Hyundai i30: Dritte Generation des VW-Golf-Konkurrenten - DER SPIEGEL
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Autogramm Hyundai i30: Zurückhaltung auf Rädern

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Autogramm Hyundai i30 Aufstieg!

Hyundai ist mit dem neuen i30 auf VW-Golf-Kurs. Mit Akribie und Liebe zum Detail kommt das koreanische Kompaktauto dem Primus aus Wolfsburg verdammt nahe. Wichtigste Eigenschaft: gepflegte Langeweile.
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Der erste Eindruck: Bloß nicht auffallen! Daran ändert auch der so genannte Kaskaden-Kühlergrill, der zum neuen Erkennungszeichen der Marke werden soll und den der i30 als erstes Modell trägt, nichts.

Das sagt der Hersteller: "Unser neues Aushängeschild", nennt Markus Schrick, der Chef von Hyundai in Deutschland, die dritte Generation des i30. Bei der Entwicklung des Wagens habe man das Ohr direkt am Markt gehabt, sagt Schrick. Herausgekommen ist bei diesem Lauschangriff ein Auto, das jedem Anspruch gerecht werden soll. Außerdem sei tief in die Ausstattungs-Kiste gegriffen worden. "Der i30 bietet eine Auswahl an Assistenzsystemen, die es so bei Hyundai bisher noch nicht gab, dazu modernste Infotainment- und Connectivity-Angebote".

Das ist uns aufgefallen: Die Stille am Steuer. Vom Motor ist nichts zu hören, vom Wind und den Reifen auch nicht. Die Welt da draußen ist plötzlich ganz weit weg. Der Bug des Wagens ist gut gedämmt, die Form im Windkanal glattgeschliffen und die Karosserie mit mehr als 50 Prozent an hochfesten Stählen sowie mehr als 100 Metern Klebenaht deutlich steifer als früher. So strahlt der i30 eine Solidität aus, wie man sie sonst von den vermeintlichen Premium-Kompaktautos kennt.

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Ruhe und Gediegenheit - das war offenbar auch das Motto bei der Gestaltung des nur marginal gewachsenen Innenraums. Der neue i30 strahlt eine geschäftsmäßige Seriosität aus, ungefähr so wie der VW Golf. Damit einher geht allerdings auch die gleiche gepflegte Langeweile. Einziger Aufreger ist die Begrüßungsmelodie, die vor dem Anlassen ertönt und ab dem dritten Mal so nervig ist, dass man umgehend die Programmierung ändert.

Je länger man mit dem i30 fährt, desto mehr erstaunt, wie nahe das Auto dem Golf kommt und mit welcher Selbstverständlichkeit dies gelingt. Während andere Hersteller ihre Errungenschaften groß in Szene setzen, hält Hyundai den Ball flach. Abstandsregeltempomat, Apple CarPlay oder Android Auto, Müdigkeitsassistent, LED-Scheinwerfer - das ist zwar alles neu bei der koreanischen Marke, und wenn man mit den Entwicklern spricht, sind sie darauf natürlich gehörig stolz. Doch im Auto fühlt es sich so an, als wären diese Extras schon ewig an Bord.

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Autogramm Hyundai i30: Zurückhaltung auf Rädern

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Statt auf große Show setzt Hyundai auf eine gewisse Finesse. Das gilt nicht nur fürs Ambiente mit weich hinterschäumten Kunststoffen, gestochen scharfen Displays und Schaltern, die eine gute Haptik vermitteln, sondern auch fürs Fahrverhalten. Um das zu erreichen, hat Hyundai eine neue Lenkung eingebaut und an den Achsen gearbeitet. Fuhr sich das Vorgängermodell noch etwas gleichgültig, kann man das aktuelle Auto jetzt durchaus engagiert bewegen und erhält eine entsprechende Rückmeldung.

Das muss man wissen: Koreanisch ist am i30 nur noch der Name des Herstellers. Gezeichnet wurde das Auto in Frankfurt am Main, entwickelt wurde es in Rüsselsheim und vom Band läuft es in Tschechien. Dort hat die Produktion kurz vor Weihnachten begonnen, so dass die ersten Fünftürer ab Ende Januar in den Handel kommen werden - zu leicht gestiegenen Preisen ab 17.450 Euro.

Zur Wahl stehen dann drei Dieselmotorisierungen mit 95, 110 oder 136 PS und drei Benziner: Ein 100 PS starker Saugmotor, ein Dreizylinder-Turbo mit 120 PS und ein 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbo, der im i30 debütiert und mit dem kultivierten Lauf gut zum unaufgeregten Wesen des Wagens passt. Zwar ist er nicht ganz so agil wie die TSI-Motoren aus Wolfsburg, kann sich aber mit 140 PS Leistung, mehr als 200 km/h Spitze und einem Normverbrauch ab 5,4 Litern allemal sehen lassen.

Zwar galt bei Hyundai der Golf als Maßstab und in vielen Details kommt der i30 seinem Vorbild verdammt nahe, doch zumindest in einem Punkt unterscheiden sich VW und Hyundai grundlegend: Während man den Golf aufrüsten kann wie eine Luxuslimousine, übt sich der i30 in der Kunst des Weglassens: Motorenpalette und Leistungskorridor sind viel schlanker, von Allradantrieb oder einem adaptiven Fahrwerk ist, genau wie von alternativen Antrieben, keine Rede; und Hightech-Sperenzchen wie ein digitales Cockpit oder Matrix-Licht gibt es auch nicht. Derlei dient in der Kompaktklasse eher der Selbstbefriedigung der Entwickler, als der tatsächlichen Nachfrage.

Nackt und nüchtern ist der i30 trotzdem nicht. Immerhin gibt es gegen Aufpreis klimatisierte Sitze, ein beheizbares Lenkrad oder eine automatische Abstandsregelung. Und die Grundausstattung ist üppiger als bei den deutschen Platzhirschen. Auch die Modellpalette wird weiter wachsen: Für den Autosalon in Genf Anfang März hat Hyundai einen i30 Kombi angekündigt, im Sommer gibt es als Antwort auf GTI & Co. ein Sportmodell der neuen Submarke "N Performance", und zum Jahreswechsel soll eine Mischung aus Coupé und Kombi beweisen, dass auch in der Kompaktklasse noch Design-Nischen unbesetzt sind.

Das werden wir nicht vergessen: Kein Klappern und kein Rauschen, wo man ihn anfasst, fühlt er sich gut an, und wenn er ums Eck gefahren ist, hat man ihn auch schon wieder vergessen. So setzt der i30 demonstrativ auf auffällige Unauffälligkeit und schlägt den VW Golf in dieser Hinsicht mit seinen eigenen Waffen.