Ungleiches Duell: Golf versus Kuh - DER SPIEGEL
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Ungleiches Duell Golf versus Kuh

Der VW Golf Blue Motion soll seinem Fahrer ein ökologisch reines Gewissen bescheren. Elfi die Schwarzbunte steht hingegen für Selbstzündung mit vier Mägen und satte Entschleunigung. Kann man mit einer Kuh die Umwelt nachhaltiger entlasten als mit einem Golf? Ein Vergleichstest.
Von Jo Clahsen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dieser Golf ist einfach tierisch. Tierisch hart zunächst einmal, weil er auf ganz schmalen, besonders hart aufgepumpten Reifen dahergerollt kommt. Und besonders laut ist er auch. Manche Freunde behaupten gar: er nagelt. Das liegt wohl daran, dass mit Pumpe und Düse versucht wird, aus den 105 Pferden des Heizölmaserati so viel rauszuholen, dass es für mehr als 180 Sachen auf der Autobahn reicht.

Foto: DPA

Dabei muss jedes Pferd fast zwölf Kilo in Schwung halten und darauf achten, dass die Umwelt mit 110 Gramm CO2 nicht zu kurz kommt. Denn obschon es im Straßenverkehr sonst verboten ist, darf der Golf so blau sein wie eine Haubitze.

Blue, so der Vorname des Golf, heißt blau. Das ist natürlich die Hausfarbe von Volkswagen. Aber "blau steht auch für die zu schützenden Elemente Wasser und Luft". Motion, das ist der Familienname des Golf, verkörpert Bewegung, oder offiziell: "den Aspekt einer nach vorn, in die Zukunft gerichteten Mobilität. Ziel ist es, die Ressourcen der Erde für nachfolgende Generationen zu schützen. BlueMotion avancierte dabei innerhalb von nur eineinhalb Jahren zu einem Gütesiegel, das für Sparsamkeit ohne Abstriche beim Fahrspaß steht."

Sparsamkeit ist angekommen, denn an der Tanke ist der tiefergelegte Blue eher zurückhaltend und nimmt noch einmal eine Halbe weniger als seine Mitgölfe aus dem Diesel-Segment.

Fahrspaß? In den ersten drei Gängen zeigt der Selbstzünder höchstens so viel Temperament wie eine Milchschnitte. Von da an aufwärts bis zum fünften Gang hat er so viel Charme wie die 26. Neuauflage von DSDS. Macht aber überhaupt nichts, weil es hier um etwas anderes geht. Für den Golf sprechen dann auch die Stückzahlen. Oder können 26 Millionen Golfista irren?

Germany's Top Nextmodel: der Kuh.

Der ist ein vierschrötiger Offroader mit Allradantrieb aber ohne elektronische Fisimatenten. Obschon er nur in Basisausstattung ausgeliefert wird, hat er Vollleder (Schwarz-Weiß-Design), einen Hornlenker in Racing-Ausführung und zwei Halogenscheinwerfer, die bei Nichtgebrauch zugeklappt werden. Dafür verfügt der seit dem frühen Mittelalter gebaute Kuh nur über Vorwärts- und Rückwärtsgang. Nota- bene: Rückwärts einparken ist mit dem Kuh, wegen fehlender Übersichtlichkeit und PDC recht schwierig. Die hohe Sitzposition (um 135 Zentimeter) ist indes ausgezeichnet im langsam fließenden Verkehr.

Sein Motor ist ein aufwendiger Vier-Kammern-Hybrid, der mit bis zu 180 Liter Harnstoffausspritzung pro Tag arbeitet. Er muss täglich mindestens sechs Stunden mit Feststoffen versorgt werden, verarbeitet sie dann acht Stunden lang und steht anschließend für fette Sprints von drei Meter je Sekunde parat.

Dazu benötigt er im Cowport etwa 20 bis 40 Liter Wasser je Tag, wenn die 50 Kilo Fressstoffe noch nicht ausgetrocknet sind. Bei Garagenhaltung mit Trockenfutter und Getreidezumischung braucht er – bestenfalls aus dem Feng-Shui-Brunnen – 40 bis 80 Liter am Tag. Für die Abfuhr der Harnstoffausspritzung sollte allerdings Vorsorge getroffen werden.

Erstaunlich bei dem Gewicht von nur 6 bis 800 Kilo ist der zusätzliche Output. Der Hightech-Hybrid produziert bis zu 24 Liter Laktat je Tag, das gewinnbringend veräußert werden kann. Bei bis zu 6500 Liter pro Jahr und einem Durchschnitts-VK von 0,4 Euro, kommen kuhmuliert die Betriebskosten fast wieder rein. Ausnahme: der Kuh als GTI-Version. Der Stier genannte Zweisitzer ist schwerer, aggressiver in den Fahrleistungen, verzichtet allerdings auf die Laktatproduktion.

Allerdings: Bei einem Topspeed von 27 km/h (Messung: Universidad de Chile) ist der Umweltfaktor mit 8,2 Kilo Methan pro Tag nicht zu vernachlässigen. Wie man generalisierend feststellen muss, dass Innovation nicht eben das Kennzeichen von Kuh ist (Newsweek: Rinder? Wahnsinn!). Lediglich beim Laktat-Ausstoß konnte in den letzten Jahrhunderten eine enorme Steigerung erzielt werden. Die Universität Hohenheim bei Stuttgart arbeitet jedoch derzeit an einem Projekt, das den Methanausstoß auf null bringen soll. Karl Lagerfeld soll, Gerüchten zufolge, schon an einer Lösung des Gasproblems arbeiten, die auf Verflüssigung setzt. Tarnname der neuen Duftnote: "Bleu de Kuh". Der Vertrieb wird über Autobahnraststätten erfolgen.

Hinzu kommen allerdings noch 27,3 Kilo wieder verwendbarer Auswurf, die in unregelmäßigen Abständen über das Waste-Gate ausgeschieden werden. Wohin damit? Man kann Biogas daraus herstellen, die Abwärme nutzen und noch Strom erzeugen. Das ist umweltfreundlich.

Das ist aber auch kein Wunder. Das Rassetier Golf kostet ohne alle Sperenzchen immerhin 22.750 Euro. Der Kuh ist für geschmeidige 1.000 Euro zu haben. Ob sich deswegen 1,37 Milliarden Kuhs auf der Welt tummeln? Oder bloß deshalb, weil sie mit einer Lebenserwartung bis zu 20 Jahren brillieren? Oder vielleicht, weil von Schwarzbunt in Deutschland bis hin zu Kuh Wagyu in Japan mehr als 42 Modelle angeboten werden?

Wie dem auch sei: wer Äpfel mit Birnen vergleicht, muss bis in die letzten Details forschen. Das Tier Golf ist schon recht ordentlich auf Zukunft ausgerichtet. Der Kuh ist mit seinen Methan-(CH4) und Lachgasausscheidungen (N2O) eher kontra Umwelt ausgelegt. Der WWF hat zwischenzeitlich herausgefunden, dass der Golf erst nach 18.000 Kilometern Laufleistung so viel Gift ausstößt wie der Kuh. Dafür hat der Tierische Überwachungsverein (TÜV) erst unlängst ein Zertifikat für den Kuh erstellt, das ihm höhere Umwelt- und Zukunftschancen gibt. Der Kuh ist so gebaut, dass vorne an der Schnauze schon die Aussparungen für den Plug-In-Elektrobetrieb eingebaut sind.

Daten und Fakten zur Kuh

Motor

Vier-Kammern-Hybrid bestehend aus

Pansen

Foto: DPA

Der erste der insgesamt 4 Mägen eines Rindes, er ist eine mächtige Gärkammer. Er liegt an der linken Seite der Kuh und füllt mit seinem Volumen von 150 bis 180 Liter fast die ganze linke Bauchhöhle aus. Er ist in einen oberen und unteren Pansensack aufgeteilt und kann insgesamt 50 bis 60 Kilogramm Futter aufnehmen. Der Pansen besitzt aber keine Drüsen wie etwa Magen oder Darm – der Wiederkäuer bedient sich anderer Lebewesen, um die schwerverdauliche Pflanzenmasse aufzuschließen. Viele Milliarden von Bakterien und Einzellern (insgesamt etwa 7kg) bevölkern den Pansen und produzieren bei ihrer Tätigkeit Säure.

Netzmagen

liegt neben der Einmündung der Speiseröhre in den Pansen. Er kann sich stark zusammenziehen und fördert dadurch einerseits das angedaute Futter portionsweise zurück ins Maul zum Wiederkäuen und andererseits genügend verkleinertes Futter weiter in den Pansen. Der Netzmagen siebt praktisch die Nahrung und lässt in den Blättermagen nur das durch, was fein genug ist. Bei der Verdauung spielt er nur eine untergeordnete Rolle.

Blättermagen

Der letzte Vormagen. Eine Hauptaufgabe ist die Resorption (aufsaugen, aufnehmen) von Wasser, Nährstoffen und von Natriumbicarbonat (NaHCO3). Aber auch im Blättermagen werden noch Futterpartikel von Kleinlebewesen abgebaut.

Labmagen

Hier laufen die gleichen Vorgänge ab, wie im Magen eines Nichtwiederkäuers (z.B. beim Menschen oder Schwein). Der pH-Wert wird hier in den sauren Bereich (pH-Wert ca. 3,0) abgesenkt. Salzsäure löst die noch vorhandene Struktur der Nahrungsbestandteile. Pepsin nimmt die Resteiweißspaltung vor. Das Eiweiß stammt zum großen Teil von den Bakterien, die durch die Magensäure getötet wurden.

Leistung............................................................... 0,77 kW (1 ps)

Höchstgeschwindigkeit.............................................27 km/h

Beschleunigung.............................................3 m/s/10,8km/h

Sprunghöhe...................................................................... 1,5 m

Kaubewegungen /täglich.......................................... 30. 000

Kaubewegungen pro min.................................................. 35,7

Milchertrag / täglich............................................................. 24 l

Fahrwerk

4-hufig, Offroadbetrieb möglich

Wartung

Erwartet jeden Tag ein bisschen Zärtlichkeit und Fürsorge

Verbrauch

Der Wasserbedarf ist umso größer, je höher der Trockenfutteranteil und die Milchleistung ist. So beträgt der durchschnittliche Wasserverbrauch einer Kuh mit einer Milchleistung von 20 Litern pro Tag zwischen 20 und knapp 150 Litern pro Tag.

Bei oben genannter Milchproduktion benötigt die Kuh jeden Tag außerdem:

- 16 kg Heu/ 80 kg Gras

- 2 kg Gersten/Maismehl

- 20 g Mineralien

Abgaswerte

CH4............................................................................ 400g / Tag

Speichel (Saliva).................................................... > 180 l / Tag

pH–Wert des Speichels.......................................................... 8,3

Dung...................................................................... > 25 Kg / Tag

Unterhaltskosten

1000 Liter Wasser..............................................................1,08.–

100 kg Heu.......................................................................... 12,–

25 kg Gerste...........................................................................8,50,–

Der Kuh ist ausschließlich gegen das Todesfallrisiko versicherbar. Dies ist sowohl im Rahmen von Jahresverträgen als auch zeitlich begrenzt auf die Dauer der Sömmerung oder Ausstellungen möglich.

Gesamtkosten

Variabel. Durch die Laktatproduktion lassen sich bis zu 2500,– per annum verdienen. Die Betriebskosten sind allerdings enorm. (s.o.)

Garantie

20 Jahre Lebensdauer

Grundpreis ca. 1 000 Euro

Mängel am Testwagen: keine

Serienausstattung

zweifarbig s/w, Behälter für Milchspeicher (Sommer und Winterbetrieb), vier Hochleistungszapfhähne, zwei Stoßstangen, Fliegenwedel (halbautomatisch), Düngevorrichtung (vollautomatisch), Allwetterhufe, Raspelzunge, Zweikreisbremsensystem vorne und hinten, mehrstimmige Signaleinrichtung, verschließbare Halogenaugen, Echtlederbezug sowie eine Vorrichtung für den Plug-In Elektrobetrieb

Zusatzausstattung

Milcheimer 10L Fassungsvermögen.........................1,40 ,-

Melkschemel 3-beinig.......................................................... 54 ,-

Sonnenbrille "Ray Ban Aviator"................................... 130,-

Navigationssystem "TomTom XLT"...........................200,-

Sattel "Hermes"..........................................................ab 3.360,-

Daten und Fakten zum VW Golf

Motor

Vierzylinder-Reihen-Dieselmotor (Pumpe-Düse), vorn quer mit Turbolader und Ladeluftkühler, fünffach gelagerte Kurbelwelle, eine oben liegende Nockenwelle (Zahnriemenantrieb), zwei Ventile pro Zylinder über Tassenstößel mit hydraulischem Spielausgleich betätigt, Dieselpartikelfilter

Leistung................................ 77kw (105 PS) bei 4000/min

Spez. Leistung..................................... 40,6 kW/l (55,4 PS/l)

Hubraum...................................................................... 1896 cm³

Bohrung x Hub................................................. 79,5 x 95,5 mm

Verdichtungsverhältnis................................................... 18,5:1

Maximaler Ladedruck...................................................1,05 bar

Max. Drehmoment......................... 250 Nm bei 1900/ min

Mittlere Kolbengeschwindigkeit............................ 2,7 m/s

Ölinhalt Motor..................................................................... 4,2 l

Kühlsysteminhalt....................................................................8,1 l

Kraftübertragung

Vorderantrieb, Fünfganggetriebe, Übersetzungen:

I.3,78 II. 2,06 III. 1,25 IV. 0,84 V. 0,63 R 3,60.

Achsantrieb 3,39:1

Fahrwerk

Einzelradaufhängung vorn und hinten, vorn mit Querlenkern, McPherson-Federbeinen, hinten mit Querlenkern, Längslenkern, Schraubenfedern, Stoßdämpfern, Stabilisator vorn und hinten, Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, Lenkübersetzung, 15,0 :1

Drei Lenkradumdrehungen, hydraulische Zweikreisbremse mit Bremskraftverstärker, innenbelüftete Scheibenbremsen vorn, Scheibenbremsen hinten, Bremskraftbegrenzer, Antiblockiersystem, Feststellbremse auf die Hinterräder wirkend. Rädergröße 6-5 J x 15 , Reifengröße 195/65 R 15 H, Michelin Energy

Wartung

Nach Wartungsintervallanzeige

Verbrauch (ECE–Norm)

Stadt......................................................................... 5,8 l/100 km

Über Land................................................................. 3,8 l/100 km

Gesamt.................................................................... 4,5 l /100 km

Abgaswerte

HC+NOx (Grenzwert)............................. 0,210 (0,30) g/km

NOx (Grenzwert)....................................... 0,180 (0,25) g/km

CO (Grenzwert)............................................ 0,25 (0,50) g/km

Partikel (GW).............................................0,000 (0,25) g/km

CO2.............................................................................. 119 g/km

Unterhaltskosten

Steuer (Euro 4)........................................................... 293,–

Haftpflicht (TK 21 R6)................................................. 1519,–

Teilkasko..................................................................... 287,–

Vollkasko................................................................... 1589,–

Festkosten pro Jahr...................................................2100,–

Betriebskosten pro 100 km.........................................8,65

Wertverlust Jahr...................................................... 2300 ,–

(bei einer Haltedauer von 36 Monaten und 45.000 km; Prognose: AMS)

Gesamtkosten /km

Bei 15.000 km/Jahr................................................. 0,38/0,22*

Bei 30.000 km/Jahr................................................. 0,24/0,15*

* mit/ohne Wertverlust

monatliche Unterhaltskosten

Bei 15.000 km......................................................... 472,–/280,–*

Bei 30.000 km......................................................... 611,–/386,–*

* mit/ohne Wertverlust

Garantie

Zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung

Zwölf Jahre gegen Durchrostung

Fahrleistungen

Beschleunigung 0–50 km/h............................................... 3,6s

0–80 km/h......................................................................... 7,9s

0–100 km/h...................................................................... 11,7s

0–120 km/h...................................................................... 16,8s

0–130 km/h....................................................................... 21,0s

0–140 km/h...................................................................... 25,4s

0–400m............................................................... 17,9 (122km/h)

Höchstgeschwindigkeit...........................................187 km/h

Elastizität

60-100 km/h im IV./V./G.......................................... 10,0/18,9

80-120 km/h im IV./V./G............................................11,3 /18,0

Fahrversuche

Slalom 18m leer/beladen............................ 62,3/60,7 km/h

ISO- Wedelgasse l/b..................... 121,5 km/h /121,1 km /h

VDA Ausweichgasse

Einfahrgeschwindigkeit l/b.............................. 71/70 km/h

Ausfahrgeschwindigkeit l/b........................... 48/50 km/h

Verbrauch (l/100km)

Diesel

Min..........................................................................................4,7

Max........................................................................................ 8,1

Testverbrauch........................................................................ 6,1

Reichweite in km....................................................................902

Aussengeräusch db

Stand/Fahrgeräusch (EG)................................................ 78/71

Beschl. Vorbeifahrt (50 km/h III. G.)..................................76

Konst. Vorbeifahrt (80km/h; IV. G.)................................... 74

Ausstattung und Preise

Grundpreis..................................................................... 22.750,–

Testwagenpreis............................................................. 27.248 ,–

Mängel am Testwagen:...................................................keine

Serienaustattung: ABS Fahrer und Beifahrer Airbag, Sidebags, seitliche Kopfairbags, elektronisches Stabilitätsprogramm, Bordcomputer, elektrische Fensterheber vorn, Geschwindigkeitsregelanlage, Klimaanlage, Leichtmetallräder, einstellbare Lenksäule, Zentralverriegelung mit Fernbedienung

Zusatzaustattung

Einparkhilfe hinten............................................................. 370,–

Lederausstattung............................................................. 2290,–

Metallic Lackierung............................................................ 480,–

Navigationssystem........................................................... 2575,–

Nebelscheinwerfer.............................................................155,–

Sidebags hinten..................................................................300,–

El. Schiebedach.................................................................. 855,–

Bi–Xenonscheinwerfer......................................................1080,–


Quelle: auto motor und sport, Heft 3, 17. 1. 2008

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