Ford Ecosport: Zweiter Anlauf des Kompakt-SUVs aus Indien - DER SPIEGEL
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Ford Ecosport: Rad ab

Foto: PANDER

Ford Ecosport Zwischen den Welten

Ruppiges Fahrgefühl, viel Hartplastik und ein Ersatzrad auf dem Heck - im ersten Anlauf kam der Ford Ecosport in Europa nicht weit. Jetzt wurde das Auto angepasst und der Preis gesenkt. Und siehe da: es funktioniert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Beim Erstkontakt mit dem Auto ist man zunächst ein bisschen ratlos. Der Wagen ist kompakt, bullig, erkennbar auf SUV getrimmt und ganz generell ziemlich schlicht gehalten. Soweit ist die Sache klar, denn viele Hersteller setzen auf Mini-SUVs, weil die hohe Stückzahlen versprechen. Was stutzig macht, ist das Ford-Logo. Ford? Die Marke war zuletzt doch recht schwungvoll unterwegs - mit properen Modellen, prämierten Benzinmotoren, hoch gelobten Fahrwerken und mehreren Typen mit Elektro- und Hybridantrieb. Warum jetzt plötzlich dieser leicht verschrobene Mini-SUV mit der Ausstrahlung eines Allerweltsautos?

Weil er genau das ist. Mit dem Ecosport experimentiert Ford einmal mehr mit der Idee des Weltautos. Das geht jetzt schon seit mehr als zwanzig Jahren so. Der erste Mondeo (Debüt 1993) trug diesen Anspruch sogar im Namen und zuletzt wurde die maximale Globalisierung innerhalb des Konzerns sogar zur Leitdoktrin erhoben ("One Ford"). Jetzt also der Ecosport. In Südamerika entwickelt, in Brasilien, Thailand, China und Indien gebaut - und wo immer möglich verkauft. Die in Europa angebotenen Autos stammen übrigens aus dem indischen Werk Chennai.

Der Ersatzreifen als Problem

Aber wie so oft bei Standard-Pkw mit weltumspannenden Ambitionen: auch in diesem Fall ist das Ergebnis nicht überzeugend. Denn was im Luxus- oder Sportwagensegment funktioniert, also bei Marken wie beispielsweise Bentley oder Ferrari, geht bei Durchschnittsautos regelmäßig schief. Beim Ecosport war es genauso.

Als der Wagen 2013 erstmals in Europa angeboten wurde, trug er, wie überall sonst auf der Welt auch, ein Ersatzrad hinten auf der Hecktür. Vor allem deutsche und englische Autotester mokierten sich darüber. Denn so sinnvoll ein leicht zugänglicher Ersatzreifen in vielen Teilen der Welt ist, hierzulande reicht ein Reifenkit. Zumal es sowohl die Parkplatzsuche als auch das Einparken vereinfacht, wenn die Länge von 4,27 auf 4,01 Meter schrumpft.

Ford versuchte, das Ersatzrad als charmante Rustikalität zu verkaufen, verpasste aber zugleich, den in Südamerika verfügbaren Allradantrieb anzubieten. Logisch, dass kein Mensch den Ecosport als Mini-Geländewagen wahrnehmen wollte. Schon gar nicht zum Preis von 19.200 Euro, den Ford anfangs verlangte.

Das Weltauto für Europa zurechtgestutzt

Es folgten mickrige Verkaufszahlen hierzulande und ein radikales Einlenken. Das Weltauto wurde für die europäischen Kunden europäisiert: Das Ersatzrad an der Hecktür wurde eliminiert und der Preis für das schlichte Auto auf ein erträgliches Niveau gesenkt. Aktuell wird der Wagen auf der Ford-Internetseite für 14.490 Euro feilgeboten - Preis, Angebot und Eindruck passen damit viel besser zueinander.

Denn an sich ist der Ford Ecosport ein munteres und wendiges Auto. Ein Kleinwagen mit erhöhter Sitzposition, perfekt für den Stadtverkehr und den ganz normalen Alltagsbetrieb zwischen Getränkemarkt, Kindershuttlediensten und Wochenendausflug. Es fehlt allerdings an Überblick, weil massive (und prall verkleidete) A-Säulen den Blick einschränken und weil die Heckscheibe vergleichsweise klein geraten ist. Wen Letzteres stört, der sollte über Einparksensoren am Heck nachdenken, die allerdings 355 Euro Aufpreis kosten.

Die Motorenpalette ist klein und entspricht dem europäischen Geschmack. Bester Antrieb für den Ecosport ist wohl der 1,0-Liter-Dreizylinder mit Turboaufladung, Direkteinspritzung und einer Leistung von 125 PS - der auch in unserem Testauto rumorte. Manchmal wird die Maschine zwar etwas laut, doch sie bringt den Wagen zügig voran und kommt laut Werksangabe mit 5,4 Liter je 100 Kilometer aus.

Hecktür statt Heckklappe

Im Stadtverkehr allerdings war unter 7 Liter nichts zu machen, aber an solche Diskrepanzen beim Verbrauch, die nichts weiter als die Unvereinbarkeit von Realität und Norm abbilden, hat man sich ja leider gewöhnt. Vielleicht wäre man mit einem Sechs- anstelle des Fünfgang-Schaltgetriebes sowie mit einer Start-Stopp-Automatik noch etwas günstiger unterwegs, doch beides bietet Ford für den Ecosport nicht an. So weit geht die Europäisierung dann doch nicht, und überall sonst auf der Welt gibt kein Kleinwagenkäufer Geld für solche Details aus.

Überhaupt merkt man an vielen Stellen, dass ein für Wachstumsmärkte konzipiertes Weltauto wie der Ecosport eben doch vieles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen muss. Nicht nur an Spritspar-Techniken, die gar nicht erst verfügbar sind, sondern auch am schlichten Kunststoff im Innenraum, am unspezifischen, Faustkeil-artigen Karosseriedesign und an der links angeschlagenen Hecktür, deren Öffnungsmechanismus im rechten Rücklichtgehäuse verborgen ist.

Die hintere Tür ist überall dort notwendig, wo der Ecosport nach wie vor mit aufgesetztem Ersatzrad verkauft wird, denn niemand möchte dieses Extragewicht auf einer Heckklappe nach oben wuchten. Fehlt das Rad, wie jetzt serienmäßig bei den Europa-Modellen, bedeutet die Tür allerdings keinen Komfortgewinn, eher das Gegenteil. Denn sie schränkt die Zugänglichkeit des Kofferraums ein - etwa wenn sich die dicke Klappe in einer Parklücke kaum zwanzig Zentimeter weit öffnen lässt, ohne dem dahinter stehenden Auto eine Schramme zu verpassen.

Am Gepäckraum selbst gibt es nichts zu mäkeln. Die Ladekante ist niedrig und das Platzangebot, je nach Stellung der Rücksitzlehnen sind es zwischen 333 und 1238 Liter, entspricht dem Standard in dieser Fahrzeugklasse. Und wem der SUV-Knirps optisch zu belanglos ist, kann nach wie vor ein Ersatzrad auf dem Heck als rustikale Offroad-Anspielung bekommen. Typisch europäisch als Extra und für 200 Euro Aufpreis.