Mercedes AMG A35: Kompakter Kraftmeier - DER SPIEGEL
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Mercedes AMG A 35 Die A-Klasse aus der Krachmacherstraße

Mercedes bringt der A-Klasse schlechte Manieren bei. Der Motor des AMG A 35 krakeelt und knallt nach Lust und Laune. Was andere stört, ist für die Daimler-Tochter Teil ihrer Identität.
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Der erste Eindruck: Frech! Zumindest frecher als die übrigen Varianten der Baureihe, aufgrund neuer Schürzen und eines kleinen Spoilers. Richtig frech wird der Wagen, wenn man ihn in der Lackfarbe "Sun Yellow" bestellt. Die knallt!

Das sagt der Hersteller: Mit dem Debüt der neuen A-Klasse ist der Altersdurchschnitt der Mercedes-Kundschaft deutlich gesunken. Das gilt erst recht für den sportlichen Ableger AMG. Das liegt auch am Preis. "Die Nachfrage nach unseren Kompaktmodellen hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt", sagt AMG-Chef Tobias Moers. Dieser Erfolg habe AMG bestärkt, das Portfolio auszubauen. So folgt auf den bisherigen AMG A45 nun der AMG A 35. Der bietet weniger Leistung, aber das ist Zahlenhuberei. Moers: "Mit dem neuen A 35 bieten wir begeisternde Querdynamik auf dem Niveau des heutigen A 45." Will heißen: Die schnelle Fahrt durch Kurven soll besonders viel Spaß machen.

Fotostrecke

Autogramm Mercedes AMG A35: Der Bollerwagen

Foto: Mercedes

Das ist uns aufgefallen: AMG zeigt mit dem A 35 die dunkle Seite der Mercedes A-Klasse. Von den neuen Sportsitzen bis zu den Zierkonsolen ist das Interieur finsterer als beim normalen Modell. Das wirkt angeblich sportlicher und lenkt weniger ab von dem, was für dieses Auto wichtig ist: der Fahrbahn.

Und dann sind da die Instrumente, deren kunterbunte Grafiken von AMG noch einmal um spezielle Performanceanzeigen erweitert wurden. Auffällig ist auch das neue AMG-Lenkrad, das in der A-Klasse gegen Aufpreis angeboten wird. Es liegt besser in der Hand und sieht besser aus - vor allem wegen der beiden Displaytasten, die rechts und links aus der Nabe herauswachsen. Zwei Druckknöpfe samt kleiner Digitalanzeigen erleichtern das Umschalten der Fahrmodi. Sie muten besser an als die Tasten im neuen Porsche 911 - obwohl der doppelt so viel kostet.

Aber mit dem Ambiente gibt man sich im AMG A 35 nicht lange ab, auch nicht mit der digitalen Erlebniswelt des Bediensystems MB-UX samt selbst lernender und ziemlich verständiger Sprachsteuerung. In der AMG-Version lockt die A-Klasse mit analogem Fahrvergnügen.

In dessen Zentrum stehen ein 2,0 Liter-Turbo-Vierzylindermotor mit 306 PS Leistung sowie ein Allradantrieb, der bis zu 50 Prozent der Kraft nach hinten leitet und so das leidige Untersteuern von Fronttrieblern weitgehend verhindert. Hinzu kommen das schnelle Doppelkupplungsgetriebe, ein strammes Fahrwerk und eine scharfe Lenkung. So wird der AMG A 35 zum Kraftmeier, den man dringend über eine möglichst einsame, enge Landstraße treiben möchte.

Während der Wagen im Komfortmodus handzahm ist, der Motor nur leise grollt und sich das Fahrwerk rückenfreundlich gibt, legt das Auto in den schärferen Modi die Zurückhaltung ab. Der Motor bollert im Schub, sprotzt und krakeelt wie ein großer. Gangwechsel dekoriert er mit künstlichen Fehlzündungen. Für die Schwaben gehört das, was andere als Krach empfinden, zu ihrem Selbstverständnis: Mit dem Wagen "erfüllen wir in jedem Detail unser Markenversprechen", sagt Moers. Immerhin ist der A 35 unter den getunten Autos ein eher leiser Vertreter und auch zahmer als der A 45. Legal ist die Geräuschkulisse sowieso, da Lärmschutzgesetze eher lasch sind.

Aber auch im Innern des A 35 kann es unangenehm werden. Die Stabilitätskontrolle agiert oft im Laissez-faire-Modus, das Fahrwerk lässt Schläge vom Asphalt bis zur Wirbelsäule des Fahrers durch.

Spätestens dann ist klar, warum solche Autos auf Englisch "Hot Hatch" (heißer Hecktürer) heißen. Dem Fahrer wird warm, wenn er den Feger flott bewegt. Dass der A35 dabei knapp 20 Prozent weniger Leistung hat als der vormalige A45 der letzten Generation, fällt nicht auf.

Das muss man wissen: Der Mercedes AMG A35 4matic geht in diesen Tagen in den Handel, kostet mindestens 47.529 Euro und ist das einzige AMG-Modell, das weniger als 50.000 Euro kostet. Zugleich sind das aber auch 9000 Euro mehr, als Mercedes für den A250 4Matic mit dem gleichen Grundmotor mit dann aber lediglich 224 PS verlangt. Im AMG A35 leistet das Turbotriebwerk 306 PS und kommt auf 400 Nm Drehmoment. Damit schafft die A-Klasse den Sprint von 0 auf 100 in 4,7 Sekunden und erreicht mühelos das Limit von 250 km/h. Zwar lässt das Auto wenig Wünsche offen, doch weil Konkurrenten wie BMW M2, Audi RS3 und selbst VW Golf R mehr Leistung haben, wird AMG nachlegen. Es werde, so hört man, auch wieder einen AMG A45 geben - mit angeblich mehr als 400 PS.

Das werden wir nicht vergessen: Die Charakterregelung der A-Klasse. Nicht nur, weil der Schalter im Lenkrad Handschmeichler und Augenweide zugleich ist, sondern vor allem, weil die Fahrprofile wirklich weit auseinander liegen. So weit, dass man sich im Komfortmodus zu fragen beginnt, warum man in einen AMG gestiegen ist. Sobald man jedoch in ein engagierteres Profil wechselt, wird der Jungspund der Marke so wild, dass ein A45 eigentlich ziemlich überflüssig erscheint.

Hersteller:Mercedes AMG
Typ:AMG A35
Karosserie:Kompaktwagen
Motor:Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer mit Turbo
Getriebe:Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb:Allrad
Hubraum:1.991 ccm
Leistung PS:306 PS
Leistung kW:225 kW
Drehmoment:400 Nm
Von 0 auf 100:4,7 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):7,3 Liter
CO2-Ausstoß:167 g/km
Kofferraum:370 Liter
umgebaut:1.210 Liter
Gewicht:1.480 kg
Maße:4436 / 1797 / 1405
Preis:47.529 €