Mini Coupé: Go-Kart ohne Helmpflicht - DER SPIEGEL
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Mini Coupé: Der Zweisitzer-Mini

Mini Coupé Go-Kart ohne Helmpflicht

Die Mini-Familie wächst und wächst. Nach dem großen Countryman folgt jetzt das kleine Coupé. Sportlich gestylt und straff abgestimmt, soll es zum automobilen Jungbrunnen für Großstadt-Juppies werden. Und fürs nächste Jahr ist bereits die offene Variante avisiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich ist das Auto zu klein, zu unpraktisch, viel zu teuer- und trotzdem ungeheuer erfolgreich. Seit BMW vor zehn Jahren den Mini neu auflegte, wurden allein im Stammwerk Oxford bereits zwei Millionen Autos gebaut. Die zigtausend Mini-SUVs vom Typ Countryman, die bei Magna im österreichischen Graz gefertigt werden kommen noch dazu. Der Grund des Erfolgs? Sicherlich das Design, das quirlige Fahrgefühl und das Image des Autoknirpses. Und dann wohl auch die clevere Modellplanung. Um immer neue Kaufanreize zu schaffen, wird die Angebotspalette ständig erweitert. "Jedes Jahr ein neues Modell", lautet die Erfolgsformel der Mini-Manager.

Die Neuheit des Jahres 2011 steht nun am Start. Genau an dem Tag, an dem nach BMW-Zeitrechnung in Oxford der zweimillionste Mini vom Band lief, stand das neue Coupé zu einer ersten Testfahrt bereit. Ab Oktober wird der Wagen bei den Händlern stehen. Wie in der Branche üblich, muss man auch für dieses Coupé tiefer in die Tasche greifen als für das Grundmodell. Das billigste Modell kostet 21.200 Euro und damit knapp zehn Prozent mehr als der identisch motorisierte normale Mini. Die Fangemeinde wird das kaum stören: Wer ein billiges Auto sucht, darf ohnehin nicht bei der BMW-Tochter vorbeischauen.

Abgeleitet vom normalen Dreitürer und konstruiert auf Basis des Cabrios, gibt das Coupé den jugendlichen Heißsporn der Familie. Das liegt vor allem am eigenwilligen Helmdach, das Chefdesigner Anders Warming als umgekehrt aufgesetzte Baseball-Mütze interpretiert. Zwar führt das entlang der Fensterlinie zur störenden Kollision einiger Konturen, doch wird der Mini so unverwechselbar und dürfte im Straßenbild nicht zu übersehen sein. Vor allem mit den kontrastierenden Rallyestreifen und der zweifarbigen Lackierung ist das Auto ein Blickfang - und damit das perfekte Aushängeschild für seinen Besitzer.

Keine Rücksitze, mehr Kofferraum

Wurde für den lediglich 1,38 Meter hohen Flachmann außen jede Menge umgebaut, sieht das Coupé innen aus wie jeder andere Mini auch - zumindest vor dem Fahrer. Im Fond dagegen ist nichts mehr, wie es einmal war: Weil die Rückbank schon beim normalen Mini kaum mehr ist als ein Alibi, wurde sie beim Coupé gleich ganz weggelassen - und der so gewonnene Platz dem Kofferraum zugeschlagen. Unter der großen, bis ins Dach gezogenen Heckklappe und der mit zwei Hutzen aufgehübschten Hutablage verbergen sich 280 Liter Stauraum. Das sind 20 Liter mehr als in der Kombivariante Clubman. Obwohl Mini-Chef Kay Segler das Coupé für den unvernünftigsten Spross der Familie hält, ist es in punkto Laderaum sogar der mit der praktischsten Veranlagung.

Gefeilt wurde in großem Stil am Fahrwerk. Die Entwickler stimmten das Coupé neu ab und bauten dem Coupé einen ab Tempo 80 automatisch ausfahrenden Spoiler auf den Heckdeckel. "Der sieht nicht nur sportlich aus, sondern bringt in den Kurven zusätzlichen Anpressdruck und verbessert die Straßenlage", sagt Chefdynamiker Heinz Krusche. Dass sich der Zweisitzer tatsächlich sportlicher anfühlt, schon auf den ersten Metern Go-Kart-Assoziationen wach ruft und man sich hinter dem Steuer gleich ein paar Jahre jünger fühlt, ist eher Psychologie als Physik. Man wähnt sich in tiefer Position über der Straße, wird unter dem flachen Dach förmlich zum Teil des Autos und kann eigentlich gar nicht anderes, als mit quietschenden Reifen und schwerem Gasfuß an der Ideallinie zu sägen.

Am meisten Spaß macht die Kurvenhatz natürlich mit dem stärksten Motor. Das ist wie immer bei Mini der 1,6 Liter große Turbo-Benzin-Direkteinspritzer der Variante John Cooper Works, der mit 211 PS zu Werke geht und mit 240 km/h zum schnellsten Mini der Neuzeit wird. Allerdings ist das Auto mit dieser Maschine nicht nur das durstigste Modell (7,1 Liter je 100 Kilometer), sondern auch das teuerste (31.150 Euro).

Das Coupé mit Dieselmotor ist ein guter Kompromiss

Als guter Kompromiss zwischen Vernunft und Vergnügen tut es auch die Dieselversion. Im Coupé gibt es den Selbstzünder unter dem Kürzel SD mit 143 PS, für den Mini 26.300 Euro aufruft. Er klingt nicht ganz so kernig wie der Turbo, wirft aber satte 305 Nm Drehmoment in die Waagschale. Damit lässt er das Coupé in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 schnellen und muss erst bei 216 km/h die Überholspur räumen. Und wenn der John Cooper Works längst an der Zapfsäle steht, fährt der Diesel immer weiter: bei 40 Litern Tankvolumen und einem Normverbrauch von 4,3 Litern reicht der Sprit theoretisch für fast 1000 Kilometer.

Lange wird der bislang kleinste und sportlichste Mini der Palette übrigens nicht als Solitär die Benjamin-Rolle spielen. Für das kommende Jahr nämlich ist die Roadster-Variante des Coupés angekündigt. Also das gleiche Auto, nur ohne blecherne Baseball-Kappe.