Tuner auf der IAA: Vollgas im Gegenwind - DER SPIEGEL
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Tuner auf der IAA Vollgas im Gegenwind

Auf der IAA hat Mercedes sein PS-Monster C63 AMG gut versteckt, auch den BMW M3 muss man erst suchen. Nur in Halle 1 stehen die Aussteller trotz Öko-Diskussion ungebremst zur Leistung. Bei den Tunern geht das Wettrüsten weiter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bodo Buschmann sagt es voller Überzeugung: "Wir gehören zur Spaßfraktion." Doch dass die Tuner so gar nicht auf die grüne Welle reagieren, die in diesem Jahr über die Internationale Automobilausstellung (IAA) schwappt, will der Chef der Firma Brabus nicht auf sich sitzen lassen. Natürlich wird nirgendwo sonst die Lust an der Leistung so unverklemmt ausgelebt wie bei den Autotunern in der Messehalle 1. Aber ignorieren können die Muskelmänner die Frage nach CO2-Wert und dem Benzinverbrauch auch nicht ganz.

Das beste Beispiel dafür liefert eine Studie des Aachener BMW-Tuners AC Schnitzer. Dort dreht sich im Rampenlicht ein bitterböser 3er BMW, unter dessen Haube der Zehnzylinder aus dem aktuellen M5 steckt. 552 PS, 540 Nm und ein Sprintwert von 4,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 lösen bei der Vollgasfraktion ein wohliges Kribbeln im rechten Fuß aus - und treibt Bedenkenträgern die Zornesröte ins Gesicht.

Doch der Wagen tankt statt Super Plus Flüssiggas und fährt damit nicht nur sparsamer als das Serienmodell, sondern hat auch einen rund 15 Prozent niedrigeren CO2-Ausstoß. "Damit wollten wir beweisen, dass auch ein starkes Fahrzeug sauber fahren kann", sagt Vertriebsleiter Dimitri Nikolaou über den Spagat, den seine Branche gerade übt. Vielleicht ist auch das der Grund, warum der Bolide in blassem Grün lackiert wurde.

An vulgärem PS-Protz herrscht dennoch kein Mangel. So funkelt zum Beispiel bei Carlsson ein Mercedes CL, der zusammen mit dem Modelabel Aigner zu einem Prunkschiff aufgerüstet würde. Außen mit Zweifarblackierung geschmückt und auf 21-Zoll-Felgen gestellt und innen mit weinrotem Leder ausgeschlagen, bringt es der Zwölfzylinder im CK65 Eau Rouge auf 700 PS und 1100 Nm, die für 320 km/h reichen.

Bei Novitec Rosso räkelt sich ein mattgrau lackierter Ferrari F430 im Rampenlicht, dessen Achtzylinder auf 707 PS kommt und Masory macht selbst vor dem Rolls-Royce Phantom nicht halt: In der Variante Conquistador bekommt er einen noch größeren Kühlergrill, eine tief gezogene Frontschürze mit LED-Tagfahrlicht, wuchtige Seitenschweller zwischen den schwarzen 22-Zoll-Walzen sowie einen Heckflügel. Und natürlich gibt es auch mehr Leistung für den Zwölfzylindermotor, der jetzt 551 PS entwickelt.

Ein Mittelklasse-Auto mit 730 PS

Doch das reicht nicht, um den ungekrönten König der Kraftmeier vom Thron zu stoßen. Der steht bei Brabus und trägt den Namen Bullit. Dahinter verbirgt sich eine Mercedes C-Klasse, die mit zwölf Zylindern und 730 PS den neuen C63 von Daimlers Werkstuner AMG (476 PS) zur Seifenkiste macht. 1320 Nm jagen das Gerät binnen 3,9 Sekunden auf Tempo 100, nach etwas mehr als zehn Sekunden wischt die Nadel über die 200er- und nach 24,5 Sekunden über die 300er-Marke. Ein Ende findet die Sturm- und Drangzeit erst bei 360 km/h.

Dass man diesen Bollerwagen mit dem gefühlten CO2-Ausstoß eines Kohlekraftwerkes nicht als Umweltengel feiern wird, ist auch Brabus-Chef Buschmann klar. "Aber wir machen Geschäfte in 106 Ländern, und in 105 davon ist das kein Thema", rechtfertigt er das Projekt, das pro Auto mindestens 348.000 Euro einspielen soll. Ein oder zwei Dutzend werden sich wohl verkaufen lassen, schätzt Buschmann.

Möglich mache das die ungebrochene Faszination, die Autos aus Deutschland noch immer anhafte, sagt Buschmann. Nicht, dass ihm die Umwelt egal sei. Doch wenn man die Spitzenstellung der deutschen Automobilindustrie nicht aufs Spiel setzen wolle, dürfe man deren Produkte nicht konsequent kaputt reden. "Es gibt einfach Bereiche, in denen viel, viel mehr CO2 freigesetzt wird."

Mehr Diesel-Modelle und ein getunter Smart

Dennoch verspricht auch Buschmann, einen Beitrag zur grünen IAA zu leisten. "Unser Dieselanteil wird immer größer", sagt er. Außerdem liege der durchschnittliche CO2-Ausstoß seiner Fahrzeuge heute bei moderaten 179 g/km. Zukunftstechnologien gegenüber sei Brabus durchaus aufgeschlossen. In Planung sind ein getunter Diesel-Bluetec-Mercedes und ein Hybrid-Lexus.

Das grünste Auto der Firma aber strahlt in einem feurigen Orange: Es ist der Smart Ultimate 112. Auf 112 Exemplare limitiert, gibt es ihn für 45.900 Euro mit einem Dreizylindermotor, der auf 112 PS kommt. So überschreitet der Winzling nach etwas mehr als drei Sekunden das innerörtliche Tempolimit, erreicht nach 9,5 Sekunden 100 km/h und wird mit 170 Spitze zum schnellsten Smart überhaupt. "Das alles bei einem CO2-Ausstoß unter 130 Gramm", sagt Buschmann. Damit ist er zumindest in Halle 1 der Klimakönig.

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