Jeep Compass: Auf neuem Kurs - DER SPIEGEL
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Jeep Compass: Neustart des Einstiegsmodells

Jeep Compass Auf neuem Kurs

Die Geländewagen-Marke Jeep baut um. Mit der Integration in den Fiat-Konzern wirbelt der US-Hersteller das Modellprogramm komplett durcheinander. Zunächst wird ausgedünnt, dann wieder erweitert. Der nach gut zwei Jahren reanimierte Jeep Compass ist erst der Anfang.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Logisch erscheint es nicht, aber was ist in der Autobranche schon logisch. Erst stellt Jeep das Modell Compass in Europa ein, um sich ganz auf den Verkauf des Patriot zu konzentrieren. Jetzt wird die Entscheidung wieder rückgängig gemacht. Während der Vertrieb der Geländewagen im Zuge der Allianz mit Fiat einer italienischen Regie unterstellt wird, nimmt die europäische Modellpalette der Marke mal wieder eine neue Gestalt an. Diesmal fliegt der Patriot aus dem Angebot und dazu auch noch der nächst größere Cherokee. Dafür feiert nach zwei Jahren Abstinenz das Modell Compass ein Europa-Comeback.

Zwischen dem Offroad-Klassiker Wrangler und dem noblen SUV-Neuzugang Grand Cherokee gibt der Jeep Compass ab Juni wieder den kompakten Geländewagen für Menschen, die einfach gern ein rustikales Auto fahren. Damit tritt der Wagen hierzulande an gegen Typen VW Tiguan, Toyota RAV-4 oder Kia Sportage, mithin im Segment der Kompakt-SUVs, das in Europa beständig zulegt. Stilistisch orientiert sich der Compass neuerdings am großen Bruder: mit stärker gefalzter Motorhaube, frischem Kühlergrill, kantigeren Scheinwerfern und modifizierten Kotflügeln ist er auf den ersten Blick kaum vom Grand Cherokee zu unterscheiden.

Weil Geländewagen dieses Zuschnitts ohnehin nur in der Stadt oder zumindest auf asphaltierten Straßen gefahren werden und deshalb von jedem zweiten Kunden ohne Allradantrieb bestellt werden, bezeichnet Jeep-Markenchef Mike Manley den Compass als den urbansten Typ der dezimierten Modellpalette. Statt über abenteuerliche Erprobungsfahrten auf dem legendären Rubicon-Trail, Untersetzungsgetriebe oder variable Fahrwerke sprechen die US-Autobauer in diesem Fall lieber über Extras wie beleuchtete Becherhalter oder die ausklappbaren Lautsprecher in der Heckklappe. Immerhin: Für die stärkeren Motorvarianten gibt es trotz allem einen Allradantrieb, dessen variable Kraftverteilung auf kritischem Terrain per Knopfdruck auf 50:50 fixiert werden kann. So viel Geländekompetenz ist Jeep der Markentradition schuldig.

In Fahrt bringen den Europa-Rückkehrer neben dem bekannten 2,4-Liter-Benziner mit 170 PS zwei neue Motoren. Wer einen kleineren Benziner wünscht, bekommt nun auch ein Zweiliter-Aggregat mit 156 PS. Und für die Dieselfraktion hat Jeep einen 2,2-Liter-Selbstzünder im Programm, der noch aus der Liaison mit Daimler stammt. Diese Maschine gibt es mit 163 oder 136 PS. Zwar fehlen dem Compass Spartechnologien wie eine Start-Stopp-Automatik oder eine Bremsenergie-Rückgewinnung, doch weil der schwächere Diesel genau wie der Zweiliter-Benziner nur als Fronttriebler ausgeliefert wird, ist er mit akzeptablen 6,1 Litern Durchschnittsverbrauch zufrieden.

Das neue Auto ist durchaus selbstbewusst positioniert

Im Konkurrenzumfeld ist das jedoch nicht berauschend. Autos wie der Hyundai ix35 oder der kommende Audi Q3 verbrauchen knapp einen Liter weniger. Dafür erweist sich im Compass selbst der Basisdiesel als kräftiger Geselle. Ein bisschen vorlaut und ungehobelt vielleicht, aber mit dem Elan von maximal 320 Nm beschleunigt er den 4,45 Meter langen SUV in 11,5 Sekunden auf Tempo 100 und ermöglicht immerhin 201 km/h.

Obwohl der Compass mit einem Grundpreis von 25.200 Euro beileibe kein Schnäppchen ist, ein VW Tiguan kostet 1000 und ein Kia Sportage sogar 5000 Euro weniger, wirkt er innen vergleichsweise schlicht. Auch den neu verkleideten Oberflächen fehlt es an Finesse, die Konsolen sind ein wenig zu glatt und die Formen etwas zu streng geraten. Und einige der vielen Ablagen sind ziemlich unpraktisch, weil sie zum Beispiel unter dem Handbremshebel versteckt sind. Außerdem geht es trotz 2,64 Meter Radstand in der ersten Reihe es etwas enger zu als bei anderen Autos dieser Klasse. Immerhin ist die Ausstattung ok: Neben vier Airbags, aktiven Kopfstützen und ESP sind auch Klimaanlage sowie Tempomat ab Werk an Bord.

Außerdem ist Besserung in Sicht, denn lange muss der Compass nicht mehr laufen. Eingebunden in die Baukastenstruktur des Fiat-Konzerns, plant Markenchef Manley bereits den Nachfolger. Er kommt in knapp zwei Jahren auf den Markt. Die Basis dafür liefert die Plattform des Alfa Romeo Guilietta, auf der im Fiat-Werk Mirafiori neben dem Jeep auch je eine SUV-Variante für Alfa Romeo und Lancia entstehen sollen.

Die Marke Jeep als Quell künftiger SUV-Modelle für den Fiat-Konzern

Und die Planung geht noch weiter. Ebenfalls 2013 soll ein geländegängiger Kleinwagen debütieren, mit dem Jeep in den Spuren des dann nicht mehr angebotenen Fiat Sedici fahren möchte. Und in den höheren Segmenten plant der italo-amerikanische Konzern einen Nachfolger für das Modell Cherokee, der zugleich die Basis für ein zweites SUV-Modell von Alfa Romeo bilden soll. Außerdem stehen noch ein oder gar zwei SUV-Varianten für Maserati zur Debatte, die vermutlich auf Basis des Jeep Grand Cherokee entstehen werden.

Das Allrad-Engagement kommt zur rechten Zeit. "Die SUV-Zulassungen sollen in Europa bis 2015 von heute 0,8 auf 1,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr steigen", sagt Manley. Von diesem Wachstum will Jeep profitieren. "Bis 2014 wollen wir in Europa auf 145.000 verkaufte Autos kommen", gibt der Chef als Ziel aus. Ein Kraftakt: Für das letzte Jahr nämlich weist die Statistik lediglich 15.000 Zulassungen aus.