BMW 3er Touring: Kombi-Variante des 3er im Test - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
SPIEGEL ONLINE

Autogramm BMW 3er Touring Lebe deinen Raum

Autofahrer gieren nach SUV, doch siehe da: Beim 3er Touring zeigt BMW, dass der gute alte Kombi den Stadtpanzern in mancher Hinsicht klar überlegen ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Achtung, der kommt flach daher. Gemessen an den protzigen SUV-Modellen der X-Reihe wirkt der BMW 3er Touring filigran.

Das sagt der Hersteller: Es muss nicht immer SUV sein, findet Projektleiterin Elke Sonak. Dem Geländewagen-Boom zum Trotz verkauft sich der 3er-Kombi sehr gut - selbst wenn er in den USA künftig nicht mehr angeboten wird und in China noch nie auf dem Markt war. Das Touring-Modell ist eine regionale Erscheinung. Doch dort, wo es angeboten wird, kommt es auf erkleckliche Verkaufsanteile: In Italien entscheiden sich 25 Prozent, in Deutschland 66 Prozent und in Großbritannien sogar 75 Prozent der BMW-3er-Kunden für den Kombi, sagt Sonak. Von der fünften Generation des Modells - die nun abgelöst wird - wurden insgesamt rund 500.000 Exemplare verkauft.

Fotostrecke

Autogramm BMW 3er Touring: Tief stapeln, hoch gewinnen

Foto: BMW

Das ist uns aufgefallen: Das U in SUV steht für "Utility", also Nützlichkeit. Viel nützlicher ist aber oft ein Kombi - wie der 3er Touring, auch im Vergleich mit dem X3. Mag sein, dass der Laderaum des Touring 50 Liter weniger fasst als der des SUV. Aber dank der separat zu öffnenden Heckscheibe und der elektrischen Klappe lässt sich der um fünf auf 500 Liter gewachsene Kofferraum viel besser beladen. Zumal er jetzt elf Zentimeter breiter geworden ist. So passt hinten eine Reisetasche mehr rein.

Der Raum lässt sich einfach aufteilen und erweitern. Erstmals klappt die dreigeteilte Rücksitzlehne elektrisch um. Laderaumabdeckung und Trennnetz passen exakt in ein Fach unterm Ladeboden. An so etwas merkt man, dass die Bayern schon Kombis gebaut haben, als von SUV noch gar keine Rede war.

Projektleiterin Sonak hat sich trotzdem manches von den X-Modellen abgeschaut. Dazu gehören die Antirutschschienen im Ladeboden - das vielleicht coolste Gadget des neuen Touring. Sie heben sich beim Fahren um wenige Millimeter an und hindern so Koffer oder Kisten am Verrutschen.

Hintenrum spielt der Touring seine Stärken also voll aus - von vorn betrachtet unterscheidet er sich kaum von der Limousine. Auch das Ambiente mit Digitalcockpit, Touchscreen und elektronischem Co-Piloten, die Ausstattung mit allen bei BMW verfügbaren Assistenzsystemen und die sechs Motorisierungen von 150 bis 374 PS Leistung sind identisch. Auch als Touring ist der 3er das Mittelklasseauto, das sich am engagiertesten über die Straße treiben lässt, sieht man von Kraftprotzherstellern wie AMG und Co. einmal ab.

Besonders sportlich fährt sich der 3er mit dem drei Liter großen Sechszylinder-Diesel, wie im Testwagen verbaut. Mit 265 PS Leistung und 580 Nm Drehmoment kommt er in 5,4 Sekunden auf Tempo 100 und mühelos ans Limit von 250 km/h. Doch der 3er kann auch ganz entspannt und leise.

Etwas Hübsches haben sich die BMW-Elektroniker ausgedacht: Mit der Dashcam - die eigentlich Beweise bei Unfällen sichern soll - lassen sich auch Erinnerungsvideos drehen. Vier Kameras (auf jeder Seite eine) filmen ein paar Sekunden lang ein kleines Roadmovie, das sich mit Freunden übers Internet teilen lässt.

Das muss man wissen: Der 3er Touring kommt Ende September in den Handel und kostet mindestens 39.400 Euro. Den Aufpreis zur Limousine beziffert Projektleiterin Sonak je nach Motorvariante auf 1300 bis 1550 Euro. Grundmodell ist der 318d mit 150 PS, darüber gibt es einen 320d mit 190 und den getesteten 330d mit 265 PS. Für die Benzinfraktion hat BMW zunächst einen 320i mit 184, einen 330i mit 258 und einen M340i mit 374 PS parat. Erst im nächsten Jahr gibt es den Touring auch als Plug-in-Hybridmodell. In ihm kombiniert BMW den 184-PS-Benziner mit einer E-Maschine (113 PS) in der Achtgang-Automatik. Strom für 66 Kilometer liefert ein Lithium-Ionen-Akku, der im Heck sitzt. Diese Platzierung wird allerdings 100 Liter Stauraum im Kofferraum kosten, räumt BMW ein.

Wer sich für den Touring als Alternative zum X3 entscheidet, spart bei vergleichbarer Motorisierung 2250 Euro beim Kauf. Der Kombi verbraucht zudem 0,5 Liter weniger Sprit auf 100 Kilometern. Geschuldet ist das dem besseren cW-Wert und 75 Kilo weniger Masse. Allradantrieb gibt es gegen Aufpreis auch für den Kombi, zumindest für die stärkeren Varianten.

Das werden wir nicht vergessen: Elektrisch umklappbare Sitze, Ablageboxen für die Rollos und die pfiffigen Antirutschschienen - das bieten SUV zwar auch. Doch wer beim Beladen des Kombi das Gepäck nur halb so hoch stemmen muss wie bei einem SUV, erkennt im Touring das bessere Transportauto.

Hersteller:BMW
Typ:330d xDrive Touring
Karosserie:Kombi
Motor:Sechszylinder-Diesel
Getriebe:Achtgang-Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:2.993 ccm
Leistung PS:265 PS
Leistung kW:195 kW
Drehmoment:580 Nm
Von 0 auf 100:5,4 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):5,4 Liter
CO2-Ausstoß:140 g/km
Kofferraum:500 Liter
umgebaut:1.510 Liter
Gewicht:1.820 kg
Maße:4709 / 1827 / 1440
Preis:53.250 €