuern lässt. Bei Spielkonsolen wie der Nintendo Wii oder Xbox Kinect hat diese Technologie den Joystick ersetzt - im Auto soll dadurch das Lenkrad überflüssig werden.

So wie Toyota die Steuermechanismen des FV2 erklärt, wird Autofahren in Zukunft wie Schlittenfahren funktionieren. Der Fahrer lenkt den Wagen, "indem er sich nach vorne oder hinten, nach links oder rechts lehnt", heißt es in der Pressemitteilung zu dem einsitzigen Prototypen.

Ganz neu ist die Idee des gestikgesteuerten Fahrzeugs nicht: Vor zwölf Jahren präsentierte Toyota in Tokio die Studie Pod, bei der Kameras im Innenraum des Fahrzeugs ebenfalls Mimik und Gesten des Fahrers lasen. Allerdings setzte der Pod sie anders um als der FV2. Der kastenförmige Wagen war mit Leuchtbändern überzogen, die je nach Stimmung der Insassen in roter, gelber oder blauer Farbe strahlten. Registrierten die Sensoren einen besonders glücklichen Gemütszustand, wackelte der Pod sogar mit der Antenne wie ein Hund mit dem Schwanz.

Ein Auto mit Mitgefühl

Bis heute gibt es das expressive Gefährt nur als Prototyp - ein Schicksal, das dem FV2 ebenfalls blüht. Ein Toyota-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, die Studie steht nur als Ausstellungsstück in Tokio, ohne dass die lenkradlose Steuerung demonstriert wird. Und der Toyota-Manager Takeo Moriai wird von der Nachrichtenseite "Bloomberg Businessweek"  mit den Worten zitiert, die Technologie stecke noch in den Kinderschuhen: "Wir können noch nicht abschätzen, bis zu welchem Grad das Auto die Emotionen des Fahrers lesen kann."

Toyota ist nicht der einzige Hersteller, der seinen Produkten Mitgefühl beizubringen versucht. Der amerikanische Autobauer Ford hat in seinem Forschungszentrum in Aachen einen Spezialsitz entwickelt, der die Gesundheit des Fahrers kontrolliert. Mit Hilfe von Sensoren, die in die Rückenlehne integriert sind, misst das Auto wie bei einem Elektrokardiogramm (EKG) die Herzfrequenz. Erkennt es Unregelmäßigkeiten, wird der Fahrer gewarnt und ein Sicherheitssystem aktiviert, um einen Unfall zu vermeiden. Gleichzeitig kann ein automatischer Notruf absetzt werden. Andere Autobauer arbeiten ebenfalls an vergleichbaren Systemen, darunter BMW. Zu kaufen gibt es die Systeme noch nicht.

Bei Zickzack-Kurs erscheint die Kaffeetasse

Der Hersteller VW überwacht dagegen schon serienmäßig, wie wach seine Kunden sind. Kommt dem Wagen der Zickzackkurs des Fahrers komisch vor, blinkt eine Kaffeetasse auf: "Müdigkeit erkannt. Bitte Pause", heißt es dann auf einer Empfehlung im Display. Das System wertet dazu ab einer Geschwindigkeit von 65 km/h das Fahrverhalten aus. Der Wagen zieht daraus seine Rückschlüsse und meldet sich nicht nur mit Text und Kaffeetasse, sondern auch per Warnton. Der Wachdienst ist unter anderem in Passat-Modellen verbaut.

Solche Müdigkeitsüberwachungen bieten mittlerweile viele Hersteller in ihren Fahrzeugen an, bei Volvo heißt das System zum Beispiel "Driver Alert". Nützlicher als wackelnde Antennen sind diese Technologien allemal.

cst/mhu