Mercedes S-Klasse S 500 Coupé: Test und Fahrbericht - DER SPIEGEL
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Autogramm Mercedes S 500 Coupé: Das Klunker-Coupé

Foto: Daimler

Autogramm Mercedes S 500 Coupé Der Schwerreiche

Kürzer, kraftvoller und auf Wunsch sogar mit Klunker: Das neue Mercedes S-Klasse-Coupé ist die hübschere S-Klasse geworden. Doch bei aller technischen Aufrüstung ist ein Punkt in Vergessenheit geraten - und der fällt ins Gewicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Riesig und zugleich rassig. Während die normale Mercedes S-Klasse auf Flaggschiff macht, wirkt das neue Coupé der Baureihe schnittig wie eine Luxusyacht. Die beiden Autos haben kein Karosserieteil gemeinsam. Und auch, wenn man den glitzernden Kühlergrill, die flache Silhouette, die breiten Radhäuser, das kurze Heck oder die funkelnden Swarovski-Scheinwerfer nicht mag - der gegenüber dem Vorgängermodell in allen Dimension etwas gekappte Zweitürer wirkt frisch und weit weniger behäbig als früher.

Das sagt der Hersteller: "Ein tolles Auto, für das Entgegenkommende endlich mal wieder den Daumen recken", schwärmt Baureihenleiter Hermann Storp. Dann folgen die üblichen Marketing-Superlative: "schönste S-Klasse aller Zeiten", "Erlebnis für alle Sinne", "ein Design wie gemalt" und "Fahrspaß auf höchstem Niveau".

Das ist uns aufgefallen: Willkommen im siebten Himmel - sobald die Türen ins Schloss fallen und die rahmenlosen Seitenscheiben die letzten Millimeter nach oben rücken, fühlt man sich wie in Watte gepackt. Kein Mucks dringt nach innen, auf der Autobahn fliegt die Landschaft geräuschlos an den Scheiben vorbei. Aus der Klimaanlage strömt parfümierte Luft, und Sitze mit Massagefunktion kneten den Rücken. Was draußen passiert, ist sehr weit weg.

Diese Entrücktheit passt zu dem durchweg hedonistischen Auto, das die Rücksitze eigentlich nur als Alibi hat. Nach dem mühsamen Einstieg in die zweite Reihe sitzt man dort zwar einigermaßen bequem, doch die hinteren Fenster kann nur der Fahrer öffnen.

Gleichzeitig fühlt sich das extrem gekapselte S-Klasse Coupé auch ein wenig fremd und fern an. Etwa, wenn man über eine winklige Landstraße kreuzt. Ja, die Luftfederung lässt sich auf Sport stellen, und der 455 PS starke V8-Motor kann auch zum Knurren und Bollern animiert werden. Doch was bleibt, ist ein 5,03 Meter langes Auto, eine limousinenhaft weiche Lenkung und ein wolkiges Fahrwerk mit neuem Wankausgleich in den Kurven. Mit rund 2,1 Tonnen ist das S-Klasse Coupé zwar 40 Kilo leichter als der Vorgänger, aber immer noch deutlich zu schwer geraten. Wo steckt da bitteschön der Leichtbau?

Das muss man wissen: Neben jeder Menge Lack und Leder bietet das ab September lieferbare S-Klasse Coupé reichlich Hightech - von den serienmäßigen LED-Scheinwerfern über eine Vielzahl von Assistenzsystemen wie Online-Navigation, Nachtsichtassistent und mobilem Appstore im Infotainment-System. Anders als in der Limousine kann man für sämtliche Coupé-Varianten auch ein Head-up-Display bestellen.

Die Luxus-Ausstattung geht natürlich ins Geld: Mit einem Grundpreis von 125.961 Euro ist das Coupé glatt 15.000 Euro teurer als die Limousine. Dann blättert man durch die 50 Seiten starke Preisliste und hat, wenn man nur einigen Begehrlichkeiten nachgibt, rasch den Gegenwert einer Mercedes A-Klasse an Ausstattung draufgepackt. Und da reden wir noch nicht vom S 63 AMG (ab 170.596 Euro) oder dem noch kommenden Modell mit Zwölfzylindermotor, das es künftig wohl unter dem Typnamen S 65 AMG geben wird.

Mit dem Debüt des Coupés sowie der bekannten Limousine mit zwei unterschiedlichen Radständen gibt es das Topmodell von Mercedes nun in drei Karosserievarianten. Und Baureihenchef Storp kündigt an: "Wir werden am Ende insgesamt sechs Varianten haben." Was das für Autos sein könnten? Vermutlich zwei weitere, noch größere Limousinen und wahrscheinlich ein Luxus-Cabrio.

Das werden wir nicht vergessen: Das Coupé heißt zwar jetzt wieder S-Klasse (und nicht mehr CL), nutzt die gleiche Architektur wie die Limousine und bedient sich der gleichen Technologien. Doch das Auto hat eine eigene Persönlichkeit. Die wird nicht nur geprägt durch die straffer geformten Bleche und das stark veränderte Innenleben mit dem weit zurückgenommenen Cockpit, sondern auch durch den Wunsch des Reisenden, auf dem Fahrersitz Platz zu nehmen. Während bei der Limousine der beste Platz durchaus auch hinten rechts sein kann, kommt im Coupé eigentlich nur vorne links in Frage.