Mazda CX-9 im Test: Die Wagenburg - DER SPIEGEL
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Autogramm Mazda CX-9: Das dicke Ding

Foto: Mazda

Autogramm Mazda CX-9 Die Wagenburg

Mazdas SUV-Modelle CX-3 und CX-5 verkaufen sich in Europa wie geschnitten Brot. In den USA bietet der japanische Hersteller ab Juli den weitaus größeren CX-9 an. Das Dickschiff hält ein paar Überraschungen bereit.
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Der erste Eindruck: Dick und trotzdem schick. Mit dem CX-9 beweist Mazda, dass auch ein SUV von mehr als fünf Meter Länge schnittig gezeichnet werden kann und nicht so protzig aussehen muss wie ein Mercedes GLS oder so langweilig wie ein Audi Q7.

Das sagt der Hersteller: Vorerst gibt es den Mazda CX-9 ausschließlich in den USA. Bernhard Kaplan, der Chef von Mazda in Deutschland, ist daher ein bisschen neidisch auf seine US-Kollegen. Denn das schicke SUV-Dickschiff käme ihm als ebenso geräumiges wie vornehmes Modell an der Spitze des Portfolios ganz recht. "Der CX-9 ist ein hoch interessantes Auto, um das Mazda Angebot in Deutschland zu erweitern. Damit könnten wir einerseits neue Zielgruppen erschließen und andererseits die Marke stärken", sagt der Manager.

Kurzfristig wird der Wagen hierzulande also nicht verfügbar sein, aber Kaplan sagt, man diskutiere über mögliche Lösungen. Vielleicht hilft ein Blick in die Vergangenheit. Denn auch die erste CX-9-Generation aus dem Jahr 2006 schaffte irgendwann den Sprung als Kleinserie aus den USA nach Europa.

Das ist uns aufgefallen: Dickes Leder, weiche Kunststoffe, funkelnde Metallkonsolen, Zierleisten aus Rosenholz, brillante Anzeigen und statt der albernen Plexiglasscheibe hinter dem Lenkrad ein vollwertiges Head-up-Display mit direkter Projektion auf die Frontscheibe - obwohl zuletzt auch die kleineren Mazda-Modelle einen Sprung machten, wirken die kleineren Typen CX-3 oder Mazda 3 gegen den CX-9 wie Autos vom Discounter.

Zum ungewohnten Premium-Ambiente bietet der CX-9 zudem Platzverhältnisse, von denen Mazda-Kunden in Europa seit dem Ende der Großraumlimousine Mazda 5 nur noch träumen können. In der ersten Reihe thront man wie in einer aufgebockten Luxuslimousine, in der zweiten Reihe sind Kopf- und Kniefreiheit immer noch immens. Zur Not kann man im CX-9 auch zu siebt verreisen - selbst wenn die Klappsitze in der dritten Reihe erst nach einer Kletterpartie erreichbar sind. Wenn man die Sitze im Fond allesamt einfaltet und im Wagenboden versinken lässt, entsteht ein Stauraum mit mehr als 2000 Liter Volumen. Mehr Gepäck schluckt kein anderer Mazda.

Mazda CX-9 im Video

Tom Grünweg

Mit dem großen Format einher geht eine gewisse Gelassenheit, die den europäischen Mazda-Modellen eher fremd ist. Während für die hiesigen Märkte eine verbindliche Fahrwerksabstimmung und scharfe Lenkungen angeboten werden, ist der CX-9 ein gemütlicher Meilenfresser, mit dem man ruhig und entspannt über den Highway cruist. Bevor die Fünf-Meter-Fuhre auch auf einer kurvigen Landstraße so richtig Spaß macht, müsste das Fahrwerk allerdings neu abgestimmt werden.

Das muss man wissen: Das Konzept des großen SUV mag den Europäern antiquiert erscheinen, doch der CX-9 ist unter diesen Sauriern ein vergleichsweise modernes Auto. Erstens steht er auf einer neuen Plattform, die im Vergleich zur vorherigen vor allem aufgrund eines neuen, intelligenten und variablen Allradantriebs gut zwei Zentner abgespeckt hat. Und zweitens folgt er der dem Downsizing-Trend und opfert den bisherigen 3,7-Liter-V6-Motor einem 2,5-Liter-Vierzylinder-Turbomotor. Trotz des Hubraumrückgangs steigt die Leistung auf 250 PS, das Drehmoment gipfelt bei soliden 420 Nm, und der Verbrauch gehe gegenüber dem V6-Motor um 20 Prozent zurück, sagt Mazda.

Das Turbokonzept wurde, typisch für Mazda, für den neuen Motor etwas weiter entwickelt. Das Aggregat hat mit 10,5:1 nicht nur eine ungewöhnlich hohe Verdichtung und verfügt über eine gekühlte Abgasrückführung, sondern es gibt auch einen neuartigen Turbo, dessen Ladedruck mit der Motordrehzahl variiert werden kann.

Dafür wird das Abgas bei niedrigen Drehzahlen durch kleinere Öffnungen zur Turbine geführt. So, als würde man die Öffnung eines Gartenschlauches zum Teil mit dem Daumen verschließen, erreicht man durch den kleineren Auslass einen höheren Druck. Deshalb spricht der Turbo laut Mazda bei niedrigen Drehzahlen um bis zu 25 Prozent schneller an, ein Turboloch ist kaum mehr spürbar, und der Motor arbeitet insgesamt effizienter. Es heißt, die Maschine weiche beim Alltagsverbrauch deutlich weniger von den Prüfstandswerten ab als herkömmliche Turbo-Benziner. Dumm nur, dass es zumindest nach der europäischen Norm noch gar keine Werte gibt.

Sollte der CX-9 tatsächlich in Europa angeboten werden, wird der US-Preis von 31.520 Dollar natürlich nicht zu halten sein. Interessenten hierzulande müssten wohl eher mit 45.000 oder gar 50.000 Euro rechnen.

Das werden wir nicht vergessen: Außen schicker als die meisten großen Konkurrenten und innen nobler als jeder andere Mazda - schon damit ist der CX-9 eine gelungene Überraschung. Aber was einem beim Fahren besonders auffällt, ist, wie leicht und handlich das große US-Modell zu bewegen ist. Die Servo-Unterstützung ist groß, der Wendekreis klein, weswegen sich das Dickschiff mit dem kleinen Finger durch amerikanische Großraumparkhäuser dirigieren lässt. Das würde auch in europäischen Altstädten funktionieren.

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