Opel Astra 1.0: Endlich wieder dabei
Opel Astra 1.0 Gute Besserung
Entschlossen kommt der Mann auf mich zu. "Das ist der Neue, oder?" fragt er interessiert. Ja, das stimmt. Soeben bin ich mit dem neuen Opel Astra auf den Parkplatz gefahren. Und schon stecke ich in einem Gespräch über das Auto, über Opel und übers Wetter. Fazit: Der nette Herr hätte sich beinahe auch einen neuen Opel Astra gekauft, es wurde dann aber doch ein Ford C-Max. "Mehr Platz für die Familie, sie wissen schon....".
Die kurze Begegnung zeigt vor allem eins: Auch ein weißer Opel Astra, im Prinzip eines der unauffälligsten Autos überhaupt, kann inzwischen wieder Aufmerksamkeit erregen. Vielleicht hat die Rüsselheimer Kampagne vom "Umparken im Kopf" ja tatsächlich etwas bewirkt. Wahrscheinlicher aber ist, denn die Leute sind ja nicht blöd, dass Autointeressierte inzwischen mitbekommen haben, dass der neue Opel Astra einfach ein ordentliches Auto ist. So uneingeschränkt ließ sich das vom Vorgängermodell nicht behaupten, aber dazu gleich mehr.
Der Fünftürer ist flott proportioniert, sieht aus allen Richtungen schwungvoll aus, bietet Komfort und Platz, wie man es von einem Kompaktwagen erwartet. Und er fährt sich richtig gut, obwohl wir mit dem Magermodell unterwegs waren: Im Motorraum steckte das kleinste Aggregat aus dem Sortiment, der 1-Liter-Dreizylinder-Benzindirekteinspritzer mit Turboaufladung. Das Beste am Motor: Es ist nicht das skandalumwaberte Dieseltriebwerk von Opel, mit dem man beim Fahren immer ein schlechtes Gewissen haben müsste.
Auch der Astra rüstet digital auf
Kombiniert wird die Maschine mit einem Fünfgangschaltgetriebe und Start-Stopp-Automatik. In der niedrigsten Ausstattungsstufe namens "Selection" kostet der so motorisierte Wagen 17.960 Euro.
Was beim neuen Astra vor allem verblüfft: Obwohl der Wagen nichts Außergewöhnliches zu bieten hat, wirkt er erfrischend und modern. Zumindest im Vergleich zu seinem Vorgänger. Der war länger, bot aber weniger Innenraum; dazu kam eine biedere Optik und die Abwesenheit jedweder zeitgemäßer Elektronik.
Die Erwartungshaltung an den Astra war jetzt also minimal, nachdem die letzte Generation so abgefallen war im Vergleich zum früheren Dauerrivalen VW Golf. Mit dem neuen Modell hat der Rüsselsheimer aber zurück in die Spur gefunden. Den größten Anteil daran hat die ansprechende Verpackung der an sich durchschnittlichen Technik, die sich deutlich vom Volkswagen-Formalismus absetzt.
Da ist zum Beispiel das elegant gestaltete Armaturenbrett mit den gekonnt designten Aluleisten, das übersichtliche Cockpit oder das einfach aufgebaute, gut erreichbare Infotainment-System zur Vernetzung des Smartphones mit der Bordelektronik. Opel bietet für den Astra reihenweise Ausstattungsextras an, die es in anderen Fahrzeugen dieser Klasse nur selten oder gar nicht gibt. Die kosten natürlich Aufpreis. Der Telematikdienst "On Star" etwa 490 Euro. Er beinhaltet WLAN-Hotspot, Navigationshilfe, Pannen- oder Unfallhilfe sowie eine Notruffunktion. Dazu kommen adaptive LED-Matrix-Scheinwerfer für 1150 Euro oder die Frontkamera samt Kollisionswarner und Verkehrszeichenerkennung für 500 Euro.
Parfümierte Luft auf Knopfdruck
Opel behauptet außerdem, der Astra biete die "klassenbeste Wellnessausstattung". Begründet wird das unter anderem mit dem "einzigartigen Air-Wellness-Aromasystem", das man für 50 Euro Aufpreis bestellen kann, sofern auch der Power-Flex-Adapter für 40 Euro an Bord ist, mit dem sich wahlweise der Duftautomat oder das Mobiltelefon an der Armaturentafel fixieren lassen. Sodann hat man die Wahl, per Knopfdruck der Innenraumluft eine Portion der Duftnoten "Energizing Dark Wood" oder "Balancing Green Tea" beizumischen. In unserem Testauto war eine Grüntee-Parfümkapsel installiert. Ja, man roch etwas davon, und nein, die Stimmung an Bord hat sich dadurch nicht grundlegend verändert.
Das war schon eher der Fall, als das Navigationssystem vor einer Baustelle warnte, als wir längst einspurig über die Autobahn zuckelten. Oder als nach dem Tankstopp klar wurde, dass auch in diesem Auto der offizielle Durchschnittsverbrauch von 4,4 Liter je 100 Kilometer - in der Realität unserer Testfahrt waren es knapp sieben Liter - nur ein unerreichbares Ziel aus dem Land der Prüfstandsgläubigen ist.
Gleich nach dem Besuch an der Tanke hat man das aber auch schon wieder vergessen, denn das angenehme Fahrgefühl vertreibt den Ärger über hanebüchene Normwerte. Das Auto wirkt grundsolide, so wie die hübschen, präzise einrastenden Temperaturregler der Klimaanlage. Oft sind es ja solche Details, die quasi das ganze Auto auf den Punkt bringen.
Die Einparkhilfe führt ein merkwürdiges Eigenleben
Das gilt auch für die Einparkhilfe, die als Negativbeispiel der Elektronik herhalten muss. Zwar sind die Parkpiepser für das Heck sinnvoll, denn die Sicht nach schräg hinten ist miserabel. Warum aber zerrt das Gepiepse, das vor Hindernissen hinter dem Auto warnt, auch dann noch weiter an den Nerven, wenn der erste Gang schon wieder eingelegt ist? Oder wenn man vorwärts durch eine enge Einfahrt rollt?
"Umparken im Kopf" ist das eine. Das andere ist das Ein-, Aus- oder Umparken im wirklichen Autoleben. Solange jedoch das nur mit hysterischer Piepsbegleitung funktioniert, bleibt auch der raffinierteste Werbeslogan wirkungslos.