Chrysler-Studien Retro und Remake
Neben dem zweisitzigen Sportcoupé Crossfire zeigte die angeschlagene Tochter des DaimlerChrysler-Konzerns auf der Detroiter Autoschau zwei weitere Konzeptstudien, mit denen die Amerikaner die großen Zeiten der Vergangenheit beschwören wollen.
Mit dem Dodge Super8 Hemi feiert Chrysler die "Wiedergeburt der amerikanischen Limousine". Das kantig-protzige Ungetüm mit Lkw-ähnlicher Front sowie betont hoher Fahrgastzelle fährt auf rund 1,6 Meter breiter Spur und mit knapp drei Meter Radstand. Der Retro-Look entsteht durch die stark gebogene Frontscheibe, die entgegengesetzt laufende A-Säule und die heckflossenartigen Rückleuchten.
"Der Dodge Super8 Hemi verkörpert amerikanische Kultur und amerikanischen Optimismus", so Chryslers Design-Stratege Freeman Thomas, der das Designteam leitete. Auch im Innenraum glaubt man sich in die ausladenden Ami-Schlitten der fünfziger Jahre mit deren verschwenderischem Platzangebot versetzt.
Das aufwändige Armaturenbrett, rund geformte Instrumente sowie ein großes Lenkrad unterstützen den Effekt. Die nostalgisch anmutenden Sitzbänke sind vorn wie hinten durchgehend und lassen sich auf Schienen verschieben. "Ich habe Designelemente nicht nur von den Autos der Fifties geborgt", sagt Interieur-Designer Chris Cehrgovsky, "sondern auch von anderen typischen Dingen dieser Zeit, wie etwa Musikboxen und der Einrichtung der Roadside-Cafés."
Das Ganze hat Chrysler selbstverständlich mit modernen Zutaten veredelt. Neben den vielen Aluminium-Applikationen besitzt der Dodge Super8 Hemi ein Infotronic-System, mit dem der Fahrer sprachgesteuert oder per Befehlseingabe auf Navigationssystem, Audio- und Klimaanlage sowie aktuelle Wetter- und Verkehrsberichte aus dem Internet zugreifen kann.
Von den übrigen Plätzen aus können E-Mails verschickt und empfangen werden sowie Haus-und Bürogeräte via Internet bedient werden. Multimediale Funktionen ermöglicht auch das Satelliten-Radio, mit dem digitale Audio- und Videodateien aus dem heimischen Computer drahtlos übertragen werden könnnen, während das Fahrzeug parkt.
Ebenso rückwärtsgewandt wie manche Designelemente erscheint der Antrieb: Ein V8-Motor mit 5,7 Liter Hubraum und rund 353 PS bringt die klobige Karosse über ein Viergang-Automatikgetriebe auf Touren. Damit spurtet der Dodge Super8 Hemi in weniger als sechs Sekunden an die Hundertermarke und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h.
Eine Kombination aus Tradition und moderner Technologie steckt auch in der Konzeptstudie Jeep Willys, einem Remake des legendären Militärfahrzeugs aus den Vierzigern. Im Gegensatz zu dem Urahn aus dem Zweiten Weltkrieg jedoch besteht die Karosserie des Concept-Cars nahezu komplett aus Spritzguss-Kunststoffteilen und Karbonfaser. Das erlaubt den Ingenieuren, die Außenhaut des Jeep Willys in einem Stück zu gießen und fest auf einen Aluminium-Rahmen zu ziehen.
Ob das nun so viel besser aussieht oder nicht, ist Geschmacksfrage. In jedem Fall ist das Auto zu hundert Prozent recyclebar und mit seinem Markenzeichen, dem Kühlergrill mit seinen sieben aufrechten Schlitzen zwischen den betonten Kotflügeln, als Jeep gut zu erkennen. "Die Gebrauchstauglichkeit, Robustheit und Anpassungsfähigkeit des Jeep Willys wurden mit Blick auf ökologische Harmonie mit der Natur entwickelt", blümelt Chryslers Chef-Designer Trevor Creed.
Um aber auch mit deren Unbillen klar zu kommen, verfügt der Jeep Willys über permanenten Vierradantrieb inklusive einer während der Fahrt zuschaltbaren Geländeuntersetzung. Ein Vierzylinder-Motor mit 1,6 Liter Hubraum und 160 PS bringt die groß dimensionierten 22-Zoll-Räder mit 235er Reifen ins Rollen.