Renault Scénic: Vierte Generation des kompakten Familien-Vans - DER SPIEGEL
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Autogramm Renault Scénic: Van schon, denn schon

Foto: Renault

Autogramm Renault Scénic Showtime

Kompaktvans sind nicht unbedingt Pulsbeschleuniger. Renaults Chefdesigner Laurens van den Acker würde das gerne ändern. Wie, das zeigt der neue Renault Scénic, der dick aufträgt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Wer tuned bitte einen Kompaktvan?

Das sagt der Hersteller: Renault-Designchef Laurens van den Acker nennt den neuen Scénic "ein Auto für Eltern, die noch immer verliebt sind". Nur weil der Nachwuchs an Bord sei, müsse ja nicht gleich das ganze Auto nüchtern sein, argumentiert der Niederländer. Uwe Hochgeschurtz, der in Deutschland das Renault-Geschäft verantwortet, hat einen weniger emotionalen Zugang zum Kompaktvan.

Er bezeichnet die seit nunmehr 20 Jahren und mehr als 500.000 verkauften Autos angebotene Baureihe als Verkaufsschlager der Marke. Insofern solle die neue Scénic-Generation die erfolgreiche Geschäftsentwicklung dieses Jahres weiter beflügeln - auch, weil Flottenkunden verstärkt ins Visier genommen werden sollen.

Das ist uns aufgefallen: Die großen Räder, die weit ausgestellten Kotflügel, die sehnige Chromspange unter den Türen - von außen zeigt der Renault Scénic Anklänge eines Offroaders. Drinnen jedoch gibt er ganz den Familienfreund - und in der mittlerweile vierten Kompaktvan-Generation tut er das höchst überzeugend. Der Platz für Kind und Kegel hat noch einmal zugenommen, die Fondsitze lassen sich noch weiter verschieben und einfacher umklappen, und die mehr als ein Dutzend Ablagen sind noch pfiffiger geworden.

So ist das Handschuhfach jetzt eine riesige Schublade und macht Schluss mit dem Gewühle in einer dunklen Höhle. Die Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen ist eine Art Hochregal, das sich auch in den Fond schieben lässt. So sind die dort untergebrachten Utensilien aus beiden Sitzreihen gut erreichbar, und als Raumteiler lässt sich das Teil auch einsetzen. Und in den Klapptischen an den Vordersitzlehnen sind nun spezielle Halterungen für den Tablet-Computer integriert.

Der Renault Scenic im Video

Tom Grünweg

Während der neue Scénic für die Fondpassagiere also in der Tradition der Vorgängermodelle steht, entdeckt man als Fahrer oder Beifahrer neue Werte. Denn vorne gibt es ein Wellness-Angebot mit Massagesitzen und Ambientebeleuchtung, das über den großen Touchscreen gesteuert wird. Der hochformatig gestaltete Monitor ist überdies der einzige dieser Art in dieser Fahrzeugklasse.

Das Fahren im Scénic wird fast schon zur Nebensache. Deshalb ist bei der Wahl des Antriebs wahrscheinlich der 130-PS-Diesel die beste, weil unauffälligste Option. Kultiviert und kraftvoll schnürt er gleichmütig dahin. Im Zusammenspiel mit einem soliden, aber komfortabel abgestimmten Fahrwerk und einer neutralen Lenkung fährt und fährt man dahin - bis man irgendwann feststellt, dass man schon am Ziel ist.

Das muss man wissen: Mit der vierten Generation ist der Scénic erneut ein bisschen gewachsen und bietet entsprechend mehr Platz. Jetzt 4,41 Meter lang (Radstand 2,73 Meter), fasst der Kofferraum schon bei voller Bestuhlung 506 Liter Gepäckvolumen. Lässt man die Rücksitzlehnen - zum Beispiel durch einen Fingertipp auf dem Touchscreen - umfallen, wächst das Ladevolumen auf 1554 Liter. Und wie immer kommt der Scénic nicht alleine, denn wenn der Van in den nächsten Wochen zu Preisen ab 19.990 Euro in den Handel geht, parkt an seiner Seite das Modell Grand Scénic. Das Auto ist um gut 20 Zentimeter länger, kostet 1300 Euro mehr, bietet optional eine dritte Sitzreihe und damit sieben Plätze und trumpft mit einem Kofferraum von 718 bis 1901 Liter auf.

Neben dem hier getesteten Diesel gibt es zwei weitere Selbstzünder mit 110 und 160 PS sowie zwei Benziner, die aus jeweils 1,2 Liter Hubraum 115 oder 130 PS holen. Noch in diesem Jahr wird Renault darüber hinaus erstmals ein Auto mit Hybridantrieb vorstellen - eben den neuen Scénic, bei dem ein elektrischer Starter-Generator mit 48-Volt-Technik den Spritverbrauch um 0,6 Liter pro 100 Kilometer senkt.

Das werden wir nicht vergessen: Vorne oder hinten? Bei den meisten Autos gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Sitzreihen. Doch dank der verschiebbaren Rückbank und der bequemen Sitze fühlt man sich im Scénic in beiden Reihen gleich wohl. Beim Ausblick jedoch gibt es, wie so oft, einen gravierenden Unterschied. Nach vorn genießt der Fahrer ein Panorama von cineastischer Breite, nach hinten erkennt er aufgrund riesiger Kopfstützen und einer winzigen Heckscheibe kaum etwas. Immerhin gibt es eine Rückfahrkamera.

Hersteller:Renault
Typ:Scénic dCi 130 (2016)
Karosserie:Van
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe:Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb:Front
Hubraum:1.598 ccm
Leistung PS:130 PS
Leistung kW:96 kW
Drehmoment:320 Nm
Von 0 auf 100:11,4 Sek.
Höchstgeschw.:194 km/h
Verbrauch (ECE):4,5 Liter
CO2-Ausstoß:116 g/km
Kofferraum:506 Liter
umgebaut:1.554 Liter
Gewicht:1.615 kg
Maße:4407 / 1866 / 1645
Preis:28.490 €