Mazda 3 Der stille Bestseller
Er fuhr schwarz verhüllt durch das Tal des Todes, kurvte getarnt durch den eisigen Winter Schwedens und Finnlands, fegte über den Nürburgring und die deutsche Autobahn. Sogar auf Island hat Mazda den neuen 3er ausführlich geprüft. "Insgesamt haben unsere Prototypen mehr als 1,3 Millionen Kilometer abgespult", sagt Entwicklungsleiter Yoshiyuki Maeda über das längste Testprogramm in der Firmengeschichte. Die Mühe haben sich die Japaner nicht ohne Grund gemacht. Der Mazda 3 ist das wichtigste Auto der Marke und macht weltweit ein Drittel der Verkäufe aus. Kein Wunder, dass Herr Maeda ein wenig nervös um den Neuen herumtänzelt. Denn jetzt ist die Vorserienerprobung Vergangenheit und die Tarnung ist endgültig vom Blech gerissen; denn nun muss sich der Hoffnungsträger zum ersten Mal ungetarnt, in fremder Hand und auf öffentlichen Straßen bewähren. Aber für Aufregung gibt es keinen Grund, Projektleiter Maeda kann also ganz beruhigt sein: Sein Team hat gute Arbeit geleistet.
Der neue Mazda 3 ist vielleicht nicht ganz so solide wie ein VW Golf und nicht ganz so extrovertiert wie ein Citroën C4. Doch insbesondere Modelle wie dem Peugeot 308 oder dem Toyota Auris wird er künftig Konkurrenz machen. Allein finanziell, denn der Preis von knapp 17.000 Euro für das Einstiegsmodell ist scharf kalkuliert zumal sechs Airbags, ESP und aktive Kopfstützen Standard sind. Wer mehr investieren möchte, hat dazu reichlich Gelegenheit, sogar Extras wie ein schlüsselloses Zugangssystem oder eine Überwachung des toten Winkels sind im Angebot.
Außerdem haben die Mazda-Techniker vor allem die Fahrkultur des Kompaktwagens weiter verbessert. Aufgebaut auf der alten Plattform, ist das Auto dennoch spürbar steifer und hörbar leiser geworden. Selbst auf schlechten Pisten lässt sich die Karosserie nicht aus der Ruhe bringen. Und erst weit jenseits der Richtgeschwindigkeit stören Wind- und Abrollgeräusche das Gespräch der Passagiere. Obendrein ist der Wagen harmonischer abgestimmt, poltert nicht mehr ganz so hart über Bodenwellen wie bislang und lässt sich feinfühliger lenken.
Auch innen spürt man den Fortschritt. Ein Längenzuwachs von bis zu neun Zentimetern katapultieren das 4,46 Meter lange Steileck und die um noch einmal zwölf Zentimeter längere Limousine fast schon in die Mittelklasse. So gibt es im Fond mehr Beinfreiheit und im Gepäckabteil mehr Stauraum. Wichtiger ist den Mazda-Leuten aber das neue Cockpit, in dem der Schaltknüppel ergonomisch sinnvoll nach oben gerückt wurde, die Instrumente besser abzulesen und die Materialien feiner ausgewählt sind. Nur das völlig überfrachtete Lenkrad und der altbackene Bildschirm des Bordcomputers passen nicht in die schöne neue Welt.
Optisch bewegt sich der neue Mazda 3 nur wenig
Haben die Designer beim Wechsel vom Modell 323 zum ersten Mazda 3 noch einen großen Sprung vollzogen, markiert die neue, zweite Generation stilistisch nur einen kleinen Hüpfer. Doch schon die kleinen Retuschen lassen den japanischen 3er sportlicher erscheinen, weil nun die Kotflügel weiter ausgestellt sind, die Lampen schärfer geschnitten und hinten mit LED-Technik bestückt wurden, und weil der Kühler nun noch weiter geöffnet wurde.
So gut und ausgewogen der Mazda 3 auch fährt der Blick unter die Motorhaube ist enttäuschend. Immerhin lässt sich das Auto um bis zu elf Prozent sparsamer bewegen als das Vorgängermodell weil der Wagen etwas leichter wurde und die Aerodynamik ein wenig besser. Doch der Trend zum Downsizing, also zu kleineren Hubräumen und Turbo-Aufladung, ist Mazda offenkundig noch nicht angekommen. Basismotor ist deshalb ein konventioneller 1,6-Liter-Benziner mit 105 PS, der reichlich Drehzahl verlangt. Auch der zweite Ottomotor ein 2-Liter-Aggregat mit 150 PS ist noch einer von der alten Schule. Erst im Sommer kommt ein Direkteinspritzer mit Start-Stopp-Automatik, dessen Durchschnittsverbrauch bei rund sechs Liter liegen soll. Das ist gut, aber im Vergleich zu den TSI-Motoren von VW nicht gut genug.
Fetter Dieselmotor mit 185 PS Leistung
Dafür markiert Mazda beim Thema Diesel eine Spitzenstellung zumindest nach Leistung und Drehmoment. Mit dem neuen 2,2-Liter-Motor aus dem Mazda 6 kommt der 3er auf konkurrenzlose 185 PS und brachiale 400 Nm. So wird der Leisetreter zum Dampfhammer. Ruhig und kultiviert beschleunigt der Selbstzünder binnen 8,2 Sekunden auf Tempo 100 und wird mit 213 km/h zum schnellsten Modell der Familie. Weil den voraussichtlich knapp 30.000 Euro teuren Wagen allerdings in Deutschland nicht viele Kunden kaufen werden, gibt es den gleichen Motor auch in einer gedrosselten Version mit 150 PS.
Wem das immer noch zu üppig ist, der kann zum Basis-Selbstzünder mit 1,6 Liter Hubraum und vernünftigen 109 PS greifen. Doch der Mazda 3 soll vor allem als Sportskanone von sich reden machen. Und deshalb haben die Verantwortlichen für den Genfer Autosalon Anfang März bereits die Topversion MPS angekündigt, die das PS-Wettrüsten in der Kompaktklasse eifrig mitmacht. 265 PS stehen dafür zur Verfügung. Still und unscheinbar ist dieses Modell dann auf keinen Fall mehr.