Porsche Carrera GT Grenzenlose Kraft
Es sei zwar eine "unchristliche Zeit", zu der Porsche eine Pressekonferenz einberufen habe, gab Sprecher Anton Hunger zu, doch habe "die Dramaturgie der Veranstaltung nichts anderes zugelassen." Um 6 Uhr morgens hatten die Zuffenhausener in die Glaspyramide im Louvre gebeten, um ein neues Auto vorzustellen.
"Mit diesem Auto werden wir der Welt wieder einmal zeigen, wozu Porsche fähig ist - nämlich zu allem." Voller Selbstvertrauen präsentierte Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking das "neue Baby" seiner Firma: den Carrera GT.
Ein Auto, so der Chef weiter, das "die bisher vorstellbaren Grenzen des Sportwagenbaus überschreitet". Zwischen den Zeilen wurde deutlich, wie sehr es Porsche gewurmt haben muss, dass zuletzt "Vollsortimenter" (Wiedeking) wie der VW-Konzern mit den Bugatti-Studien oder Mercedes mit der Studie SLR Testballons für eine neue Supersportwagenklasse aufsteigen ließen.
Das konnten die Experten für Vollgas auf vier Rädern nicht auf sich sitzen lassen. Deshalb erinnert sich Wiedeking genau, dass der Beginn des Projekts "auf den 14. Juni 1998 kurz nach 16 Uhr" datiert werden kann. Da hatte Porsche das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen und seinen Rückzug aus dem Rennsport angekündigt.
Der Grund wurde jetzt präsentiert: Die komplette Motorsportabteilung des Hauses war mit der Entwicklung des Carrera GT beschäftigt. Der Auftrag lautete, so Wiedeking, "einen Rennwagen alltagstauglich zu machen."
Nun wird er beim Pariser Autosalon in Gestalt der seriennahen Studie vorgestellt. Die Daten des flach geduckten Roadsters, der schon im Stand vor Kraft zu platzen scheint, sprechen eine klare Sprache: 5,5-Liter-V10-Mittelmotor, 558 PS (410 kW), Spitzengeschwindigkeit mehr als 330 km/h.
Die Beschleunigung von 0 auf 100 gelingt in weniger als vier Sekunden, von 0 auf 200 dauert es nicht einmal zehn Sekunden. Diese Werte, betont Wiedeking, könnten noch nach oben korrigiert werden im Falle einer Serienfabrikation.
Damit ist die entscheidende Fragen schon aufgeworfen: Kommt dieser Wahnsinns-Wagen tatsächlich? Porsche drückt sich um eine Antwort herum. Erst einmal soll der Markt für solch ein Fahrzeug geprüft werden soll.
Sicher eine vernünftige Überlegung, denn der Preis für den Carrera GT wird nach Ansicht von Vertriebsvorstand Hans Riedel "jenseits von 700.000 Mark" liegen. Branchenkenner jedoch sind sich einig: Porsche wird den Wagen bauen und 2003 auf den Markt bringen.
Möglicherweise wird dann auch Walter Röhrl einen dieser Boliden fahren. Der Ex-Rallye-Champion steuerte das Auto nicht nur für Filmaufnahmen über einsame Straßen in Nevada, sondern heute Morgen vor Sonnenaufgang auch über die Champs-Elysées bis in den Louvre-Innenhof, wo die Vorfahrt des Wagens Höhepunkt und Abschluss der Pressekonferenz bildete.
Pech, dass es ausgerechnet heute Morgen in Paris regnete. Zwar bildeten die Tropfen ein hübsches Perlenmuster auf der silbernen Motorhaube, doch durchnässte der Regen auch den Innenraum des Roadsters. "Das Serienauto", so Entwicklungschef Horst Marchart, "wird natürlich ein festes Dach bekommen."