Lamborghini Gallardo Performante: Leichtbau absurd - DER SPIEGEL
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Lamborghini Gallardo Performante: Wieder etwas radikaler

Foto: Tom Grünweg

Lamborghini Gallardo Performante Leichtbau absurd

Leichtbau soll Autos sparsamer und leistungsstärker machen. Beim Lamborghini Gallardo Performante geht es natürlich vor allem um mehr Power. Deshalb reduzierten die Italiener das Gewicht - um marginale 65 Kilogramm. Dafür wird ein Preisaufschlag von rund 27.000 Euro fällig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lamborghini lädt zur Testfahrt nach Los Angeles. Der Anlass ist ein aufgezwirbelter Gallardo Spyder. Doch hier passen das Ambiente, der Glamourfaktor und auch die Millionäresdichte prima zu einem Wagen dieser Kategorie. Außerdem feierte die geschärfte Variante mit dem Namen Performante am Rande der Los Angeles Autoshow erst kürzlich Premiere, und da lag es nahe, die Jungfernfahrt für die Motorpresse gleich anzuschließen.

Das Auto ist im Prinzip die offene Version des Coupés Gallardo Superleggera. Auch in diesem Fall nämlich wurde auf Leichtbau geachtet und daher sind Spiegelgehäuse, Spoiler, Türverkleidungen oder Schalensitze aus Karbon hergestellt. Auch die Ausstattung wurde abgespeckt, was den Wagen um insgesamt 65 Kilogramm erleichtert. Jetzt wiegt das Auto 1495 Kilogramm.

Bei der Diät unterliefen den Lamborghini-Leuten auch ein paar Kuriositäten. So wurde zwar auf das Radio verzichtet, nicht aber auf die Lautsprecher in den Türen. Eine Musikanlage ist aber ohnehin überflüssig, denn im Heck röhrt und posaunt und kreischt ja der bekannt temperatmentvolle Zehnzylindermotor.

Zwei Lamborghini-Typen auf dem Parkplatz - mit feinen Unterschieden

Spürt man während der forschen Fahrt einen Unterschied zum normalen Gallardo-Spyder-Modell? Das zu behaupten, wäre Selbstbetrug. Ebenso wenig übrigens merkt man, dass der V10- Motor in der Variante Performante zehn PS mehr leistet. Es ist in diesen Regionen, also oberhalb von 500 PS, ohnehin egal.

Nach einer Runde auf dem Ring im Hinterland von Hollywood landet man fast zwangsläufig beim Benzingespräch in einer der Gaststätten am Rande der Strecke. Zum Beispiel im "Rock Store". Autonarr Jay Leno soll hier zu den Stammgästen zählen. Hier kann es passieren, wovor Lamborghini-Fahrer sonst meist gefeit sind: dass ein zweiter Gallardo auf dem Parkplatz steht. "Das sind genau die Momente, für die Sonderserien wie der Perfomante gebaut werden", sagt Marktforscher Nick Margetts vom Analyse-Institut Jato Dynamics. "Die Kunden wollen unbedingt ein unverwechselbares Auto haben, und dafür greifen sie auch etwas tiefer in die Tasche."

Clevere Renditestrategie nach dem Vorbild von Porsche

Genau das ist der Punkt, weshalb Lamborghini derartige Varianten überhaupt auflegt. Denn mit Modell-Spielarten wie dem Performante retten die Italiener nicht nur ein mittlerweile acht Jahre altes Auto über die Zeit, sie erhöhen damit auch die Rendite. "Wenig reinstecken, viel rausholen", umreißen Branchenkenner diese Strategie. Und selbst wenn niemand konkrete Zahlen nennen mag - klar ist, dass bei einem Preissprung von 190.995 Euro für den normalen Gallardo Spyder auf 217.651 Euro für den Gallardo Spyder Performante ordentlich was hängen bleibt.

Lamborghini folgt damit einem Vorbild, das diese Masche mittlerweile zur Perfektion gebracht hat: Porsche. "Wie kein anderes Unternehmen schafft die Marke seit 30 Jahren die Differenzierung der Differenzierung", sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Ein paar Extra-PS, ein modifiziertes Schiebedach, eine flachere Windschutzscheibe - so macht Porsche aus einem Modell eine ganze Großfamilie und lädt die Typen mit kleinen Geschichten auf. Einem Hauch von Rallye Dakar etwa beim Carrara 4, einer Prise James Dean beim Speedster und etwas Le-Mans-Mythos bei den GT-Modellen. Allerdings, so Dudenhöffer, stecke stets auch Technik dahinter. So entstünden immer neue Spielarten, die Besitzer- und Sammlerstolz kombinieren: "Das Spiel mit der Technik-Variation, die durch kleine Änderungen große Geschichten erzählt, ist Teil des Geheimnisses."