Kymco AK 550i im Test: Dicker Käfer - DER SPIEGEL
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Kymco AK 550i: Der kleine Preis von Taiwan

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Kymco AK 550i Dicker Käfer

Mit dem AK 550i will Kymco im Kreis der Premiumroller mitspielen. Die Chancen des taiwanesischen Herstellers stehen überraschend gut.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Wer hätte es gedacht: Kymco kann sportlich und schick.

Das sagt der Hersteller: "AK, das bedeutet Anniversary Kymco. Und zum Firmenjubiläum haben wir in den AK 550i alles reingepackt, was an aktueller Rollertechnik geht," sagt Pressesprecher Christian Ludwig.

Nun ja, mit dem 50. Geburtstag hat es die Kwang Yang Motor Co. (Kymco)  nicht so genau genommen. Laut Firmengeschichte liegt der Gründungstag im Februar 2013.

Echtes Jubiläumsmodell hin oder her - Kymco hat sich mit dem neuen sportlichen "AK 550 Super Tourer" viel vorgenommen: Bisher eher als Billiganbieter mit gediegenem, aber langweiligem Portfolio bekannt, will Kymco mit dem AK 550i jetzt zum Angriff auf die Halbliter-Premiumklasse und Konkurrenten wie den Yamaha TMAX blasen.

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Kymco AK 550i: Der kleine Preis von Taiwan

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Kann das klappen? Auf dem Papier klingen die Voraussetzungen gut: Der Zweizylinder-Reihenmotor mit 550 Kubik leistet komfortable 51 PS, er hängt in einem stabilen Aluminiumbrückenrahmen, der aus dem Motorradbau kommt. Die verbauten Komponenten sind Highend: Die Zweischeiben-Bremsanlage vorne stammt vom italienischen Hersteller Brembo, die ABS-Steuerung kommt aus dem Hause Bosch. Das klingt nach Qualität.

Das ist uns aufgefallen: So sportlich kompakt und gleichzeitig entspannt luftig ist uns selten ein Roller untergekommen. Das Design besitzt etwas Spielerisches. Mit seinem weit nach vorne abstehenden und im 90-Grad-Winkel abgeknickten Spiegelpaar wirkt der Roller wie ein hilflos gestrandeter Maikäfer.

Der AK 500i sieht aus wie ein Käfer

Der AK 500i sieht aus wie ein Käfer

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So schwerfällig wie das Brummtier ist das AK 550i-Trumm auch im Stand - durch seinen langen Radstand und die tiefe, aber durchaus bequeme Sitzmulde. Wenn sich der 230 Kilogramm-Käfer dann allerdings in Bewegung setzt, lenkt er sich geschmeidig leicht. Die Ergonomie ist vorzüglich. Lenker, Sitzhaltung, Platzangebot, alles passt gut zusammen.

Woran man sich auch schnell gewöhnt: das eigenwillige Kommunikations- und Navigationsdisplay im AK550i-Cockpit. Kymco nutzt als erster Roller-Hersteller mit dem voll personalisierbaren "Noodoe"-System das Smartphone nicht nur zur Anzeige von Facebook-, WhatsApp- und Telefon-Nachrichten im Stand oder an der Ampel, sondern auch zur Navigation.

Die Navigation übernehmen weder Pfeile noch präzise Fahrangaben, sondern farblich abgesetzte Richtungskorridore auf einer Art Radar. Das erscheint im ersten Moment seltsam, erschließt sich aber nach kurzer Zeit intuitiv. Per Knopfdruck am Lenker blendet das Noodoe-Display wahlweise Navigation, Wetterangaben oder andere Informationen ein, die vorab per Smartphone-App ausgewählt und personalisiert wurden.

Das Fahren mit dem AK 550i ist kurz beschrieben: entspannt. Die präzise Variomatik macht das Rangieren im Stadtverkehr einfach. Wenn die Straßen dann frei sind, spricht sie sehr direkt an und lässt dem Drehmoment von 51,5 Nm freien Lauf.

Laufen, das mag der AK 550i auch gerne; in den Kurven kann er durch die ausbalancierte Gewichtsverteilung zwischen Bug und Heck, das vorzüglich austarierte und gedämpfte Fahrwerk sowie die starre Leichtmetallschwinge mit jedem Straßenmotorrad mithalten. Und Speed bringt der Scooter auch mit: 160 km/h, die dank der kräftigen Auspuffanlage auch noch sehr bassig, aber nicht zu laut klingen, sind als Spitze drin.

Das muss man wissen: Im Fahrbetrieb ist der AK 550i ein preisgünstiger Gesell. Auch bei ziemlich dynamischem Umgang mit dem Gasgriff schluckt das Taiwan-Flaggschiff kaum mehr als 4,5 Liter pro 100 Kilometer. Damit sind fast 300 Kilometer Reichweite drin, ein guter Wert in dieser Klasse.

Der AK 550i bringt dazu die Standards mit, die man mit Premium-Scooter-Anspruch liefern muss: Im Grundpreis enthalten sind unter anderem beheizte Handgriffe, Reifendrucküberwachung, USB-Steckdose, funktionierender Windschutz, LED-Beleuchtung sowie Stauraum für zwei Jethelme.

Der Preis ist bei Kymco heiß: Der AK 550i ist ab 9799 Euro zu haben. Zu teuer für einen Roller? Nun ja, der Yamaha Premium-Scooter TMAX DX mit 530 Kubik-Motor hat Traktionskontrolle, eine elektronische Scheibenverstellung und ein paar PS weniger, kostet dafür knapp 3400 Euro mehr. Was den Taiwanesen zusätzlich attraktiv macht: Noch in diesem Jahr will Kymco eine auf 48 PS gedrosselte Variante, die mit dem Führerschein A2 gefahren werden kann, anbieten.

Das werden wir nicht vergessen: Schlüssel rein, starten, losfahren? Nicht bei Kymco. Auch der AK 550i wird ausschließlich mit dem Keyless Start-System geliefert. Doch worin besteht der Vorteil, wenn man den Funkschlüssel suchen muss, und das quietschbunt blinkende Zündschloss für Sitzklappe und Schloss immer noch keiner Logik folgt? Wenn schon E-Connect, dann doch bitte gleich Fahrzeugstart per Fingerabdruck und E-Touch.

Hersteller:Kymco
Typ:AK 550i
Karosserie:Roller
Motor:Zweizylinder-Reihenmotor
Getriebe:Variomatik
Hubraum:550 ccm
Leistung PS:51 PS
Leistung kW:37 kW
Drehmoment:51 Nm
Höchstgeschw.:160 km/h
Gewicht:230 kg
Preis:9.799 €

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