Fiat 500X: Das Retromodell gibt es jetzt auch als Mini-SUV - DER SPIEGEL
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Autogramm Fiat 500X: Ritt auf der SUV-Welle

Foto: Jürgen Pander

Autogramm Fiat 500X In großer Form

Mini hat es mit dem Countryman vorgemacht, jetzt kopiert Fiat die Idee: Im Stil des Retro-Kleinwagens 500 tritt ab sofort der deutlich größere, höher gelegte 500X an. Der neue Mini-SUV soll Maxi-Erwartungen erfüllen. Die Chancen stehen gut.
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Der erste Eindruck: Das Auto erscheint wie ein Fiat 500 aus Hefeteig. Man erkennt die putzige Urform noch gerade eben, doch das hier ist kein Kleinwagen mehr, sondern mit 4,25 Meter Länge ein ausgewachsenes Kompaktauto in SUV-Kostümierung. Man sieht eine höher gelegte Karosserie mit bulliger Frontpartie, plastikumrandete Radhäuser, fünf Türen und auf Wunsch gibt es auch Unterfahrschutz und Dachreling.

Das sagt der Hersteller: Fiat bewarb das neue SUV-Modell unlängst beim Superbowl mit einem Werbespot. In dem Filmchen, das auf YouTube schon mehr als 13 Millionen Klicks eingeheimst hat, flutscht einem älteren Herrn die Viagra-Pille aus dem Badezimmerfenster und landet - über einige Umwege - im Tank eines Fiat 500. Sogleich schwillt das Auto in alle Richtungen an und wird zum 500X, dem prompt alle Frauen hinterherschauen. Soweit die Vision.

In der Realität muss das neue Auto seine Potenz noch beweisen. "Für uns ist der 500X das wichtigste Modell seit Jahren", sagt Fiat-Sprecher Florian Büngener. "Das Segment der kleinen SUV ist das am stärksten wachsende in Europa, und davon wollen wir profitieren." Als wesentliche Konkurrenten nennt Büngener Opel Mokka, Renault Captur und Mini Countryman.

Das ist uns aufgefallen: Es gibt Mini-SUV, die durch eine kantige Optik was hermachen wollen, bei anderen suggerieren unförmige Anbauteile Rustikalität. Der 500X tritt subtiler auf, überzeugt mit stimmigen Proportionen und kommt ohne Peinlichkeiten aus. Dass er zur 500er-Familie gehört, die sich zum Stückzahl-Rückgrat der Pkw-Sparte von Fiat entwickelt hat, ist ein Marketing Manöver. Tatsächlich basiert das Auto auf der "B-wide"-Plattform des Fiat-Chrysler-Konzerns und teilt sich den technischen Unterbau mit dem Jeep Renegade.

Beim ersten Kennenlernen vermittelt der Wagen ein ausgewogenes Fahrgefühl, wobei Federung und Dämpfung eher in Richtung straff tendieren, während die Lenkung einen synthetischen Eindruck hinterlässt. Insgesamt jedoch ließ sich der 500X beim Fahrtermin, zu dem Fiat jetzt nach Tirol einlud, angenehm kommod und rundum problemlos bewegen. Der 1,4-Liter-Turbobenziner mit 140 PS harmoniert gut mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe; allerdings gefiel uns der 1,6-Liter-Turbodiesel mit einer Leistung von 120 PS und ebenfalls Sechsgang-Schaltung noch etwas besser. Der Selbstzünder rumort zwar lauter, aber er wirkt zupackender.

Pluspunkte sammeln das Interieur und die Ausstattung. Es gibt ordentliche Sitze, zwei Handschuhfächer, ein hübsch gestaltetes Cockpit mit einem zentral angeordneten, gestochen scharfen TFT-Bildschirm und einen "Mood Selector", mit dem sich der Charakter des Autos variieren lässt. Je nach Einstellung werden Motorsteuerung, Gasannahme oder die Sensibilität des ESP verändert. Bei den frontgetriebenen Varianten stehen die Abstimmungen "Auto", "Sport" oder "Allwetter" zur Wahl, bei den Allrad-Versionen gibt es anstelle der "Allwetter"-Einstellung die Position "Traction". Ist die gewählt, sind alle Systeme für die Geländefahrt gewappnet und die Antriebskraft wird bei Bedarf durch Einkuppeln der Kardanwelle auch an die Hinterräder geleitet. Dass dieses System sehr hilfreich sein kann, ließ sich auf einem Slalomparcours im Schnee ermitteln.

Das muss man wissen: Der Verkauf des Fiat 500X startet am 28. Februar. Zur Wahl stehen zunächst je zwei Benziner und zwei Diesel mit einem Leistungsspektrum von 110 bis 140 PS. Allradantrieb steht ausschließlich für den 2-Liter-Diesel mit 140 PS zur Verfügung, nur für die Allrad-Variante ist auch eine Neungang-Automatik bestellbar. Das so konfektionierte Top-Modell kostet 31.400 Euro; die Einstiegsvariante mit 110-PS-Benziner und Frontantrieb gibt es ab 16.950 Euro.

Die Variantenvielfalt des 500X überfordert schon fast. So kann man beispielsweise zwischen einem City- und einem Offroad-Look (mit Unterfahrschutz und Dachreling) wählen, des Weiteren zwischen drei Ausstattungsniveaus, zehn Ausstattungspaketen und etlichen Details, mit denen sich das Auto immer weiter individualisieren lässt. In einigen Monaten werden ein 95-PS-Diesel, ein 170-PS-Benziner sowie ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe auch das Antriebsangebot erweitern.

Serienmäßig sind eine asymmetrisch teilbare Rücksitzlehne und ein Kofferraum, dessen Volumen von 350 auf 1000 Liter erweitert werden kann. Gebaut wird der 500X, wie das Schwestermodell Jeep Renegade, für alle rund hundert globalen Märkte, im Fiat-Werk Melfi bei Neapel.

Das werden wir nicht vergessen: Erstens die wunderbare, dunkelbraune Lederausstattung im lässigen Used-Look, die richtig schick aussieht, jedoch 1200 Euro Aufpreis kostet. Und zweitens bleibt die Informationsflut in Erinnerung, die man per Lenkradtasten ins Cockpit zaubern kann. Unter anderem lässt sich im "Sport"-Modus sogar die G-Kraft abrufen, die in flott gefahrenen Kurven auf Auto und Insassen wirkt. In einer Spitzkehre haben wir es immerhin auf 0,4 gebracht.