Autogramm Nissan Pulsar: Auffallend unauffällig
Autogramm Nissan Pulsar Endlich wieder bieder
Der erste Eindruck: Ein Kompaktauto wie jedes andere. Während Nissan vor allem beim Juke durch gewagtes Design aufgefallen ist, sticht der Pulsar kaum aus der Masse heraus.
Das sagt der Hersteller: Der Pulsar soll für Nissan neue Kunden gewinnen und die Abwanderung all jener stoppen, denen beispielsweise der Qashqai ein bisschen zu modisch oder einfach nur zu groß geraten ist.
"Es gibt in Europa viele Kunden, die den Trend zum Crossover nicht mitmachen und lieber ein ganz normales Schrägheckmodell wollen", sagt Andrew Limbert aus dem Nissan-Marketing. Und zwar so viele, dass man diese Gruppe nicht ignorieren dürfe.
Das ist uns aufgefallen: Von wegen Kompaktklasse! Äußerlich liegt der Pulsar mit einer Länge 4,39 Metern zwar genau zwischen Ford Focus und Opel Astra, doch weil der Wagen mit 2,70 Meter Radstand die Konkurrenten klar übertrifft, bietet er innen deutlich mehr Platz und übertrifft sogar manches Mittelklasse-Modell: Selbst wenn ein Zwei-Meter-Mensch zum Steuer greift, kann dahinter ein Erwachsener noch bequem sitzen. "Das geht übrigens nicht zulasten des Kofferraums", sagt Marketing-Mann Limbert und verweist auf 385 Liter Fassungsvermögen.
Der Pulsar ist aber nicht nur ein Auto für Drinsitzer, sondern auch für Durchblicker. Denn während sich viele andere Kompaktautos im Drang nach sportlichem Aussehen immer weiter verschließen - was zu Scheiben in Schießscharten-Größe führt - bietet der Pulsar mustergültige Aussichten. Flache Brüstung, dünne Karosseriesäulen und hohe Scheiben sorgen für eine gute Übersicht. Und falls es dennoch knifflig wird, die Übersicht zu behalten, hilft der sogenannte Around-View-Monitor, auf dem ein künstlich komponiertes Kamerabild den Wagen aus der Vogelperspektive zeigt.
Über das Bemühen um eine gute Aussicht ist den Entwicklern aber offenbar der Blick fürs Naheliegende abhanden gekommen. Die Konsolen und das Armaturenbrett jedenfalls wirken in ihrem pieksauberen, aber arg spießigen Plastiklook ziemlich langweilig und lustlos designt. Das ist kein Vergleich zur Noblesse, die von anderen Herstellern zumindest vorgegaukelt wird.
Das muss man wissen: Der Pulsar kommt ab 10. Oktober in den Handel, das billigste Modell kostet 15.990 Euro. Das ist allerdings nur eine Art Lockangebot. Denn diese sogenannte Launch-Edition läuft im Dezember aus, und danach verlangt Nissan für das Basismodell nach aktueller Planung 17.940 Euro.
Vom Crossover-Modell Qashqai übernimmt der Pulsar nicht nur Teile der Plattform, sondern auch die Elektronik mit dem großen Infotainment-Monitor in der Mittelkonsole sowie dem brillanten Bildschirm zwischen den Instrumenten und auch die Motoren.
Zur Wahl stehen zunächst ein 1,5-Liter großer Diesel mit 110 PS und einem Normverbrauch von 3,6 Litern sowie ein Benziner mit 115 PS. Der Ottomotor mit 1,2 Liter Hubraum muss ganz schön rödeln, wenn man es ein bisschen flotter angehen lässt. Aber erstens ist der Pulsar ohnehin als Blutdrucksenker und nicht als Pulsbeschleuniger abgestimmt, und zweitens läuft er bei gemächlicher Gangart überraschend ruhig und leise. Zudem kommt man dann dem offiziellen Durchschnittsverbrauch von 5,0 Liter je 100 Kilometer ziemlich nahe.
Wem der Pulsar in dieser Ausprägung zu blutleer ist, für den haben die Nissan-Leute einen Trost. "Wir wissen, dass man in diesem Segment auch ein Modell mit mehr Muskeln braucht", sagt Produktmanager Michael Hermreck - und kündigt für das nächste Jahr schon mal eine Variante mit 1,6-Liter-Turbo und 190 PS an.
Das werden wir nicht vergessen: Wie Nissan den Insassen auch mit kleinen Details innere Größe vermittelt - zum Beispiel in den vorderen Türen. Dort haben die Entwickler die Verkleidung ein wenig eingezogen und gleichzeitig die weich gepolsterten Armauflagen ohne Platzeinbußen auf fast zehn Zentimeter verbreitert. Das kostet nur ein paar Cent, hat aber einen unbezahlbaren Effekt: Obwohl sich am Format des Autos nichts ändert, hat man jetzt fast so viel Ellenbogenfreiheit wie in der Oberklasse und ein entsprechend gutes Gefühl hinter dem Lenkrad.