Peugeot 407 Der Alleinunterhalter
Die hohen Erwartungen an den neuen 407 nennt Frédéric Drouin "realistisch". Noch in diesem Jahr sollen in Deutschland 10.000 Fahrzeuge des frischen Modells verkauft werden, im Jahr darauf gar 25.000, erklärt der Marketingchef von Peugeot Deutschland. Warum so optimistisch, Monsieur Drouin? "Schon allein deshalb, weil in diesem Jahr kein anderes wichtiges Mittelklassemodell auf den Markt kommen wird."
Dem neuen Peugeot fällt also die Rolle des Alleinunterhalters zu - er füllt sie auch ganz ordentlich aus. Nach den ersten Fahreindrücken über Autobahnen und kurvige Landstraßen in Südportugal lässt sich sagen, dass die Franzosen ein rundum gelungenes Auto auf die Räder gestellt haben. Dennoch reißt der Wagen nicht zu Begeisterungsstürmen hin, denn dazu fehlt ihm einfach das gewisse Etwas, die überraschende Zugabe, der kleine Extrakick.
Das Design der Frontpartie hätte diesen Part übernehmen können, doch leider fehlt im die letzte Konsequenz. Zu den schon markentypischen, übergroß und scharf geschnittenen "Katzenaugenscheinwerfern" (Drouin) haben die Designer im Pariser Centre Style Peugeot um Gérard Welter ein riesiges "Haifischmaul" (Drouin) als Kühleröffnung entworfen. "Zusammen ergibt das einen richtigen Raubtiercharakter", sagt Drouin.
In der Tat fällt die Frontpartie des 407 aus dem Rahmen, der sonst die Gestaltung von Mittelklasselimousinen begrenzt. Aber warum wurde dieses weit aufgerissene Maul so lieblos mit groben, breiten, schwarzen Plastikstreben vergittert? Warum wurde nicht wenigstens ein feines Wabengeflecht wie im ebenfalls überdimensionierten Löwen-Logo verwendet? So jedenfalls wirkt es bei dem - wohl erwünschtem - näherem Hinsehen schluderig. An anderen Stellen dann wieder beweisen die Peugeot-Designer Liebe zum Detail. Der Kofferraum zum Beispiel öffnet sich durch Druck auf die "0" in der Typbezeichnung 407.
Im Innenraum ist den Franzosen sowohl bei der Wahl der Oberflächen als auch bei der skulpturhaften Gestaltung der Armaturentafel ein deutlicher Schritt nach vorn gelungen. Auch das Cockpit mit den fünf klassisch gezeichneten Rundinstrumenten sieht prima aus.
Gleich zum Marktstart des Wagens am 15. Mai bietet Peugeot für das Auto vier Benzinmotoren und zwei Dieselaggregate, jeweils mit Rußpartikelfilter, an. Unter der lang gestreckten Haube unseres Testfahrzeugs steckte der bekannte 2,2-Liter-Vierzylinder-Benziner, die Kraftübertragung erfolgte über einem neu entwickeltes Sechsgang-Schaltgetriebe. Die Kombination harmonierte gut. Die Maschine hat mit dem Auto keine Mühe, läuft ruhig und dreht munter hoch. Die Schaltwege jedoch könnten kürzer sein, und obwohl das Fahrwerk ganz unfranzösisch straff geraten ist, fiel doch auf, dass der Wagen vergleichsweise weit ausfedert.
Richtig gut gelungen ist die Lenkung. Peugeot hat hier erstmals ein Serienauto mit Rennsporttechnik ausgerüstet, nämlich mit entkoppelten Achsschenkeln an der Vorderachse. Damit werden Federbewegungen und Lenkbewegungen voneinander getrennt, was zu einem präziseren Gefühl am Volant führt. Bei zügiger Fahrt über kurvige Straßen ist dies durchaus spürbar.
| Hersteller: | Peugeot |
|---|---|
| Typ: | 407 |
| Karosserie: | Limousine |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Hubraum: | 2.230 ccm |
| Leistung PS: | 158 PS |
| Leistung kW: | 116 kW |
| Drehmoment: | 217 Nm |
| Von 0 auf 100: | 10,1 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 220 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 9 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 213 g/km |
| Kofferraum: | 407 Liter |
| Versicherung (HP): | 19 € |
| Versicherung (TK): | 17 € |
| Versicherung (VK): | 19 € |
| Preis: | 24.700 € |
Peugeot versteht sich als Volumenhersteller und möchte "Autos mit einem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis" anbieten, wie Marketingmann Drouin betont. Es gibt deshalb keine Techno-Extras wie etwa Kurvenlicht oder ein DVD-Navigationssystem für den 407, dafür aber habe man sich auf "nützliche Innovationen" konzentriert. Serienmäßig sind alle Modelle unter anderem mit ABS, ESP, neun Airbags (darunter Seitenairbags hinten und ein Knieairbag für den Fahrer), Sonnenrollos im Fond und elektrischen Fensterhebern an den hinteren Türen ausgestattet.
Um auf diese, durchaus nicht selbstverständlichen Ausstattungsdetails hinzuweisen, wirbt Peugeot mit dem Slogan "Ab jetzt verlassen Sie die Mittelklasse" für den neuen Wagen. Doch die Limousine ist nur ein Vorgeplänkel. Richtig ernst wird es im September, wenn der 407 SW auf den Markt kommt. Das Mischmobil aus Kombi und Van mit einem 1,6 Quadratmeter großen Glasdach soll als Eroberer der Konkurrenz die Kundschaft abjagen. Peugeot erwartet, dass sich zwei Drittel der deutschen Käufer für einen SW entscheiden. Er wird der zweite Alleinunterhalter im Peugeot-Programm und die erwartungsfrohe Haltung der Franzosen damit durchaus verständlich.