Autogramm Citroën C4 Cactus: Mal was Neues
Autogramm Citroën C4 Cactus Es geht auch einfach
Der erste Eindruck: Für einen Kleinwagen zu bullig, für einen Geländewagen zu zierlich und für einen Van nicht hoch genug. Und dann dieses schräge Coupé-Heck: Der Citroën C4 Cactus passt in keine Schublade und ist allein durch seinen ungewöhnlichen Zuschnitt interessant. Und dann sind da ja noch die sogenannten Airbumps, die das Blech vor Parkremplern schützen wie Luftpolsterfolie die Vase im Karton. Die machen das Auto vollends unverwechselbar.
Das sagt der Hersteller: Laut Citroën-Projektleiterin Anne Ruthmann beschränkt sich der C4 Cactus auf das, "was wirklich wichtig ist". Dieser neue Anspruch gelte nicht nur für dieses Modell, sondern für die ganze Marke, sagt Designchef Alexandre Malval: "Ein bisschen Cactus wird künftig in allen unseren Autos stecken."
Das ist uns aufgefallen: Schon beim ersten Blick auf den Cactus schleicht sich ein Lächeln auf die Lippen, und sobald man hinter dem Steuer sitzt, macht sich eine angenehme Gelassenheit breit. Viel zu bequem und weich sind die Sitze in der ersten Reihe, als dass man sich verbissen hinters Lenkrad klemmen wollte. Erst recht, wenn - wie bei der Variante mit automatisiertem Fünfganggetriebe - ein kleines Kissen die Lücke zum Beifahrersitz schließt und Erinnerungen an die durchgehenden Sitzbänke von früher weckt.
Der Kranz des Volants ist viel zu groß und eckig geraten für einen Kurventanz und vor der sorgfältig entrümpelten Armaturentafel - es gibt nur noch einen Touchscreen und rund ein Dutzend Knöpfe - kommt ohnehin kein Cockpit-Gefühl auf. Es gibt ja nicht mal einen Drehzahlmesser!
Bis dahin also ist der Cactus ebenso schlicht wie genial - oder schlicht genial.
Je weiter die Aufmerksamkeit allerdings nach hinten wandert, desto mehr Enttäuschung mischt sich ins Wohlgefallen. Denn bei der Frage nach dem wirklich Wichtigen sind auch Selbstverständlichkeiten wie versenkbare Fondfenster oder die Beinfreiheit auf der Rückbank auf der Strecke geblieben. Die Rücklehne lässt sich nur in einem Stück umklappen und die Ladekante ist so hoch, dass jeder Einkauf zum Muskeltraining wird. Da haben Ruthmann und ihr Team vielleicht am falschen Ende gespart.
Das muss man wissen: Bestellt werden kann der Cactus seit ein paar Tagen, auf die Straße kommt das Auto zu Preisen ab 13.990 Euro ab Mitte September.
So innovativ der Ansatz des Cactus ist, so altbacken ist der Antrieb. Die drei Benzin- und zwei Diesel-Motorisierungen kennt man aus anderen Citroën-Modellen. Den Getrieben fehlt der sechste Gang, eine echte Automatik oder gar eine Doppelkupplung gibt es nicht. Offenbar war der Spaß auf der Straße bei der Entwicklung eher nebensächlich.
Aber Autos wie den Cactus fährt man auch nicht um des Fahrens willen, sondern um anzukommen. Und das geht natürlich auch mit den 75 PS der Basismotorisierung. Wer es gern etwas flotter mag, dem empfiehlt sich der Dreizylinder-Turbobenziner. Der rattert und schnattert zwar laut und vernehmlich, weil auch bei der Dämmung gespart wurde, doch mit 110 PS Leistung bringt er den Puls zumindest ein bisschen auf Touren.
Dass der Cactus in allen Motorvarianten zumindest auf dem Prüfstand ausgesprochen sparsam ist - der genügsamste Diesel verbraucht lediglich 3,1 Liter, der Top-Benziner 4,7 Liter - liegt neben dem niedrigen Leistungsniveau an der Philosophie des Verzichts. "Was man nicht einbaut, schlägt auch nicht aufs Gewicht", sagt Projektleiterin Ruthmann. So ist der Cactus endlich mal wieder ein Kompaktauto, das in der Basisvariante lediglich 965 Kilogramm wiegt.
Das werden wir nicht vergessen: Wie gut der Cactus gedacht und wie schlecht er bisweilen gemacht ist. Hier liebevolle Details wie die Kofferschlaufen als Türgriffe, dort lustlose Klappscharniere für die Fond-Ausstellfenster. Vorn das bequeme Sofa, hinten eine spärliche Bank. Und ein Luftausströmer für den Beifahrer, eine Längsverstellung des Lenkrads oder ein zweiter Schminkspiegel hätten den Kohl auch nicht fett gemacht. So jedoch muss man ein paar kleine Stiche hinnehmen, wenn man sich in den Cactus verlieben möchte.