Mercedes E-Klasse All-Terrain: Kombi mit SUV-Anklängen - DER SPIEGEL
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Autogramm Mercedes E-Klasse All-Terrain: Der Kombi fürs Gröbere

Foto: Daimler

Autogramm Mercedes E-Klasse All-Terrain Form follows Funktionsjacke

Wer mit einem Geländewagen liebäugelt, sich aber nicht traut, kann nun Mercedes fahren: Der aufgebockte E-Klasse-Kombi All-Terrain ist sozusagen der sozialverträgliche SUV. Allerdings hat er zwei gravierende Nachteile.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Mit den Plastikplanken und etwas größeren Rädern sieht die neue All-Terrain-Variante der Mercedes E-Klasse so aus, als gehöre sie vor eine Berghütte, nicht auf einen Firmenparkplatz.

Das sagt der Hersteller: Mercedes-Produktmanager Claudius Steinhoff nennt die neue All-Terrain-Variante selbstbewusst "das Schweizer Messer unter den E-Klassen". Während die Limousine für Luxus und Reisekomfort stehe, das AMG-Modell für Sportlichkeit und der Kombi namens T-Modell für Praktikabilität, sei der All-Terrain genannte Geländekombi das Allroundtalent mit den vielseitigsten Einsatzmöglichkeiten. Außerdem trage er den Trend zum SUV in die Baureihe.

Was Steinhoff nicht sagt ist, warum Mercedes so lange brauchte, um erstmals einen Geländekombi anzubieten. Denn Konkurrenzfirmen wie Audi oder Volvo verkaufen schon seit dem Jahr 2000 Kombimodelle nach diesem Muster (Audi Allroad, Volvo Cross-Country) und verdienen sich eine goldene Nase damit. Apropos Konkurrenten: Bei BMW ist nach wie vor kein Touring-Modell mit Offroad-Optik in Sicht.

Das ist uns aufgefallen: Kennt man eine, kennt man alle. Während sich das All-Terrain-Modell von außen betrachtet einen eigenständigen Auftritt leistet, ist der Wagen innen eine E-Klasse wie jede andere. Es gibt also auch hier das faszinierende Cinemascope-Cockpit, die pfiffigen Blackberry-Tasten am Lenkrad, einen fürsorglichen Schwarm intelligenter Assistenzsysteme und jede Menge Platz für Kind und Kegel. Weniger erfreulich ist, dass es keinen Touchscreen gibt, dafür jedoch eine sehr lange Aufpreisliste.

Tom Grünweg

Ein Unterschied zu anderen E-Klasse-Typen taucht erst auf, wenn man an der kleinen Walze auf dem Mitteltunnel die Fahrmodi bis zum Ende durchschaltet und im "All-Terrain"-Modus landet. Dann spürt man bei langsamer Fahrt, wie die serienmäßige Luftfederung den Wagen um zwei Zentimeter nach oben hievt.

Danach fühlt sich das Auto ungefähr so an, als hätte man die feinen Salongleiter gegen ein paar Trekking-Schuhe getauscht. Der Allrad-Kombi fasst dann fester Tritt und marschiert plötzlich über Wege, die man einer E-Klasse gar nicht zugetraut hat. Und wenn man danach wieder auf den Asphalt wechselt, bleibt immer noch ein Tick mehr Fahrkomfort. Das liegt daran, dass das All-Terrain-Modell auf voluminösen Reifen vorfährt, die Unebenheiten besser wegdämpfen als die schmaleren Pneus der normalen E-Klasse.

Je häufiger man den All-Terrain zu Offroad-Ausflügen nutzt, desto sinnloser erscheinen SUV-Modelle wie etwa der Mercedes GLC. Bis man die beiden Autos mal etwas genauer anschaut und vergleicht. Dann nämlich wird man überrascht feststellten, dass der GLC nicht nur zehn Prozent billiger ist als das All-Terrain-Modell, sondern auch noch ein bisschen sparsamer - da sind sie, die beiden Nachteile. Und selbst mit voll ausgefahrener Luftfederung sitzt man im Geländekombi natürlich längst nicht so hoch wie im SUV. Deshalb ist der neue All-Terrain allenfalls eine Alternative zum SUV, aber sicher kein Ersatz dafür.

Das muss man wissen: Der Verkauf des E-Klasse T-Modells All-Terrain beginnt im März 2017. Und weil das Auto erst ab Januar bestellbar sein wird, teilt Mercedes jetzt noch keinen konkreten Preis mit. Es heißt lediglich, der Geländekombi solle nicht viel mehr kosten als ein konventionelles T-Modell mit Allradantrieb, Luftfederung und 19-Zoll-Rädern in der noblen Avantgarde-Ausstattung. Anders gesagt: 55.000 Euro Einstiegspreis für den All-Terrain sind eine solide Schätzung.

Bemerkenswert ist die Motorenpalette des All-Terrain-Modells. Ausgerechnet jetzt, da der Diesel an Rückhalt verliert, ist der Geländekombi der erste und einzige Mercedes, der ausschließlich mit Selbstzündern angeboten wird. Anfangs wird es den Wagen ausschließlich als E 220d geben, das heißt mit einem Vierzylinder mit 194 PS Leistung und 400 Nm Drehmoment. Diese Motorisierung ist durchaus eine vernünftige Wahl. Alternativ dazu gibt es ab Sommer noch einen 350d mit V6-Motor und 258 PS. Sollten Dieselmotoren irgendwann zu Ladenhütern werden, passen natürlich auch die Benziner aus dem E-Klasse-Portfolio in den All-Terrain-Motorraum.

Nach Limousine, Kombi und der Langversion für den chinesischen Markt ist das All-Terrain-Modell die vierte Spielart der E-Klasse-Baureihe und noch nicht die letzte: Auf der Motorshow im Januar in Detroit wird als nächste Variante das Coupé und im Laufe des Frühjahrs dann auch noch das Cabriolet vorgestellt.

Das werden wir nicht vergessen: Der Wagen verfügt zwar nur über drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit, doch wenn Steine groß wie Brotlaibe auf dem Weg liegen, die Schlaglöcher mehr als knöcheltief sind die Herbststürme ein paar armdicke Äste auf den Weg geworfen haben, dann machen Kleinigkeiten doch einen großen Unterschied. So lernt man: Es muss nicht immer SUV sein.

Hersteller:Mercdes
Typ:E 220d All-Terrain
Karosserie:Kombi
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe:Neungang-Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:1.950 ccm
Leistung PS:194 PS
Leistung kW:143 kW
Drehmoment:400 Nm
Von 0 auf 100:8 Sek.
Höchstgeschw.:232 km/h
Verbrauch (ECE):5,2 Liter
CO2-Ausstoß:137 g/km
Kofferraum:670 Liter
umgebaut:1.820 Liter
Gewicht:1.920 kg
Maße:4947 / 1861 / 1497
Preis:55.000 €