VW Tiguan Langversion: Ein paar Extra-Zentimenter
VW-Tiguan-Langversion Das aufgeblähte Kompakt-SUV
Wenn es um die Oberklasse geht, haben es die deutschen Hersteller längst begriffen: Chinesische Kunden mögen es gern lang. Weil im Reich der Mitte der Eigentümer des Fahrzeugs eher hinten rechts als am Steuer sitzt, und sich auch Mittelständler einen Chauffeur leisten, werden Modelle wie der Audi A6, der BMW 5er und seit diesem Jahr erstmals auch die Mercedes E-Klasse in China mit einem um rund 15 Zentimeter verlängerten Radstand angeboten. Noch eine Stufe höher, in der Oberklasse, werden fast ausschließlich die Langversionen der luxuriösen Limousinen in den Handel gebracht.
Nun allerdings erreicht die Liebe zum Langformat erstmals eine neue Fahrzeugschicht. Von Westeuropa weitgehend unbemerkt, wirbt VW in Fernost bereits seit ein paar Wochen für eine gestreckte Version des SUV Tiguan. Der eigentlich kompakte Geländegänger, der hierzulande mit 2,60 Meter Radstand und 4,43 Meter Länge verkauft wird, legt in der chinesischen Version um acht Zentimeter zu und bietet damit spürbar mehr Beinfreiheit im Fond und zusätzlichen Platz im Kofferraum. Außerdem wurde das Auto für den chinesischen Markt bereits neu gestaltet und so der aktuellen VW-Optik angepasst.
Während der Tiguan in Europa also noch den vom ehemaligen VW-Chef Wolfgang Bernhard forcierten Wappenkühlergrill trägt, tritt das Modell im Reich der Mitte bereits mit einer vom aktuellen Golf abgeleiteten Frontpartie an. Das gefällt den Kunden offenbar gut: Mehr als 90.000 Vorbestellungen sollen für den Wagen bereits vorliegen.
Dass VW sowohl die Langversion als auch das Facelift still und leise enthüllt und auf den sonst üblichen PR-Zauber verzichtet hat, geschah nicht ohne Grund. Der China-Tiguan, so unterstellen zumindest Branchenkenner, könnte auch im Rest der Welt Begehrlichkeiten wecken. Nicht nur, dass der Wagen in Europa frühestens im Herbst eine Veränderung erfährt, sondern auch das Längen- und damit das Innen- und Kofferraumwachstum wird es für hiesige Kunden erst einmal nicht geben.
Dass jedoch ein Angebot aus einer Standard- und einer etwas längerem Variante in Europa durchaus auf Interesse stößt, zeigt das Beispiel des mit dem Tiguan vergleichbaren Nissan Qashqai. Das Auto gibt es seit knapp zwei Jahren auch unter dem Namen Qashqai+2 mit 14 Zentimetern mehr Radstand, 21 Zentimetern mehr Länge und 140 Litern mehr Kofferraumvolumen sowie der Option auf eine dritte Sitzbank. Obwohl die Langversion um etwa 2000 Euro teurer ist, verkauft sich das Auto nicht schlecht. "Jeder vierte Qashqai, den wir im letzten Jahr ausgeliefert haben, war ein Qashqai+2", sagt Nissan-Sprecher Michael Bierdümpfl.
Wäre eine Tiguan-Langversion auch hierzulande erfolgreich?
VW allerdings sieht für den langen Tiguan aus China hierzulande keine Chancen. Vielleicht auch deshalb, weil es intern pikant werden könnte, wenn das Stammwerk in Wolfsburg und die Fabrik im fernen Osten auf diese Weise in direkte Konkurrenz träten. Und auch die Qualität der chinesischen Autos müsste man vor einem Import nach Europa vielleicht noch einmal kritisch begutachten.
Solche Fragen wollen die Niedersachsen gar nicht diskutieren. "China ist ein besonderer Markt und nur bedingt mit dem europäischen vergleichbar," sagt VW-Sprecher Enrico Beltz. Die Langversion sei entworfen und entwickelt worden, um den Anforderungen des chinesischen Markts und der dortigen Kunden gerecht zu werden. "In Deutschland hingegen macht eine solche Version keinen Sinn," sagt Beltz. Auch Michael Lamlé, der Geschäftsführer des Volkswagen-Händlerverbands, ist dieser Meinung: "In Deutschland besteht für eine solche Version des Tiguan aus unserer Sicht kein Bedarf."