Lancia Delta: Anders um jeden Preis - DER SPIEGEL
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Lancia Delta Anders um jeden Preis

Dass sich Leute nach einem 20.000-Euro-Auto umdrehen passiert nicht oft. Den Lancia Delta kann man allerdings kaum übersehen: SPIEGEL ONLINE war in dem Papagallo unterwegs, mit dem die italienische Traditionsmarke ihr Comeback starten will.
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"Wie sieht der denn aus?" fragen die einen, verziehen das Gesicht und machen damit unmissverständlich klar, dass sie automobile Hausmannskost vorziehen. "Einfach toll, endlich mal ein schickes Auto", sagen die anderen, die sich von den fließenden Linien und den ungewöhnlichen Details der Karosserie angezogen fühlen. Der neue Lancia Delta, und das ist beim heutigen Auto-Überangebot in der Kompakt- und Mittelklasse schon mal die halbe Miete, lässt kaum einen gleichgültig. Das Design polarisiert, die Proportionen fallen auf, die Positionierung ist mutig.

Den Lancia-Verantwortlichen ist das durchaus bewusst. "Wir sind nicht Premium", sagt Ferdinand Kaiser, Marketingchef von Lancia in Deutschland, "aber wir sind die Alternative zu Premium, und zwar durch unseren Dreiklang aus Italianità, Style und Charakter." Die Begriffe hört man ja schon seit vielen Jahren aus dem Fiat-Konzern, doch im Fall von Lancia und insbesondere mit dem neuen Delta erhalten die Worthülsen endlich mal eine überzeugende Füllung.

Optisch nämlich zeigt der neue Delta wirklich Charakter. Das "Flying Bridge" genannte Dach schwingt sich grazil über den Karosseriekörper, was besonders dann auffällt, wenn man das Auto in Zweifarb-Lackierung bestellt (Aufpreis 1150 Euro). Kühlermaske, Scheinwerfer, Flanken, Heckgestaltung - der Delta wirkt aus nahezu jedem Blickwinkel ein wenig anders als andere Autos.

Das gilt auch für den Innenraum, wobei es die Gestalter hier an einigen Stellen übertrieben haben. Der Lenkradkranz beispielsweise ist so modelliert, dass zumindest nicht jede Hand eine wirklich angenehme und ergonomisch günstige Position findet. Und die Skalen der beiden großen Rundinstrumente sehen zwar flott aus, lassen sich aber längst nicht so rasch entziffern und erfassen, wie es eigentlich nötig wäre. Das Bemühen um einen eigenen Stil schlägt hier um in Überheblichkeit - denn es gibt ja bewährte Lösungen für die vielen kleinen Details im Auto-Innenraum.

Die Entdeckung des 120-PS-Basismotors

Wir waren mit dem kleinsten Motor aus dem Angebot unterwegs, dem 1.4-T-Jet-Aggregat mit einer Leistung von 120 PS. Die stärkste Maschine im Programm ist der 1,9-Liter-Twinturbo-Diesel und leistet 190 PS. Der schwächste Motor also brachte uns voran und zwar ausgesprochen angenehm. Das Sechsgang-Schaltgetriebe ließ sich gut bedienen, Straßenlage und Lenkgefühl hinterließen einen ordentlichen Eindruck ohne störende Besonderheiten.

Mit 6,6 Liter Durchschnittsverbrauch steht der Delta mit dem 120-PS-Benziner im Verkaufsprospekt. In diese Region gelangten wir allerdings nie. Am Ende von circa 250 Kilometern in der Stadt, über Land und auf der Autobahn meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 7,4 Litern. Das ist noch kein Grund zum Aufregen, aber sparsam ist es auch nicht. Für Autofahrer, die Wert auf seltene Tankstellenbesuche legen, ist vermutlich das 120-PS-Diesel-Aggregat die bessere Wahl; dieser Motor ist mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern angegeben.

Lancia-Markenchef Ferdinand Kaiser glaubt trotz Krise an die Attraktivität des Wagens. Rund 4000 Exemplare des Delta, so die Planung, sollen im kommenden Jahr in Deutschland verkauft werden. Die 102 Jahre alte Traditionsmarke, die längst zum Fiat-Konzern gehört, will mit dem Auto hierzulande endlich wieder oberhalb der Wahrnehmungsgrenze agieren. Nur zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr setzte Lancia in Deutschland insgesamt nur 2500 Neuwagen ab.

Exquisite Werbepartner, umfangreiche Ausstattung

Um wieder mehr Schwung ins Geschäft zu bringen, schaltete die Marke seit langer Pause für den Delta sogar wieder einmal Fernsehwerbung. Zu sehen ist darin Hollywood-Star und Buddhist Richard Gere, der im Delta erst durch Kalifornien und dann durch Tibet kurvt. Zuvor fiel Lancia durch eine Print-Kampagne mit Carla Bruni auf, der Ehefrau des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Die Auswahl der Werbepartner jedenfalls ist hochkarätig.

Die Ausstattung des Lancias ist üppig: Sieben Airbags, ABS, ESP, Berganfahrhilfe, LED-Tagfahrlicht und LED-Heckleuchten, Nebelscheinwerfer mit Kurvenlichtfunktion, geteilt verschiebbare Rückbank, elektrische Fensterheber vorn und hinten, elektrische Servolenkung, Bordcomputer, Klimaanlage, CD-MP3-Radio und das Multifunktionslenkrad sind serienmäßig an Bord. Das macht nachdenklich, wenn man die mehrseitigen Auflistungen aufpreispflichtiger Sonderausstattungen bei vergleichbaren Modellen aus deutscher Produktion kennt.

Wer daran glaubt, dass ein Auto immer auch eine Visitenkarte des persönlichen Stils ist, der sollte, sofern er sich der extrovertierten und modebewussten Fraktion zurechnet, den Lancia Delta durchaus in Erwägung ziehen. Für experimentierfreudige Autofahrer ist der Wagen ein prima Begleiter; Perfektionisten und Skeptiker hingegen sollten sich anderweitig umsehen. Und der Rest fährt eh' VW Golf.

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