Hyundai Tucson im Test: Billig war früher - DER SPIEGEL
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Autogramm Hyundai Tucson: Aufgeschlossen

Foto: Hyundai

Autogramm Hyundai Tucson Schluss mit Plastik

Fünf Jahre Garantie! Damit köderte Hyundai lange seine Kunden. Inzwischen hat der koreanische Hersteller in vielen Disziplinen zu europäischen Marken aufgeschlossen, wie der neue Tucson zeigt. Und sie in einem Punkt sogar überholt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Ein stolzer aufragender Kühlergrill, scharfe Kanten an den Flanken - die Zeiten, in denen man gesichtslose Hyundai nur wegen des Preises oder wegen der Garantie kaufte, sind endgültig vorbei.

Das sagt der Hersteller: Hyundai wandle sich von einer Billig- zu einer Trendmarke, die man vor allem wegen des Designs kaufe, meint Markus Schrick, der Chef von Hyundai in Deutschland. "Diese Entwicklung soll der Tucson weiter beflügeln." Zugleich stehe der Geländewagen für die Erneuerung des Angebots. Mit drei neuen und sechs überarbeiteten Modellen in diesem Jahr habe Hyundai ab dem Sommer eine der jüngsten Modellfamilien im Handel. Schrick: "Das älteste Auto ist gerade einmal 18 Monate alt."

Das ist uns aufgefallen: Einsteigen und Wohlfühlen - das klappt nicht nur bei Mercedes oder VW, sondern auch bei Hyundai. So sachlich und nüchtern und trotzdem nobel, wie der Tucson gestaltet ist, fühlt man sich im Auto auf Anhieb zu Hause. Die sparsam und überlegt auf der Armaturentafel verteilten Schalter geben keine Rätsel auf, die Anzeigen sind hübsch übersichtlich und haben eine ordentliche Auflösung, und die Materialauswahl - früher billiges Hartplastik - muss sich vor der deutscher Hersteller nicht verstecken.

Dazu bietet der neue Tucson dank drei Zentimetern mehr Radstand, sieben Zentimetern mehr Länge und drei Zentimetern mehr Breite jetzt auch mehr Raum auf allen Plätzen; außerdem eine bequeme Rückbank mit vielstufig verstellbarer Lehne, den mit 513 Litern Fassungsvermögen größten Kofferraum im Segment und eine umfangreiche Ausstattung. Klimatisierte Sitze, ein beheizbares Lenkrad und elektrische Helfer für jeden Handgriff - längst können auch Hyundai-Fahrer ihr Auto nobel ausstaffieren. Und auch bei den Assistenzsystemen haben die Koreaner aufgeschlossen. Der Tucson hilft beispielsweise bei Spurführung und Spurwechsel, erkennt Verkehrszeichen und erledigt auch das Ein- und Ausparken.

Allerdings hat sich Hyundai bei der deutschen Konkurrenz auch ein überflüssiges Extra abgeschaut. Die zwei Fahrmodi, zwischen denen man auf Knopfdruck wechseln kann. Mangels adaptiver Dämpfer wirkt sich das Hin- oder Herschalten lediglich auf die ohnehin eher weiche Lenkung sowie auf den Antrieb aus - was dazu führt, dass man kaum einen Unterschied spürt.

Das muss man wissen: Der erste Kompakt-SUV von Hyundai hieß Tucson, dann folgte die Generation ix35 und nun kehrt das neue Modell wieder zum alten Namen zurück. Entwickelt wurde das Auto maßgeblich in Rüsselsheim, gebaut wird es im tschechischen Hyundai-Werk Nosovice. Dort hat die Produktion bereits begonnen, und die ersten Modelle sollen Mitte Juli bei den Händlern eintreffen.

Die Preise steigen um rund 1500 Euro und beginnen künftig bei 22.400 Euro. Dafür gibt es den Tucson als Fronttriebler mit einem 132 PS starken 1,6-Liter-Saugbenziner. Dieser Motor ist, wie die drei Dieselmotorisierungen (115 bis 186 PS), bereits vom Vorgängermodell bekannt. Auch, dass der Allradantrieb 2000 Euro Aufpreis kostet, kennt man noch vom ix35.

Neu in der Baureihe ist jedoch der 1,6-Liter-Turbo-Benziner, der 175 PS leistet und bis zu 265 Nm Drehmoment entwickelt. Im Verbund mit einem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe passt die Maschine gut zur neuen Fahrkultur des Tucson, der überaus zivilisiert abgestimmt ist. Das Fahrwerk dämpft und federt kompromissbereiter denn je, der Motor agiert leise und vibrationsarm - so könnte man ewig dahingondeln.

Einerseits rühmt sich Hyundai der größten Antriebsauswahl im Segment, jedoch fehlen alternative Antriebe völlig. Abgesehen von dem Kleinserien-Fahrzeug mit Wasserstoffantrieb auf Basis des Vorgängermodells ix35 hat Hyundai an der Spritsparfront nicht viel zu bieten. Selbst die Start-Stopp-Automatik gibt es nur für bestimmte Varianten.

Das werden wir nicht vergessen: So schmuck der Tucson anzusehen ist und so gut er auch fährt, bei inzwischen mehr als zwei Dutzend Kompakt-SUVs fällt es schwer, sich dauerhaft in die Erinnerung einzubrennen. An einem Detail aber lässt sich die Erinnerung fest machen, weil es das selbst bei Mercedes und Co. nicht gibt: die automatische Heckklappe. Während man bei vergleichbaren Systemen auf einem Bein balancieren und das andere unter dem Stoßfänger schwenken muss, öffnet sich der Verschlag des Tucson ganz automatisch, wenn man nur lange genug mit dem Schlüssel in der Tasche hinterm Heck steht.

Anm. d. Red: In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise im Vorspann, Hyundai gäbe sieben Jahre Garantie. Dies ist nicht korrekt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.