Peugeot 308: Golf der Gallier - DER SPIEGEL
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Peugeot 308 Golf der Gallier

Um Boden in der wichtigen Kompaktklasse gut zu machen, schickt Peugeot den 308 an Start. Der Neue sieht besser aus als sein Vorgänger 307, bietet mehr Platz und hat sparsamere Motoren. Allerdings ist er ein wenig farblos geraten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Segment der Kompaktwagen herrscht harter Wettbewerb. Keine andere Autoklasse ist in Europa derart wichtig, sie macht mit knapp fünf Millionen Zulassungen ein Drittel des Marktes aus. Und nirgendwo ist der Wettbewerb größer. "Waren es 2001 noch 32 Modelle, konkurrieren heute über 50 Autos", sagte Peugeot-Sprecher Christian Peugeot. Dennoch wird die Fahrzeuggattung von einem einzigen Modell dominiert: dem VW Golf. Mit einem Marktanteil von 35 Prozent in Deutschland ist er nicht nur der Namenspatron des Segments, das viele auch Golf-Klasse nennen. Sondern auch eine Art Urmeter, an dem sich alle anderen Autos messen lassen müssen.

Nach der Premiere des Modells 307 im Jahr 2001 sah es zunächst gar nicht so schlecht für die Franzosen aus. Der damals neue Peugeot brachte es in der Europawertung der Klasse immerhin auf Platz vier. Doch zu gewöhnlich war das Design, zu trist das Ambiente und vor allem zu schlecht die Qualität, als dass der Ruhm von Dauer hätte sein können. Deshalb nehmen die Franzosen jetzt einen neuen Anlauf und schicken den 308 ins Rennen. Die Erwartungen an den Wagen sind hoch gesteckt. "Er wird das absolute Referenzmodell der Löwenmarke", sagt Deutschlandchef Olivier Dardart.

Ein Argument ist der Preis: 14.950 Euro für den Drei- und 15.750 Euro für den Fünftürer lauten die Basiskurse. Damit liegt der 308 knapp unter dem Vorgänger und rund 1000 Euro unter VW Golf oder Opel Astra. Und eine bessere Ausstattung hat er obendrein. Zwar gibt es eine Klimaanlage erst ab dem zweiten Ausstattungsniveau, doch zählen ESP, sieben von neun möglichen Airbags und aktive Kopfstützen zum Standard, was die Crash-Serie Euro-NCAP just mit der Bestnote von fünf Sternen goutierte.

Mehr noch als auf den Preis setzt Peugeot beim 308 auf ein Rendezvous von französischem Lebensstil und teutonischer Tugend. Fürs savoir vivre steht Dardarts zufolge das Design, das einiges vom Kleinwagen 207 hat sowie mehr Platz, bequeme Sitze und das lichte Raumgefühl. Deutsch am Golf der Gallier sei hingegen die Qualität, die mit einem auf zwei Millionen Kilometer verdoppelten Testprogramm und einer 1800 Punkte umfassenden Checkliste in der Produktion garantiert werden soll. Dazu kommt eine Materialauswahl, die in manchen Varianten schon jenseits der Kompaktklasse liegt. "Hier heißt unser Vorbild Audi, nicht VW", sagt ein Sprecher.

Wo ist der Charme der Unvollkommenheit geblieben?

Doch das Streben nach Perfektion hat auch Nachteile: Der Wagen verliert an Identität und wird zu einem Allerweltsauto. Man fühlt sich auf Anhieb darin zu Hause und eben nicht mehr wie auf Urlaub in Frankreich. Und bis auf den überflüssigen Parfümspender in der Klimaanlage oder die pfiffige Hutablage mit ihrem integrierten Geheimfach gibt es kaum mehr Details, die den Wagen einzigartig machen. Selbst die Idee vom Panoramadach haben die Konkurrenten längst kopiert – wenngleich es nirgendwo mehr Glasflächen in einem Wagen dieses Segments geben dürfte, als im neuen Peugeot - fast fünf Quadratmeter sind es.

Auch technisch ist der 308 grundsolide und frei von Überraschungen. Aufgebaut auf der alten Plattform und in Länge und Breite nur mäßig erweitert, rollt der Wagen jetzt souveräner über Autobahn und Landstraßen, ohne dabei den Heißsporn zu geben. Zum Start gibt es sechs Motoren. Die drei Benziner stammen aus der Kooperation mit BMW, haben 1,4 bis 1,6 Liter Hubraum und kommen auf 95 bis 150 PS. Damit sind immerhin Sprintwerte von 8,8 Sekunden und Spitzentempi von 213 km/h möglich. Daneben haben die Franzosen drei Diesel im Programm, die aus 1,6 oder 2,0 Litern Hubraum 90, 109 oder 136 PS schöpfen und es auch auf bis zu 206 km/h bringen. Weil der Luftwiderstand verbessert und Leichtlaufreifen aufgezogen wurden, braucht der 308 zehn Prozent weniger Sprit als der Vorgänger 307.

Einige Sparmöglichkeiten wurden verpasst

Die Benziner liegen zwischen 6,5 und 7,9 Litern Durchschnittsverbrauch, und der sparsamste Diesel kommt auf 4,5 Liter und einen CO2-Ausstoß von 120 Gramm. Hätten die Franzosen jetzt von BMW die Start-Stopp-Automatik übernommen oder ein paar weitere Details optimiert, hätten sie in der Öko-Wertung selbst dem Golf Bluemotion den Rang abgelaufen. So bleibt nur der tröstende Blick in die Zukunft, die nicht nur ein sportliches RC-Modell, sondern neben einer Start-Stopp- und Ethanol-Variante wohl auch ein Modell mit Diesel-Hybridantrieb bringen wird.

Auch neue Karosserievarianten sind geplant. Der auf der IAA noch als Studie gezeigte 308 SW wird schon im nächsten Jahr als neuer Kombi in Serie gehen. Das Cabrio-Coupé ist für 2009 in Vorbereitung, und sogar ein Sportwagen im Stil des Audi TT hat Chancen auf die Serienfertigung. Denn bei aller Vernunft und Deutschtümelei: Ein bisschen Spaß muss sein.

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