Audi Q5 Der goldene Schnitt
Audi Q5: Der Kompakt-SUV ist ein gelungenes Auto, das jedoch recht teuer ist
Wohin die Gattung der SUV genannten, höher gelegten Allradautos treibt, weiß keiner so genau. Rosig sieht deren Zukunft jedenfalls nicht aus, denn der Sprit wird nicht billiger und die Klimaproblematik nicht kleiner. Mithin werden die Argumente für Autos, die groß, schwer, durstig und antriebstechnisch eindeutig überfrachtet sind immer brüchiger. Die Reaktion der Hersteller darauf ist das Prinzip Downsizing. Nachdem sich zum Beispiel Audi mit dem 5,10-Meter-Trumm Q7 im Lager der so genannten Premium-SUVs ausgetobt hat, folgte vor knapp einem Jahr der moderater dimensionierte Q5 - und ein nochmals kleinerer Q3 soll ab 2011 gebaut werden.
Bis es soweit ist, firmiert also der Q5 als kleinster SUV der Marke aus Ingolstadt - und er tut dies sehr überzeugend. Auch wenn man kein Geländewagen-Freund ist, so muss man doch konstatieren, dass den Audi-Designern und -Entwicklern mit dem Q5 ein Auto gelungen ist, das gerade die richtige Größe hat. Fünf Leute passen bequem rein, der Kofferraum schluckt auf die Schnelle einen Kinderwagen (oder auch: diverse Golftaschen, Getränkekisten, Urlaubskoffer) und nach einer Runde um den Wagen ist klar: Dieses Modell wirkt aus keiner Perspektive klobig, aufdringlich oder peinlich.
Die Proportionen stimmen, die Überhänge sind kurz, die Linien und Flächen klar und schnörkellos. Die Scheinwerfer vorn und hinten haben den inzwischen Audi-typischen, leicht aggressiven Schwung, der vermutlich irgendwelche Assoziationen zu Raubvogel- oder Reptilienaugen wecken soll, im Gesamtbild aber ganz gut wirkt. Die gewisse Geschmeidigkeit, die der Wagen trotz seiner Größe hat, führt zum in diesem Pkw-Segment respektablen cW-Wert von 0,33.
Unser Testmodell war mit dem kleineren der beiden verfügbaren Dieselmotoren ausgerüstet, dem 2-Liter-TDI. Den gibt es in den Varianten mit 143 und 170 PS, letztere steckte im Motorraum des Testwagens. Der Eindruck nach mehreren hundert Kilometern: mehr braucht man nicht. Die Maschine kommt überraschend gut mit dem 1,7-Tonner zurecht und entpuppte sich als überaus harmonischer Antrieb: leiste, kraftvoll, präsent.
6,7 Liter gibt Audi als offiziellen Verbrauchswert für den Allradler in der Version mit Sechsgang-Schaltgetriebe an. Das klingt erstmal prima für ein Auto dieses Kalibers, doch wie immer wird der offizielle Wert umso mehr zur Makulatur, je mehr man die Möglichkeiten der Maschine auch tatsächlich ausschöpft. Will heißen: Wer den Q5 mit dem 2-Liter-TDI flott bewegt, darf sich über üppigen Verbrauch nicht wundern. Neun Liter und mehr sind bei zügiger Fahrt durchaus normal; wer sich um Zurückhaltung bemüht, landet bei 8,6 Litern im Schnitt - so erging es jedenfalls uns.
Stilvoller und praktischer Innenraum, reger Zuspruch
Der Ärger über die fortgesetzte Diskrepanz zwischen Theorie- und Praxisverbrauch legt sich allerdings im Q5 besonders rasch, denn der Innenraum ist beinahe vorbildlich eingerichtet. Oberflächen, Anordnung der Bedienelemente, Grafik der Anzeigen, Größe der Ablagen und viele andere Dinge, die einem nur auffallen, wenn sie nicht gelungen sind, passen hier zueinander wie der Ölfleck auf die Latzhose. Der Gedanke, man sitze in einem eher robust-rustikalen Geländewagen kommt gar nicht erst auf. Der Q5 ist quasi eine Limousine, die ein Kissen unterm Hintern hat. Hier der Beweis: Der Höhenunterschied der Fahrersitzflächen zwischen Audi A4 und Audi Q5 beträgt lediglich fünf Zentimeter.
Die Kunden scheinen genau dies zu goutieren. Unter den Geländewagen in Deutschland liegt der Q5 auf der Beliebtheitsskala derzeit auf Platz 2. Hinter dem Konzern-Konkurrenten VW Tiguan, aber deutlich vor den Hauptwettbewerbern BMW X3 und Mercedes GLK - sofern man die bisherige Neuzulassungsstatistik 2009 des Kraftfahrt-Bundesamts zugrunde legt. Konkret: Zwischen Januar und Juli wurden hierzulande 13.043 Audi Q5 angemeldet; der VW Tiguan ist mit 28.644 Neuanmeldungen enteilt, BMW X3 (7810) und Mercedes GLK (7986) hecheln hinterher.
Audi feiert mit dem Q5 ein Aufpreis-Festival
Das ist schön für Audi, zumal das Auto offenbar ordentlich Geld in die Kasse spült. 38.800 Euro kostet der Q5 2.0 TDI in der Basisausstattung. Unser Testwagen jedoch kam auf einen Endpreis von 54.654,98 Euro. Das lag unter anderem am Perleffektlack (647 Euro Aufpreis), am Feinnappa-Leder (2478 Euro), am Navigationssystem (2361 Euro), an der Einparkhilfe (647 Euro), an Licht- und Regensensor (113 Euro) sowie den übertrieben großen 20-Zoll-Felgen (1806 Euro), die statt der serienmäßigen 17-Zöller die Radhäuser füllten.
All dies im Hinterkopf, ist es schon mehr als kokett, beim Audi Q5 noch von einem Kompakt-SUV zu sprechen. Doch das Thema dürfte sich langfristig ohnehin erledigen, denn wenn einerseits kleinere Modelle dieser Art nachgeschoben werden, andererseits jedoch die noch größeren Typen irgendwann aussterben, dann wird plötzlich ein Auto wie der Q5 zum Maß der Audi-Allrad-Dinge.