BMW 3er Wie auf einem Laserstrahl
Die 3er Baureihe ist das wichtigste Produkt der Münchner, denn die Fahrzeuge der unteren Mittelklasse sind die Bestseller des Modellprogramms, prägen maßgeblich das sportliche Image der Marke und bilden - bis der kleine 1er BMW in drei bis vier Jahren auf den Markt kommt - die Einstiegspalette für jüngere Kunden. Insgesamt fünf verschiedene Karosserietypen gehören der Baureihe an. Der Dreitürer Compact wurde erst im Frühjahr vorgestellt. Nun unterzog BMW die Modelle Limousine, Kombi (Touring), Coupé und Cabriolet einer Renovierung. Bei allen vier Varianten wurde das Fahrwerk neu abgestimmt.
Von den Ingenieuren in München hört man, dass es Kundenkritik wegen zu komfortabler Auslegung von Federung und Dämpfung gegeben habe. So etwas darf sich BMW natürlich nicht vorwerfen lassen, wo sich doch die Münchner als Speerspitze des sportlichen Automobilbaus sehen. Nun also dämpft und federt der 3er straffer, und die Lenkung wurde direkter abgestimmt. Durch die Fahrwerksveränderungen sei das Auto "extrem kurvengierig auf der Landstraße", heißt es bei BMW und bewege sich auf der Autobahn "wie von einem Laserstrahl geführt". Möglicherweise erhöht sich damit das Risiko von 3er Piloten, in einen Radarstrahl zu gelangen.
Ausreichend Leistungspotenzial ist jedenfalls in allen Motorvarianten der Baureihe vorhanden. Neu unter der Haube der 3er Modelle sind ein Benzin- und zwei Dieselaggregate. Beim Ottomotor handelt es sich um einen Zweiliter-Vierzylinder mit 143 PS (105 kW) mit dem Valvetronic-System, bei dem die Drosselklappe durch stufenlos verstellbare Einlassventile ersetzt wird. Das Ergebnis der aufwendigen Mechanik ist eine höhere Leistung bei verringertem Verbrauch: Im Schnitt schluckt die neue Maschine 7,2 Liter Superbenzin je 100 Kilometer.
Die Fahrdaten: 218 km/h Höchstgeschwindigkeit und ein Beschleunigungsvermögen von 9,3 Sekunden beim Spurt von 0 auf Tempo 100. Diese Maschine wird ab sofort in allen vier Karosserievarianten (Bezeichnung 318i oder 318 Ci) angeboten. Bei den anderen Motorneuheiten handelt es sich um Dieselaggregate. Der neue Zweiliter-Commonrail-Diesel leistet 150 PS (110 kW), verbraucht im Schnitt 5,5 Liter auf 100 Kilometer und macht eine Höchstgeschwindigkeit von 216 km/h möglich. Eine neue Motorsteuerung, ein Schnellglühsystem und zwei Ausgleichswellen sollen das Aggregat besonders agil und zugleich laufruhig machen, verspricht BMW für die Modelle 320d.
Als neues Einstiegsmodell in die 3er Dieselklasse gilt ab sofort der 318d, dessen nur leicht überarbeiteter Direkteinspritzer nun 115 PS (85 kW) leistet und dessen Durchschnittsverbrauch laut Werksangabe bei 5,6 Liter liegt.
Eine andere technische Neuerung betrifft die hochmotorisierten Modelle der Baureihe, nämlich den 325i und 330i als Limousine oder Coupé. Für diese Autos bietet BMW erstmals ein sequenzielles manuelles Getriebe, kurz SMG, an. Was man sich darunter vorzustellen hat? Es handelt sich um das übliche Fünfgang-Schaltgetriebe, das mit einer automatischen Kupplung gekoppelt wird. Der Fahrer darf zwar weiterhin per "Paddles" am Lenkrad oder wie gewohnt per Schaltknüppel die Gänge wechseln, das Treten des Kupplungspedals aber bleibt ihm erspart, weil es keines mehr gibt.
"Kuppeln bringt keinen Lustgewinn", begründet BMW-Sprecher Friedbert Holz den Einsatz des SMG. Gedacht sei das Getriebe für "betont sportliche Fahrer", die eine Formel-1-Illusion in ihrem Privatwagen wünschen und bereit sind, 2835 Mark extra auszugeben. Diese Klientel kann nun mit lässigem Schaltwippen auf dem "Laserstrahl"-Fahrwerk über die Autobahn brettern. Das gute, alte Automatikgetriebe, mit dem SMG nichts zu tun hat, wurde für die Vierzylinder-Benziner von vier auf fünf Gangstufen erweitert und kostet nun 3520 Mark Aufpreis.
Dass es sich um einen 3er der überarbeiteten Sorte handelt, lässt sich nur bei Limousine und Touring von außen bestimmen, denn Cabrio und Coupé blieben optisch unverändert. Die anderen beiden Karosserietypen aber bekamen weicher geschnittene Frontscheinwerfer und neue, Golfball-große Nebelleuchten im Stoßfänger. Am Heck wurden die Rücklichter neu gestaltet, so dass sie jetzt wie kleine Österreich-Fahnen aussehen: rot-weiß-rot. Grundsätzlich gönnt BMW sämtlichen neuen 3er Modellen ab sofort eine Klimaanlage ab Werk und das Fahrstabilitätssystem DSC. Solche Großzügigkeit hat ihren Preis. Ab 1. September kostet der Einstieg in die 3er Baureihe 49.189 Mark - dafür gibt es dann die Limousine 318i oder 318d.