Hyundai ix55 Koloss aus Korea
Als Hyundai vor zwei Jahren in den USA das große SUV-Modell Veracruz auf den Markt brachte, begehrten die europäischen Vertriebsmanager auf. "Den wollen wir auch", hieß es. Kein Wunder, denn zu dieser Zeit stiegen die Zulassungszahlen für Geländegänger mittleren Kalibers noch an. Jetzt ist es soweit, aus dem Veracruz wird in Europa das Modell ix55, zudem erhielt das Auto einen neuen Dieselmotor speziell für den europäischen Markt. Schlechtes Timing, ist doch der Boom offenbar vorüber.
Die Begeisterung für große Geländewagen hat deutlich nachgelassen - zunehmendes Klimabewusstsein und hohe Kraftstoffpreise spielen dabei eine Rolle. Dennoch bemüht sich der deutsche Hyundai-Chef Werner Frey um Optimismus und gibt pflichtgemäß zu Protokoll, dass er sich auf die Markteinführung des neuen Geländewagens im Mai freue. "Wir stehen voll hinter dem Auto", sagt Frey.
Der Wagen ist so etwas wie Hyundais Antwort auf Mercedes ML, BMW X5 oder VW Touareg. Insofern solle das neue Flaggschiff nach den Worten Freys das Image der Marke schärfen, diene als Technologieträger und stärke die Offroad-Kompetenz. Das käme auch den kleineren Geländewagen Tucson und Santa Fe zugute, die bald als ix35 und ix45 über Stock und Stein rollen werden.
Die Musik spielt gegenwärtig jedoch in anderen Marktsegmenten. Hyundai zählt zu den großen Krisengewinnern, im Februar beispielsweise verdoppelte sich der Absatz der Marke, so dass sie gegenwärtig einen Marktanteil von 4,3 Prozent erreicht. Der Erfolg beruht vor allem auf der Abwrackprämie sowie der optimistischen Bestellpolitik des Importeurs. Während anderen Herstellern die Autos ausgehen, rollen in Bremerhaven zahlreiche kleine und billige Hyundai-Typen an Land.
Erfolg mit Kleinwagen - und jetzt kommt ein Dickschiff
Auch wenn der Rekordabsatz der Modelle i10 und i20 die Statistik schmückt, kann man mit den kleinen Autos keine großen Gewinne und erst recht keine Image-Punkte machen. Deshalb blickt Frey wohlwollend auf den neuen 4,84 Meter langen Geländegänger: Groß gewachsen und markant gestaltet, ist er gewiss keine Schönheit. Aber er ist diesseits der leichten Nutzfahrzeuge der erste Hyundai, den man wirklich nicht mehr übersehen kann. Und wer seine Skrupel gegen ein SUV zumindest vorübergehend vergisst, wird den ix55 wahrscheinlich sogar schätzen lernen.
Dafür sorgt vor allem das ordentliche Platzangebot. Müssen die Hinterbänkler etwa im kleineren Modell Santa Fe die Knie anziehen, geht es im ix55 geräumig zu. Vor allem die verschiebbare Rückbank hilft bei der optimalen Raumausnutzung. Außerdem kann man bei Bedarf noch zwei weitere Sessel aus dem Kofferraumboden zaubern, auf denen man besser sitzt als etwa in der dritten Reihe von Audi Q7 und BMW X5. Allerdings schrumpft dabei der Kofferraum auf das Format eines Briefkastens: Gehen in der fünfsitzigen Konfiguration 598 Liter hinein, reicht der Platz mit sieben Sitzen nur noch für ein paar Kulturbeutel. Umgekehrt jedoch lässt sich der Laderaum durch Umklappen der zweiten Reihe auf 1746 Liter erweitern.
Für Europa wurde ein V6-Dieselmotor entwickelt
Um den Wagen fit für Europa zu machen, hat Hyundai den V6-Benziner der US-Version durch einen neuen Selbstzünder ersetzt. Der erste V6-Diesel der Marke wurde in Rüsselsheim entwickelt und gibt in dem Geländewagen seinen Einstand. Aus 3 Litern Hubraum holt er 239 PS und 451 Nm, mit denen man flott unterwegs ist. Angenehm leise und laufruhig, mit einem Normverbrauch von 9,4 Litern und gut im Zaum gehalten von einer ebenfalls neuen Sechsstufen-Automatik, beschleunigt der Zweitonner in 10,4 Sekunden auf Tempo 100 und schnurrt danach munter weiter. Wären da nicht die lästigen Windgeräusche und eben der hohe Verbrauch, könnte man mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h zum Stammgast auf der linken Spur werden.
Während der Motor eine Wucht ist, müssten die Fahrwerksentwickler noch nachsitzen. Richtig gut gelungen ist der Wechsel vom amerikanischen aufs europäische Geschmacksmuster nämlich nicht: Auf der Autobahn ein gelassener Cruiser, wirkt der ix55 auf der Landstraße bisweilen weich und unbestimmt. Wo es an Querdynamik mangelt, glänzt der Koreaner immerhin mit Vortrieb. Denn sobald vorn die Traktion nachlässt, werden bis zu 50 Prozent der Antriebskraft nach hinten geleitet: Schnee, Schotter oder Schlamm sind damit kein Problem mehr.
Ordentliche Verarbeitung und ein Blaulicht im Himmel
Einen großen Schritt macht Hyundai bei Ambiente und Ausstattung. Zwar wirken Extras wie die blaue Mood-Lampe im Dachhimmel ein wenig albern, und manche Kunststoffe könnten einen feineren Lack vertragen. Aber die Verarbeitung macht einen tadellosen Eindruck, die Lederpolster des Top-Modells sind schmuck und anschmiegsam, jeder Schalter sitzt dort, wo man ihn vermutet, und ein Dutzend elektrischer Helfer machen das Leben leichter.
Selbst in der Basisversion gibt es neben sechs Airbags, ESP und aktiven Kopfstützen auch eine Klimaautomatik, ein CD-Radio und einen Tempomat. Dafür allerdings müssen die Kunden mindestens 42.290 Euro anlegen. Für die Spitzenversion mit Xenon-Licht, elektrischer Heckklappe & Co. steigt der Preis sogar auf 46.990 Euro anlegen. Premium statt preiswert lautet die Devise, denn Hyundai will sich weniger mit Mazda, als vielmehr mit Mercedes messen.