Autogramm Fiat 124 Spider: Ohne jeden Schnörkel
Fiat 124 Spider Ich fahre was, das du nicht siehst
Der erste Eindruck: Kurz, klein, knackig.
Das sagt der Hersteller: "Die Legende lebt", frohlocken die Fiat-Leute und schalten die Phrasendreschmaschine ein: "Als Hommage an den historischen Fiat 124 Sport Spider, der vor genau 50 Jahren präsentiert wurde, verbindet der neue Fiat 124 Spider authentisches Roadster-Feeling mit dem Fahrvergnügen eines Sportwagens, modernster Technologie und Sicherheit in Kombination mit italienischem Design". Dabei hat der kleine Sportwagen gar kein großes Geschwafel nötig. Er spricht am besten für sich selbst.
Das ist uns aufgefallen: Klapp, schnapp, zack - drei Handgriffe sind nötig, dann faltet sich das Stoffverdeck, unterstützt vom Fahrtwind, hinter die Sitze und es herrscht Heiterkeit im Auto. Kaum ein anderer Roadster - von extremen Typen wie Morgan, Lotus oder Caterham einmal abgesehen - ist so luftig und so lässig wie der Fiat 124 Spider. Außer natürlich der Mazda MX-5, zu dem wir später noch kommen werden.
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Es gibt keinen Schnickschnack und keine Weichei-Technik, die das Fahrerlebnis verwässert. Der neue, offene Fiat ist dabei keineswegs kompromisslos, sondern durchaus bequem, relativ rückenschonend und auf Wunsch sogar mit Sitzheizung erhältlich. Aber Albernheiten wie ein Windschott, ein elektrisches Verdeck oder gar eine Nackenheizung sind völlig zurecht gar nicht erst im Angebot. Warum auch, wenn man schon nach kürzester Zeit in Sommerlaune ist?
Doch es ist nicht allein die schnörkellose, einfache und unverfälschte Offenheit, die den Fiat 124 Spider so sympathisch macht, sondern was einen noch für diesen Wagen einnimmt, ist das Fahrgefühl. Kaum ein anderes Auto dieser Klasse ist so handlich und geht so herrlich leicht um die Kurven wie dieser Sportwagen. Kein Wunder, bei gerade mal vier Metern Länge und einem Gewicht von wenig mehr als 1000 Kilogramm.
Hier braucht es keinen großen Motor, um großen Spaß zu haben. Weil einem der Wind so ungehindert um die Nase weht, fühlen sich selbst die maximal 217 km/h in diesem Fiat schneller an als Tempo 270 in einem offenen Porsche.
Was bei diesem Roadster-Vergnügen allerdings auf der Strecke bleibt, ist der Alltagsnutzen. Denn der Spider ist so knapp und konzentriert, so sehr auf den Fahrer zugeschnitten, dass es nicht einmal die üblichen Taschen in den Türen oder ein Handschuhfach gibt. Der übliche Krimskrams muss umständlich in einer Plastikhöhle zwischen den Sitzen verstaut werden. Sei's drum: Wer ein praktisches Auto will, soll zu Audi TT oder Mercedes SLC greifen.
Das muss man wissen: Fiat verortet den neuen 124 Spider zwar in der eigenen Historie, tatsächlich jedoch liegen die Wurzeln des Autos in Hiroshima und nicht in Turin: Der Wagen ist nichts anderes als ein geklonter Mazda MX-5. Allerdings haben die Italiener die Übernahme geschickt verschleiert. Äußerlich, weil jedes Blechteil neu ist und der Spider deshalb einen ganz anderen, schnittigeren Look hat. Und unter der Haube, weil anstelle der japanischen Saugmotoren ein italienischer Turbobenziner mit 1,4 Litern Hubraum, 140 PS Leistung und 240 Nm Drehmoment zum Einsatz kommt, dessen munterer Charakter gut zu der kleinen Asphaltfräse passt.
Am nächsten sind sich die beiden Schwestermodelle im Innenraum, wo es nur ein paar feine Unterschiede gibt. So verwendet Fiat nicht nur weicheres Leder, sondern auch eine dickere Dachisolierung und eine besser gedämmte Frontscheibe. Deshalb bietet der Wagen etwas mehr Dolce Vita als der puristisch-nüchterne japanische Roadster.
Diese Unterschiede schlagen mit rund 50 Kilo zulasten des Fiat nieder. Und beim Preis. Der Fiat 124 Spider, der in diesen Tagen zu den Händlern kommt, kostet ab 23.990 Euro und ist damit exakt 1000 Euro teurer als der Mazda MX-5.
Ursprünglich sollte der Zweisitzer als Nachfolger des Alfa Spider auf die Straße kommen. Jetzt wurde stattdessen ein Fiat daraus. All jenen, denen der Standardmotor nicht stark und das Fahrwerk nicht straff genug ist, dem bieten die Italiener ab Ende September einen kräftigeren und knackigeren Spider mit 170 PS an - allerdings nicht als Fiat, sondern mit dem Logo der Schwestermarke Abarth.
Das werden wir nicht vergessen: Geöffnet ist das Dach rasch, besonders während der Fahrt. Dafür lässt es sich umso schwerer wieder schließen. Klar, würde da eine elektrische Verdeckbetätigung helfen, doch solche Verwässerungen würden nicht zum Auto passen. Überhaupt: Warum sollte man das Verdeck eigentlich schließen? Über diesem Auto scheint nämlich gefühlt immer die Sonne.