Autogramm Ssangyong XLV: Es gibt Verlängerung
Autogramm Ssangyong XLV Der große Unbekannte
Der erste Eindruck: Der Ssangyong XLV ist ein Rätsel auf Rädern. Der Bug ist glatt wie bei einem Elektroauto und das Markenzeichen sieht aus wie ein Hirschgeweih - es soll aber zwei Drachen darstellen.
Das sagt der Hersteller: Ulrich Mehling ist Chef von Ssangyong in Deutschland und damit der oberste Manager einer Nischenmarke. 2700 ihrer Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr hierzulande abgesetzt, erfolgreichstes Modell dabei war der neue SUV Tivoli. 210 Ssangyong-Händler sind gegenwärtig in Deutschland aktiv - ähnlich viele Stützpunkte haben zum Beispiel auch Jeep oder Land Rover. "Und niemand würde behaupten, diese Marken seien unterrepräsentiert", sagt Mehling.
In diesem Jahr soll Ssangyong weiter zulegen, dank des neuen SUV XLV soll die Verkaufszahl auf 4000 Autos gesteigert werden. Auch die Zentrale in Seoul hat ambitionierte Wachstumspläne. Der verglichen mit Hyundai, Kia und Samsung kleinste, aber älteste koreanische Autohersteller will die Produktion mittelfristig von aktuell 150.000 auf 250.000 Fahrzeuge pro Jahr steigern
Das ist uns aufgefallen: Schlicht, schnörkellos und irgendwie seriös - so buhlt der Ssangyong XLV um die Gunst der Familienväter. Während der kleinere Tivoli frech und farbig auftritt, hie und da sogar auf Trendmobil macht und dadurch ein wenig heraussticht aus der Kompakt-SUV-Flut, taucht der XLV wieder brav ab in die graue Masse. Erst recht, wenn er weiß lackiert ist. Dabei haben die Koreaner gar nicht viel mehr gemacht, als den Wagen um 24 Zentimeter in die Länge zu ziehen und vor allem den Kofferraum zu vergrößern. Dabei ist das Heck allerdings so glatt geraten, dass es allzu beliebig wirkt.
Der XLV im Video
Innen sieht die Sache schon anders aus. Zwar wurde hier offensichtlich mit spitzer Feder kalkuliert, denn statt schicker Oberflächen gibt es reichlich Kunststoff. Doch dank einiger Tricks herrscht dennoch eine bunte, fröhliche Atmosphäre. So sind zum Beispiel die Schalter auf der Mittelkonsole einfach aus rotem statt aus grauem Kunststoff und sehen gleich viel freundlicher aus. Ebenso die Ziffernblätter von Tacho und Co. mit ihren farbigen Kringeln. Selbst die Gummibänder an den Rücklehnen der Vordersitze wirken pfiffiger als normale Einstecktaschen und dürften obendrein sogar noch billiger sein.
Anders als Modemarken wie Mini oder Smart kann Ssangyong allerdings nicht allein mit Pep punkten, sondern muss auch praktische Qualitäten bieten. Hier setzt der XLV an. Im Vergleich zum Tivoli wuchs der Kofferraum um 70 Prozent auf 720 Liter Fassungsvermögen. Außerdem gibt es einige paar praktische Halteschlaufen, Bänder und sogar eine konventionelle 220-Volt-Steckdose. Laden kann das Auto nun also auf zweierlei Arten. Während solche Details gut gelungen sind, unterlief den Entwicklern aber auch ein Patzer: Es gibt zwar einen doppelten Ladeboden für den Niveauausgleich zur Ladekante, aber links und rechts davon zwei tiefe Schächte, in denen mitunter Kleinkram verschwindet, nach dem man dann sucht. Das ist bei Konkurrenzmodellen wie dem Kia Sportage oder dem Toyota RAV-4 besser gelöst.
Das muss man wissen: Den Sprung von 4,20 (Tivoli) auf 4,44 Meter (XLV) lässt sich Ssangyong mit einem Aufschlag von 1500 Euro bezahlen. Wenn der neue Wagen - das Kürzel steht für eXciting smart Livestyle Vehicle - in diesen Tagen zu den Händlern kommt, kostet die billigste Variante 16.990 Euro.
Im Angebot sind zwei jeweils 1,6 Liter große Vierzylinder-Motorisierungen. Im Basismodell handelt es sich um einen Benziner mit 128 PS. Ab 19.490 Euro aufwärts gibt es dann einen Dieselmotor mit 115 PS. Beide Motoren bietet Ssangyong für exakt 4000 Euro Aufpreis auch mit Allrad- statt Frontantrieb an, und für weitere 2000 Euro extra gibt es eine sechsstufige Automatik anstelle des Handschaltgetriebes.
Wie das Auto überhaupt ist auch der Antrieb im besten Sinne unauffällig. Er macht seine Arbeit ohne Fehl und Tadel, aber auch ohne große Freude. 300 Nm Drehmoment reichen dem Selbstzünder für flottes Anfahren und Überholen, doch mit dem gemütlichen Motor und dem gutmütigen Fahrwerk bleibt der XLV zu nüchtern, als dass Fahren hier wirklich Spaß machen würde. Als Pragmatiker bewegt man diesen SUV, um anzukommen - und nicht um unterwegs zu sein.
Dabei ist der Aufenthalt an Bord durchaus angenehm. Dafür sorgen unter anderem klimatisierte Sitze, eine Lenkradheizung oder eine dreistufig einstellbare Servolenkung. Die Liste der Assistenzsysteme ist hingegen eher kurz. "Bislang", sagt Ssangyong-Sprecherin Ute Margetts. "Im Laufe des Jahres bringen wir Extras wie eine Spurführungshilfe sowie eine Abstandsregelung."
Das werden wir nicht vergessen: Am meisten wundert man sich bei diesem durchweg sachlichen Auto über den Zündschlüssel. Genauer, über dessen großes Format und dessen auffällig hohes Gewicht. Das fühlt sich nach Oberklasse an. Und ist damit buchstäblich ein Schlüsselerlebnis, mit dem der XLV durchaus sinnliche Qualitäten beweist.