Fahrbericht Ford Kuga: SUV-Modell mit beengter Atmosphäre - DER SPIEGEL
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Ford Kuga 1.6 Ecoboost: Irgendwie bedrückend

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Ford Kuga 1.6 Ecoboost Jede Menge Enge

Dieser SUV hebt sich von der Masse ab: Außen wie innen ist die zweite Baureihe der Ford Kuga markant designt. Eigentlich bietet der Wagen Platz für die ganze Familie - wenn auf den Vordersitzen nicht eine böse Überraschung lauern würde.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die BBC-Serie "Doctor Who" gibt es seit 1963, keine andere Science-Fiction-Fernsehserie ist dermaßen erfolgreich und langlebig. Zentraler Bestandteil der Handlung ist TARDIS, ein Vehikel, das Raum-Zeit-Reisen erlaubt. Neben vielem anderen verblüfft TARDIS dadurch, dass es äußerlich aussieht wie eine britische Polizei-Box, also nicht viel größer ist als eine Telefonzelle; drinnen jedoch gibt es etliche Zimmer, Hallen und Flure, sogar ein Schwimmbecken und natürlich einen Kontrollraum. Kurz: Die mickrige Box ist innen riesig.

Genau das Gegenteil erlebt man mit dem Ford Kuga.

Die zweite Generation des SUV-Modells von Ford, in Deutschland seit neun Monaten auf dem Markt, ist ein stattliches Auto. Das Karosseriedesign betont mit deutlich ausgestellten Radhäusern und etlichen Kanten und Knicken den stämmig-wuchtigen Eindruck. Man nähert sich dem Auto also mit einem gewissen Respekt und mit der Erwartung, dass es drinnen ähnlich voluminös weitergeht. Doch sobald man hinterm Lenkrad sitzt, herrscht Enge.

Der Eindruck rührt ebenso vom vergleichsweise flach angebrachten Lenkrad her wie von der ebenfalls flach, breit und weit in den Fahrgastraum einsickernden Mittelkonsole. Jedenfalls führt die Innenraumgestaltung dazu, dass man sich auf dem Fahrersitz - mehr noch als in vielen anderen Autos - fühlt wie in der Badewanne: durchaus behaglich, aber eben auch stark eingeengt. Auf den Sitzen in der zweiten Reihe herrscht dagegen geradezu großzügiger Bewegungsspielraum.

Verstärkt wird das Gefühl des Eingezwängtseins auf dem Fahrerplatz noch durch die schlechte Übersicht. Obwohl man in einem SUV und damit etwas höher als in einer normalen Limousine oder einem Kompaktwagen sitzt, lassen sich die Enden der Karosserie nur erahnen. Beim Rangieren hilft zum Glück die Rückfahrkamera (aufpreispflichtig), der Blick nach schräg vorn ist jedoch durch die breiten Wurzeln der A-Säule verdeckt. Insofern ist es konsequent, dass Ford für den Wagen alle gängigen Assistenzsysteme anbietet, vom Notbremsassistenten über die Toter-Winkel-Überwachung und Verkehrszeichenerkennung bis zum Spurhalteassistenten.

Antriebsseitig war unser Testwagen mit dem Basis-Benziner ausstaffiert, dem 1,6-Liter-Vierzylinder mit Turboaufladung, Direkteinspritzung, Start-Stopp-Automatik und einer Leistung von 150 PS. Diesen Motor bietet Ford ausschließlich mit Frontantrieb an. Der Allradantrieb bleibt der 182 PS starken Benzinervariante sowie den Modellen mit den beiden verfügbaren Dieselaggregaten mit 140 und 163 PS vorbehalten.

Hoher Verbrauch trotz reichlich Spartechnik

Bei Ford heißen die neuen, aufgeladenen Ottomotoren Ecoboost, und offiziell wird der Durchschnittsverbrauch des knapp 1,6 Tonnen schweren Kuga mit dieser Maschine mit 6,6 Liter je 100 Kilometer angegeben. Einmal mehr jedoch zeigte der Alltag, dass der Realverbrauch um rund 50 Prozent höherlag. Was aber auch nicht groß verwunderlich ist, wenn man ein derartiges Auto, angenehm temperiert und mit schicken 18-Zoll-Rädern angetan, überwiegend im Stadt- und Kurzstreckenverkehr chauffiert.

Das Fahrgefühl übrigens ist erfreulich dezent. Vom Motor ist kaum etwas zu hören, das Lenkgefühl changiert zwischen butterweich und tadellos, am Sechsgang-Schaltgetriebe gibt es auch nichts auszusetzen. Vielmehr erweist sich die hohe Positionierung des kurzen Schaltknüppels als praktisch: Der Knauf ist kaum mehr als 25 Zentimeter vom Lenkrad entfernt platziert, was wiederum eine angenehme Nebenerscheinung der klobig zwischen die Vordersitze ragenden Bedientafel ist.

Im Grunde ist die frontgetriebene Variante des Kuga ein Familienauto im Geländewagen-Look. Wer das "Family-Paket" für 150 Euro Aufpreis ordert, erhält eine elektrische Fondtür-Sicherung und eine 230-Volt-Steckdose in der zweiten Reihe. Der Kofferraum fasst zwischen 481 und 1653 Liter, ist also überaus geräumig, wenn auch mit vergleichsweise hoher Ladekante.

Blaue Zeiger, erfrischende Grafiken

Was unbedingt noch erwähnt werden muss, weil es den Kuga prägt, ist das klar erkennbare Bemühen der Designer, dem Auto einen speziellen Charakter zu verpassen. Vor allem gilt das fürs Interieur. Prägnantestes Beispiel ist die bereits erwähnte, viel zu groß geratene und von zu vielen Tasten übersäte Bedientafel. Weitere auffällige Details sind die vier blauen Zeiger der Cockpit-Instrumente, das ungewöhnlich stark ausmodellierte Lenkrad, zahlreiche Ablagefächer und ein mehrfach gegliedertes Handschuhfach sowie die ausgesprochen feinen Grafiken des Bordcomputers. Bei eingeschaltetem Licht etwa gehen auch bei dem Autosymbol auf dem Minibildschirm zwischen Drehzahlmesser und Tacho die Lampen an.

Das sieht nicht nur hübsch aus, es erinnert zusammen mit den vielen Tasten, Schaltern und Reglern dann doch wieder an ein TARDIS. Natürlich nicht an dessen wunderbare Platzvermehrung im Innern, sondern eher an dessen Kontrollraum. An dem Trick mit dem riesigen Raum in kleiner Hülle muss Ford allerdings noch arbeiten.