Autogramm BMW 530e: Bitte nicht Drängeln
Autogramm BMW 530e Der grüne Schein
Der erste Eindruck: Der 5er macht blau - die blau eingefärbten Lamellen in der BMW-Niere sind das einzige äußerlich auffällige Merkmal, an dem man den Teilzeitstromer erkennen kann.
Autogramm BMW 530e: Bitte nicht Drängeln
Das sagt der Hersteller: "Das Beste aus zwei Welten" - so schwärmt Projektleiter Steffen Löschner vom BMW 530e. Schließlich könne man mit dem Auto ohne lokale Emissionen durch Ballungsräume stromern und vor den Toren der Stadt den traditionellen Punch auf der Überholspur erleben, was bei einem BMW ja immer wichtig ist. Löschner mangelt es nicht an Selbstbewusstsein: BMW wolle die führende Elektromarke im sogenannten Premium-Segment werden und müsse deshalb entsprechend Tempo machen. "Schon heute haben wir mit fünf Modellen vom 2er bis zum 7er das breiteste Angebot in unserer Liga", sagt Löschner.
Das ist uns aufgefallen: Mit 83 kW Leistung und 250 Nm Drehmoment ist der Elektromotor so stark, dass man tatsächlich über lange Strecken stromern kann. Durfte früher das Pedal nur gestreichelt werden, um den Verbrenner nicht zu wecken, bleibt der Benziner jetzt sogar bei beherztem Tritt aufs Pedal still. Der E-Motor deckt, entsprechende Energievorräte im Akku vorausgesetzt, bis zu 90 km/h im Mischbetrieb die Beschleunigung ab, Ampelsprints oder Zwischenspurts inklusive. Entscheidet man sich bewusst für den E-Modus, wird der Verbrenner sogar bis zu einer Geschwindigkeit von 140 Km/h unterdrückt.
Was auf den ersten Blick toll wirkt, unterstreicht bei genauer Kenntnis der Materie den Feigenblatt-Charakter des Autos. In puncto Effizienz wäre es klüger, den Verbrenner öfter einzuschalten, in den Drehzahlbereich des besten Wirkungsgrads hineinlaufen zu lassen und überschüssige Energie in den Akku zu speisen. Toyota verfolgt dieses Konzept bislang am konsequentesten und nimmt dafür sogar den Unmut der Kunden über den aufjaulenden Motor in Kauf.
Trotzdem hat der Wagen einen gewissen therapeutischen Effekt: Während man in Autos von BMW mitunter verbissen hinter dem Lenkrad kauert, fällt im Elektrobetrieb mit jedem Kilometer mehr Spannung vom Fahrer ab. Cruisen statt Karacho ist das Motto. Auch weil der 184 PS starke Vierzylinder so rau und kratzig klingt, wenn er in die Stille des Stromers platzt. Dabei kommt einem der Benzinmotor in den normalen Modellen, also ohne den direkten elektrischen Vergleich, immer ausgesprochen kultiviert vor.
Für die Umwelt darf man sich von dem Auto nicht zu viel erhoffen: Viel mehr als 30, vielleicht 35 Kilometer werden sich kaum aus dem Akku quetschen lassen, und wer im E-Modus auf einer leere Autobahn fährt, kann der Batterieanzeige beim Fallen zuschauen. Nach 120 Kilometern Berg- und Talbahn in den Alpen, ein bisschen Stadtverkehr und einem flotten Stück Autobahn war dem ziemlich überladen konzipierten Infotainment-System ein Durchschnittsverbrauch von 6,9 Liter je 100 Kilometer zu entlocken. Ein deutlicheren Hinweis, warum BMW den Wagen baut, gibt es eigentlich nicht: Die 1,9 Liter Normverbrauch sind selbstverständlich und offenkundig nur NEFZ-Theorie- aber ein Segen für den Flottenverbrauch.
Das muss man wissen: Der BMW 530e kommt in den nächsten Tagen in den Handel und kostet 52.600 Euro. Das sind knapp 3000 Euro mehr als BMW für den gleich starken 530i verlangt, und ein paar Hunderter weniger als für den 530d mit vergleichbarer Leistung.
Im Plug-in-Hybridmodell arbeiten ein zwei Liter großer Vierzylinder mit 184 PS, dazu sitzt im Getriebegehäuse eine E-Maschine mit einer Leistung von 113 PS und im Heck ein Lithium-Ionen-Akku, der eine Kapazität von 9,2 kWh bietet. Der Akku ist zwar platzsparend unter der Rückbank untergebracht, der Kofferraum büßt aber dennoch rund 25 Prozent des Volumens ein: Statt 530 fasst der 530e nur noch 410 Liter. Die Batterie hat an der Haushaltssteckdose eine Ladezeit von etwa viereinhalb Stunden, mit einer Wallbox dauert es drei Stunden.
Der 530e ist nicht die einzige Neuheit in der 5er-Reihe: Am anderen Ende des Angebots wird parallel der M550i lanciert, mit dem der Werkstuner M GmbH die Kundschaft zu einem Preis von 82.700 Euro schon mal auf die nächste Generation des M5 einstimmt. Als einziger Achtzylinder im aktuellen 5er-Portfolio holt der Wagen aus 4,4 Litern Hubraum 462 PS und macht die Sparbemühungen des Plug-in-Hybriden gleich wieder zunichte. Denn auch wenn der M550i für seine Leistungsklasse noch sparsam ist, versaut er mit einem Normwert von 8,9 Litern der Modellreihe den Schnitt.
Das werden wir nicht vergessen: Einparken, aussteigen - fertig. Während man bei anderen Plug-in-Modellen erst Kabel ziehen und Stecker stöpseln muss, verwöhnt der 5er den verantwortungsbewussten Vielfahrer erstmals mit einem induktiven Ladesystem, mit dem sich der Akku dank zweier Metallplatten - einer am Wagenboden, einer auf dem Stellplatz - wie von selbst wieder füllt.
Die Technik könnte den Alltag mit einem Elektroauto deutlich vereinfachen. Dummerweise funktioniert das bislang nur bei einem Prototypen und bis das System, selbstverständlich als Option und gegen Aufpreis, den Weg ins Serienangebot findet, werde es noch ein Jahr dauern, heißt es bei BMW. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, mit dem Debüt des ganzen Autos noch so lange zu warten.
| Hersteller: | BMW |
|---|---|
| Typ: | 530e |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo |
| Getriebe: | Achtgang-Automatik |
| Antrieb: | Heck |
| Hubraum: | 1.998 ccm |
| Leistung PS: | 184 PS |
| Leistung kW: | 135 kW |
| Leistung PS (E-Motor): | 113 PS |
| Leistung kW (E-Motor): | 83 kW |
| Drehmoment (E-Motor): | 250 Nm |
| Von 0 auf 100: | 6,2 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 235 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 1,9 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 44 g/km |
| Kofferraum: | 410 Liter |
| Gewicht: | 1.770 kg |
| Maße: | 4936 / 1868 /1483 |
| Versicherung (HP): | 17 € |
| Versicherung (TK): | 28 € |
| Versicherung (VK): | 26 € |
| Preis: | 52.600 € |